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Festakt mit Maly, Herrmann und Knobloch Nürnberg erinnert an 70. Jahrestag der Gründung des Staates Israel

Vor 70 Jahren, am 14. Mai 1948, wurde der Staat Israel gegründet. Nürnberg hat das bereits am Sonntag gefeiert. Der Rassenwahn der Nazis und der Massenmord an Europas Juden sind untrennbar mit Nürnberg verknüpft. Charlotte Knoblochs Bekenntis zu Bayern rührte alle.

Von: Tina Wenzel und Günther Rehm

Stand: 15.04.2018

Zum dem Festakt hatten die Stadt Nürnberg, die israelitische Kultusgemeinde Nürnberg und die Deutsch-Israelische Gesellschaft Nürnberg-Mittelfranken geladen. Rund 400 Gäste – unter ihnen auch viele jüdische Bürger – kamen in den Musiksaal der Nürnberger Symphoniker in der unvollendeten Kongresshalle auf dem Reichsparteitagsgelände am Dutzendteich.

Wieder jüdisches Leben in Nürnberg

Auf dem Areal hatten die Nationalsozialisten Jahr für Jahr ihre Reichsparteitage abgehalten und 1935 die Rassengesetze verkündet, die die systematische Verfolgung und Ermordung der Juden erst ermöglichten. Nun wurde heute am gleichen Ort die Staatsgründung Israels gefeiert – mit jüdischer Musik und Tanz, unter anderem trat die Givatayim Dance Group aus der Nähe von Tel Aviv auf. Auch in Nürnberg leben mittlerweile wieder zahlreiche Juden, nachdem die Jüdische Gemeinde im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig ausgelöscht worden war.

Herrmann: "Null Toleranz für Intoleranz!"

"Es ist einerseits etwas Normales und andererseits etwas Besonderes. Gerade auch in dieser Stadt, in der vor 83 Jahren die Rassengesetze beschlossen wurden, ist es richtig, dass wir den Jahrestag der Staatsgründung Israels feiern", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei seiner Rede. Er vertrat Ministerpräsident Markus Söder. "Das Existenzrecht Israels gehört zum konstitutiven Selbstverständnis und zur historischen Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland. Die unverbrüchliche Solidarität mit dem Staat Israel ist unverhandelbarer Bestandteil unseres deutschen Wertekanons – heute und in Zukunft!", betonte Herrmann.

"Wer ein Ende unserer Holocaust-Gedenkkultur fordert, der hat aus der deutschen Geschichte offenbar nichts gelernt – der ist auch auf einem völlig falschen Pfad in die Zukunft!"

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann

Man dürfe deshalb nicht zulassen, so der Innenminister, dass Antisemitismus zunehmend wieder salonfähig werde. Auf aktuelle Vorfälle an Schulen eingehend, sagte Herrmann: "Wir dürfen auch nicht zulassen, dass muslimische Migranten Hass gegen Juden ungehindert mit in unser Land bringen. Und wir dürfen nicht zulassen, dass jüdische Kinder an deutschen Schulen immer wieder bedroht und drangsaliert werden. Das Credo lautet deshalb: Null Toleranz für Intoleranz!"

Bewegendes Bekenntnis von Charlotte Knobloch

Die israelitische Kultusgemeinde in Nürnberg zählt derzeit rund 2.200 Mitglieder. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München-Oberbayern, betonte: "Meine Heimat ist Deutschland, meine Heimat ist Bayern. Ich sage das mit Selbstverständlichkeit, ich sage das von Herzen und aus Überzeugung. Selbst an diesem Ort der unvollendet gebliebenen NS-Kongresshalle, die als Monument des menschenverachtenden Größenwahns ihre Zeit überdauert hat."

Maly: Nürnberg und Deutschland müssen Haltung zeigen

Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) mahnte in seiner Rede, dass Nürnberg und Deutschland Haltung zeigen müssten gegen Antisemitismus, der auch heute noch verbreitet ist – sei es von rechtsextremistischen, linksextremistischen oder religiös-fanatischen Gruppen. Auch deswegen, so Maly, sei der Staat Israel für die Juden in Deutschland immer noch ein Zufluchts- und Sehnsuchtsort.


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