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Ausstellung in Nürnberg "Hitler.Macht.Oper" - Oper in der NS-Zeit

Die Ausstellung "Hitler.Macht.Oper" im Nürnberger Dokumentationszentrum zeigt das Zusammenspiel von NS-Propaganda und Musiktheater. Die größte Ausstellung zu Musiktheater und Nationalsozialismus seit 1988 läuft bis Februar 2019.

Von: Julia Hofmann

Stand: 13.06.2018

Ausstellungsexponate | Bild: Museen der Stadt Nürnberg/Stefan Meyer

Hitler liebte die Oper - und er liebte die theatralische Inszenierung. Die Reichsparteitage mit den großen Aufmärschen zeugen davon. Im Musiktheater hat Hitler gelernt, wie man Macht inszeniert. Das können Besucher im Nürnberger Dokumentationszentrum erleben. Am Freitag (15.06.18) wird dort die Ausstellung mit dem Titel "Hitler.Macht.Oper" eröffnet. Die Ausstellung ist eine historische Dokumentation in theatraler Inszenierung. Sie nimmt die Besucher mit hinter die Kulissen und schnell wird deutlich: Das Musiktheater spielte in der nationalsozialistischen Propaganda eine wichtige Rolle. Inszenierungsstrategien, die auf der Bühne funktionierten, wurden auch genutzt, um Aufmärsche bei den Reichsparteitagen zu planen.

Choreografie der Massenaufmärsche

"Der Regisseur Benno von Arent, der die Meistersinger inszeniert hat, hat zum Beispiel auch die Paraden in der Stadt inszeniert. Zusätzlich hat er Mode und Uniformen entworfen. Das alles beeinflusst sich ganz umittelbar", so Anno Mungen, Leiter des Forschungsinstituts für Musiktheater an der Universität Bayereuth. Zusammen mit dem Nürnberger Opernhaus begab er sich auf die Spurensuche. Umgekehrt aber fand auch die Monumentalität der Aufmärsche zurück auf das Bühnengeschehen am Nürnberger Opernhaus, in imposanten Bühnenbildern mit wohl choreografierten Massenszenen.

Hitler hat sich eingemischt

1935 werden mit der Wagner-Oper "Die Meistersinger" die Reichsparteitage eröffnet und Hitler nahm Einfluss auf Besetzung, Bühnenbild und Kostüme. Das Opernhaus ist im Nationalsozialismus Symbol für deutsche Hochkultur. "Adolf Hitler hatte ein ganz spezielles Interesse an der Oper. Das hat ihn sehr fasnziniert und er hat sich immer wieder auch persönlich eingebracht", betont Anno Mungen, der als Kurator dieser Ausstellung fungiert. Auch bei den Renovierungsarbeiten 1934 am Nürnberger Opernhaus hätte sich Hitler eingemischt. Die damals extra für ihn konzipierte "Führerloge" ist ein Beispiel dafür. Die neue Innenausstattung spiegelt ab diesem Zeitpunkt auch die doppelte Funktion des Oberhauses für den Nationalsozialismus wieder: Als repräsentative Kulisse für Kunst und Politik. Hinter der Bühne warben Sprüche wie "Das Leben wird nicht durch schwache Philosophen geschützt, sondern durch starke Männer" bei den Mitarbeitern des Opernhauses für das nationalsozialistische Idealbild.

NS-Regime fördert Opernbetrieb

Impression aus der Ausstellung "Hitler.Macht.Oper"

Das Regime förderte intensiv den Theaterbetrieb und erreichte so dessen ideologische Vereinnahmung. Nur durch diese Förderung war es auch möglich noch am 31. August 1944 eine letzte opulente Opernaufführung auf die Bühne zu bringen, mitten im von Bomben schon schwer beschädigten Nürnberg. Es ist "Die Götterdämmerung" - auch eine Oper Richard Wagners, inszeniert von seinem Enkel Wieland Wagner. Ein Orchestermusiker notiert am 1. September 1944 mit Bleistift auf die letzte Seite seines Notenbuchs: "Einberufung zur Wehrmacht – Schließung des Opernhauses". Die Ausstellung ist bis Februar 2019 zu sehen.


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