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Klinik Hallerwiese Nürnberg Beleghebammen in der Zwickmühle

Die Klinik Hallerwiese in Nürnberg und ihre Beleghebammen befürchten Probleme in der Geburtshilfe. Der kürzlich gefällte Schiedsspruch zwischen den Hebammen- und Krankenkassenverbänden sei unrealistisch.

Stand: 23.11.2017

Hebammen an der Klinik Hallerwiese in Nürnberg | Bild: BR Studio Franken/Kilian Gebhard

Die Nürnberger Geburtsklinik Hallerwiese und ihre Beleghebammen schlagen Alarm: Der kürzlich vereinbarte Schiedsspruch zwischen den Hebammenverbänden und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen GKV sei unrealistisch. Zwar begrüßen alle, dass die Pauschalen für Hebammenleistungen um 17 Prozent angehoben wurden. Allerding dürften die Hebammen, nach dem Schiedsspruch, nur noch zwei gebärende Frauen gleichzeitig betreuen und in Rechnung stellen. Die gleichzeitige Betreuung von weiteren Frauen dürfen sie nicht mehr abrechnen. Das entspräche aber in keinster Weise den Anforderungen des Klinikbetriebes.

"Das ist ein großes Organisationsproblem, weil natürlich die Frauen nicht nacheinander kommen, sondern zu mehreren, und wir immer wieder eine dritte Frau haben, die wir betreuen müssen, aber nicht abrechnen können."

Eleonora Supper, Hebamme

Alle Hebammen fest anstellen?

Alle Hebammen fest anzustellen ist aus Sicht von Dr. Franz Kainer, dem Chefarzt der Geburtshilfe an der Hallerwiese, keine Lösung, weil dann nicht flexibel auf die Situation im Kreißsaal reagiert werden könne. Das Beleghebammensystem sei dafür viel besser geeignet.

"Wenn viel los ist, ist es ein großer Vorteil, wenn ich jemanden anrufen und ihm sagen kann: Wir haben grad viel zu tun, sei so nett, komm noch einmal in die Klinik."

Dr. Franz Kainer, Chefarzt der Geburtshilfe an der Klinik Hallerwiese

Appell an Verbände und Krankenkassen

Aktuell überlegen Klinik und Hebammen, wie der Schiedsspruch umgesetzt werden kann. So werde etwa darüber diskutiert, mehr Hebammen in Rufbereitschaft zu haben. Dazu müsste aber auch der Stamm von 23 Beleghebammen an der Klinik Hallerwiese aufgestockt werden. Das sei angesichts des derzeitigen Hebammenmangels nicht einfach. Denn wegen der unattraktiven Arbeits- und Abrechnungsbedingungen würden immer mehr Hebammen aufhören. Die Verwaltungsleiterin der Klinik, Kathrin Meckel, appellierte deshalb an Hebammenverbände und Krankenkassen, den Schiedsspruch noch einmal zu überdenken.

"Die Qualität in der Betreuung von Gebärenden ist schon jetzt hoch. Wenn dann mit so einer Reglementierung der Geburten grad in einem Bereich, der niemals planbar ist, die Hebammen beschränkt werden in ihrer Abrechnung, finde ich das unfair."

Kathrin Meckel, Verwaltungsleiterin

Die Verwaltungsleiterin ist außerdem überzeugt, dass der Schiedsspruch dazu führen werde, dass einige kleinere Krankenhäuser ihre Geburtsabteilungen schließen müssen.


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