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Nach dem Datenskandal Löschen, verbannen, erklären: Facebooks große PR-Offensive

Facebook löscht Fake-Accounts, Facebook sperrt verdächtige Apps, Facebook öffnet Jugendportal. Facebook bemüht sich mit PR-Macht, den Cambridge-Analytica-Skandal abzuschütteln. Doch es gibt auch genügend schlechte Nachrichten.

Von: Max Muth

Stand: 16.05.2018

ARCHIV - 16.05.2012, USA, Philadelphia: Das  Facebook-Logo ist auf einem iPad zu sehen.
(zu dpa: «Facebook klemmt rund 200 Apps nach Datenskandal ab» vom 14.05.2018) Foto: Matt Rourke/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Matt Rourke

Tue Gutes und rede darüber. Nachdem Facebook in den letzten Jahren ein Paradebeispiel für Intransparenz war, scheint das Unternehmen diesen PR-Allgemeinplatz derzeit konsequent zu beherzigen. Kaum ein Tag vergeht ohne Selbstbeweihräucherung aus der Konzernzentrale.

Am Montag gab das Unternehmen bekannt, dass es 200 Apps von seiner Plattform verbannt habe, die unter Verdacht stehen, ähnlich nachlässig mit Nutzerdaten umgegangen zu sein wie die mittlerweile insolvente Skandalfirma Cambridge Analytica. Am Dienstag ließ Facebook verlauten, dass ab sofort ein Jugendportal zur Verfügung steht, mit dessen Hilfe junge Nutzer lernen können, wie sie Facebook sicher nutzen. Und ebenfalls am Dienstag informierte Facebook erstmals ausführlich über seine jüngsten Bemühungen, die Einhaltung der eigenen Community-Standards durchzusetzen.

Erster Löschbericht aus dem Hause Facebook

Laut dem Bericht hat das Unternehmen bis April innerhalb von sechs Monaten über 1,3 Milliarden Fake-Profile gelöscht - eine riesige Anzahl. Zum Vergleich: Das Netzwerk behauptet aktuell etwa 2,2 Milliarden aktive Nutzer zu haben. 98 Prozent der Fake-Profile seien jedoch gelöscht worden, bevor andere Nutzer sie zu Gesicht bekamen.

Zudem hat das Netzwerk laut eigener Aussage allein im ersten Quartal 2018 gut 850 Millionen Posts gelöscht. Bei einem Großteil davon handelte es sich laut Facebook um Spam, der Rest waren Fälle von Gewaltdarstellungen, zu freizügigem Umgang mit Sexualität und Nacktheit und Fälle von Hate Speech.

Künstliche Intelligenz gegen Hate Speech lässt auf sich warten

Hate Speech stellt Facebook laut eigener Aussage noch vor die größten Probleme. An Nacktheit und pornografischem Inhalt findet Facebooks Künstliche Intelligenz laut Produkt-Management-Chef Guy Rosen mittlerweile 96 Prozent automatisch, bei Gewaltdarstellungen sind es immerhin 86 Prozent. Bei Hate Speech sieht die Sache anders aus: 2,5 Millionen solcher Posts hat Facebook im ersten Quartal 2018 entfernt, nur 38 Prozent davon hat Facebooks Algorithmus selbst gefunden. Der Rest wurde von Nutzern gemeldet und von Facebook-Angestellten geprüft. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat mehrfach betont, dass künstliche Intelligenz noch Jahre davon entfernt ist, Hate Speech zuverlässig zu erkennen.

Überraschung: Facebook wähnt sich auf einem guten Weg

Es ist das erste Mal, dass Facebook einen einigermaßen detaillierten Bericht über die Durchsetzung der selbstgesteckten Regeln auf der Plattform veröffentlicht. Facebook wähnt sich selbst auf einem guten Weg. Samuel Woolley vom Silicon Valley Think Tank "Institute for the Future" ist sich da nicht so sicher. Er forderte das Unternehmen via New York Times auf, unabhängige Experten einzusetzen, um die eigenen Zahlen zu bestätigen. "Warum sollte irgend jemand Facebook glauben? Das Unternehmen hat die Öffentlichkeit in der Vergangenheit so gut wie nie über den Missbrauch ihrer Plattform informiert", wird Woolley zitiert.

Der nächste Skandal kommt bestimmt

Und auch andere Meldungen der letzten Tage stellen Facebooks Optimismus in Frage. So wurde Anfang der Woche bekannt, dass Millionen Nutzerdaten der App "myPersonality" jahrelang fast ungesichert im Netz zu finden waren. Die App-Entwickler kommen aus dem gleichen Umfeld wie die Skandal-Firma Cambridge Analytica. Eine zentrale Figur des Skandals, Alexandr Kogan, wurde bis 2014 sogar als Partner der Forscher geführt. Anders als die guten Nachrichten über Facebooks großartige Fortschritte erfuhren Nutzer diese Meldung aber nicht von Facebooks PR-Abteilung - das mussten die alten Medien übernehmen, in diesem Fall das britischen Fachmagazin "New Scientist".


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