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Neue Ausstellung "Luxus in Seide" im Germanischen Nationalmuseum

Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg zeigt in einer Sonderausstellung Mode und Accessoires des 18. Jahrhunderts. Im Vordergrund steht ein besonders gut erhaltenes Exponat: Ein filigran besticktes Seidenkleid.

Stand: 03.07.2018

Es riecht nach Sandelholz, Rose, Orangenblüte und Moschus: Der pudrige Geruch ist eine zeitgenössische Interpretation eines Rokokoparfums: Dieser etwas ungewöhnliche Duft empfängt die Besucher im Zentrum der Ausstellung – in dem Raum, der das Prunkstück präsentiert: Es ist ein Seidenkleid, das vor 260 Jahren einer norddeutschen Pfarrerstochter gehört hat. Wer es sieht, kann nicht glauben, dass es sich um ein Original handelt: Das bodenlange, zartblaue Seidenkleid ist filigran mit bunten Girlanden bestickt. Jahrzehntelang lagerte das wertvolle Seidenkleid in einem kleinen Lederkoffer.

"Es ist schon eine Seltenheit, ein so gut erhaltenes Kleidungsstück zu bekommen. Besonders toll ist, dass es tatsächlich kaum verändert ist. Was ich auch sehr spannend finde ist die Naht im Rock, diese ist geschlossen und dann geht’s auf. Zu dem Kleid gehörte ursprünglich noch ein Stecker, der nicht mit überliefert ist. Das war für mich, für die Präsentation, eine Herausforderung, weil wir uns eine Lösung überlegen mussten. Wir wollten keinen Stecker dazu dichten, wir wollten nichts erfinden."

Maria Ellinger-Gebhardt, Textilrestauratorin

Ein Stecker war im 18. Jahrhundert ein reichbesticktes, dreieckiges Textil, das auf den Ausschnitt eines Kleides befestigt wurde. So musste für das Prunkstück der Ausstellung eine Figurine gefertigt werden, die das Kleid auch ohne Stecker hält. Darunter versteckt der Reifrock, der für die auf Hüfthöhe weit ausgestellte Form sorgt.

"Es war die Basis, auf der man dann sozusagen mit Accessoires seinen eigenen Stil, vielleicht seinen neuen Modegeschmack, das Neueste was man erwerben konnte, zeigen konnte. Das Wort Accessoires war bekannt, wurde aber im Deutschen nicht genutzt. Sondern man hat den halb deutsch, halb französischen Begriff der Galanteriewaren genutzt, um eben zu sagen, darauf kommt es im Grunde an. Die Kombination von Halstüchern, Muff, Strümpfen, Hauben, Fächer, Schmuck - dies alles zusammen macht erst die gesamte Person."

Adelheid Rasche, Kuratorin

Heute wie damals: Schuhe gehen mit der Mode – im Seidenstoff des Kleides bezogen, waren sie Statussymbole, die die Trägerin gerne mit aufwändigen Schnallen schmückte. Die Ausstellung zeigt fünf paar und ein Paar Überschuhe, auch Patten genannt. In solche Schuhe schlüpfte man beim Verlassen des Hauses samt „normaler“ Schuhe, um diese zu schützen. Eine Unterscheidung zwischen links und rechts gab es übrigens noch nicht.

Der Fächer - ein unverzichtbares Accessoire

Reich bestickte Seidenstrümpfe, Handschuhe, Capes Seidentücher, Schmuck und Medaillons ergänzen die Ausstellung, die mit 100 Exponaten einen interessanten Überblick gibt, was in einem Boudoir einer reichen Frau vorzufinden war.

"Der Fächer hatte sowohl rein funktional kühlenden Effekt, aber er hatte auch viele Möglichkeiten des Zeichensetzens, der Symbolik. Man konnte sich dahinter verstecken, man konnte tuscheln, man konnte ihn in bestimmte Richtungen halten – es gab nicht die Fächersprache, die uns heute oft suggeriert wird. Es war ein sehr praktisches und ein sehr sinnvolles Accessoire, mit dem man eben doch kommunizieren konnte." Adelheid Rasche, Kuratorin

Ein außergewöhnliches Exponat der Ausstellung ist sicherlich ein roter Reifrock aus Atlasseide: ungewöhnlich seine kurze Form, so reichte er nicht einmal bis zum Knie der Trägerin: Damit zeigt sich, dass modische Finesse im 18. Jahrhundert oft verdeckt blieb, doch dieser neue Reifrock bescherte der modischen Frau neue Beinfreiheit, unter dem ausladenden Seidenkleid. Es war der letzte Schrei aus Frankreich.

Mode damals und heute … den Variationen waren und sind keine Grenzen gesetzt. Das Germanische Nationalmuseum schafft es mit dieser Ausstellung, die Mode des 18. Jahrhunderts aufleben zu lassen. Es ist wie ein Schaufensterbummel in einem Modeatelier der galanten Zeit. Die Ausstellung ist vom 5. Juli 2018 bis zum 6. Januar 2019 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zu sehen.


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