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Meistertrunk Festwochenende Trinkfester Stadt-Chef rettet Rothenburg

An diesem Pfingswochenende verwandelt sich Rothenburg ob der Tauber wieder in eine Stadt zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Der Marktplatz wird zum Heerlager und durch die ohnehin mittelalterlichen Straßenzüge ziehen mittelalterlich verkleidete Frauen, Männer und Kinder. Sie feiern ihren Bürgermeister, der die Stadt 1631 mit einem tiefen Schluck Frankenwein vor der Zerstörung bewahrte.

Von: Frank Staudenmayer

Stand: 02.06.2017 | Archiv

Bürgermeister-Darsteller trinkt aus großem Krug | Bild: Uwe Forberg/Meistertrunk

Rothenburg 1631: Die protestantische Freie Reichsstadt liegt unter schwerem Beschuss. Der kaiserliche Feldherr Tilly steht mit 60.000 Mann vor den Toren und will die Stadt erobern. Bald ist der Widerstand der Rothenburger gebrochen und die Stadt gestürmt. Der Bürgermeister und alle Räte werden zum Tode verurteilt. Da zeigen die Rothenburger Größe. Sie reichen Tilly den Sieges- und Willkommenstrunk: Dreieinviertel Liter Frankenwein in einem Pokal. Der Feldherr ist beeindruckt und verspricht die Stadt zu verschonen, wenn es einem Rothenburger gelingt, den Pokal auf einen Zug leer zu trinken. Bürgermeister Georg Nusch stellt sich der übermenschlichen Aufgabe - und schafft den "Meistertrunk".

Festtrubel mit Ablassprediger

Heereszug durch Rothenburg

Auch heuer herrscht wieder vier Tage lang in den Straßen, auf dem Marktplatz, am Grünen Markt und auf dem Kirchplatz buntes und kurzweiliges Treiben: Handwerker und Händler bieten ihre Waren an. Schreiber, Ablassprediger und Landkrämer drehen ihre Runden auf dem Markt, Musikanten und Gaukler sorgen für Unterhaltung. Vor den Stadtmauern ist ein historisches Feldlager aufgebaut. Hier feiern kaiserliche, Rothenburger und schwedische Truppen ein großes Friedensfest, während Marketenderinnen die "Verwundeten" pflegen und versorgen.

Heereszug durch die Stadt

"Schwedenreiter" beim historischen Heereszug am Sonntag

Höhepunkt der Feier ist der historische Heereszug, der am Pfingstsonntag (04.06.17) um 15.00 Uhr startet. Über 800 kostümierte Teilnehmer ziehen singend und musizierend durch die Gassen der Altstadt - von der Spitalgasse zum Historischen Feldlager vor dem Galgentor; vorne weg Fanfarenbläser zu Pferd, schwer bewaffnete Musketiere und ein großes Aufgebot an Geschützen und Pulverwagen. Ziel des Zugs ist das Feldlager vor dem Galgentor.

Doppelter Boden gegen den Suff

Festspiel mit prächtigen Gewändern in stilechter Kulisse

Im historischen Festspiel im Kaisersaal des Rathauses zeigen Laiendarsteller in prächtigen Gewändern und stilechter Kulisse das Geschehen von 1631. Gleich mehrmals am Wochenende erwecken sie die spannendsten Momente ihrer Stadtgeschichte zum Leben. Ein Theatertrick und doppelter Boden im Glas hilft übrigens dem Darsteller des trinkfesten Bürgermeisters, dass er nicht betrunken von der Bühne taumelt.

Historisches Feldlager vor den Toren der Stadt

Das lange Festwochenende endet am Montagabend mit der feierlichen Verabschiedung des Grafen von Tilly auf dem Marktplatz. Er honoriert nochmals den spektakulären "Meistertrunk", der aus erbitterten Feinden neue Freunde gemacht und winkt zum Abschied den Rothenburgern und ihren Festgästen auf dem Marktplatz zu.

Festwochenende vom 2. bis zum 5. Juni 2017

Die vier Tage von Freitag bis Pfingstmontag stehen unter verschiedenen Mottos: von der "belagerten Stadt" am Freitag, die "besetzte Stadt" am Samstag, über die "gerettete Stadt" am Sonntag bis zur "glücklichen Stadt" am Montag. Der Händlermarkt an den vier Tagen, der Schäfertanz am Sonntag und die Feldlager mit Live-Musik kosten jeweils zwischen 3 und 5 Euro Eintritt. Karten für die Aufführung des historischen Festspiels kosten zwischen 6 und 14 Euro. Mit dem "Festabzeichen" für 22 Euro können Besucher von Freitag bis Montag unter anderem den Handwerkermarkt, die "Feuerwache vor dem Tor", das Feldlager und den Historischen Heerezug am Sonntag und Montag sehen.


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