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Helmut Nawratil im Visier Bezirkskliniken Mittelfranken: Neuer Ärger für den Vorstand

Die Bezirkskliniken Mittelfranken stehen finanziell gut da - doch der Vorstand Helmut Nawratil gerät immer mehr in die Kritik. Ehemalige Mitarbeiter klagen an, Anwälte ziehen zu Felde. Und nun laufen noch dazu zwei Sonderprüfungen.

Von: Claudia Grimmer

Stand: 23.12.2017

Unmut beim Personal, fragwürdige Entlassungen, umstrittene Managementführung, Unklarheiten bei Neubauprojekten, eine Dienstwagenaffäre - Helmut Nawratil, der Vorstand der Bezirkskliniken und Chef von rund 3.000 Mitarbeitern, steht seit langem in der Kritik. Zwei Sonderprüfungen könnten ihn weiter in Bedrängnis bringen.

Aber der Reihe nach.

Ein Macher, der die Devise „Change“ ausgab, so ist Helmut Nawratil zu beschreiben. 2012 übernahm er als Vorstand die Bezirkskliniken Mittelfranken. Zu dieser Zeit schrieb das kommunale Unternehmen rote Zahlen. Nawratil führt die Kliniken seitdem wie einen Großkonzern. Schwarze Zahlen entscheiden. Er als Vorstand, der das schafft, kann sich viel leisten. Eine Dienstwagenaffäre hat er einfach abstreifen können. Wenn Kritik und Mahnungen von Mitarbeitern kommen, dann werden diese schlichtweg gefeuert.

Nur noch Gewinnmaximierung?

Der BR konnte mit ehemaligen Mitarbeitern reden. Beschäftigte, die selbst die Reißleine gezogen haben. Eine damalige Ärztin im Bezirksklinikum Erlangen am Europakanal, die ihren Namen nicht nennen möchte, erzählt, warum sie gegangen ist: "Mir ging es damals so und mir geht es auch heute so, dass ich einfach den Eindruck hatte: ich möchte für dieses Unternehmen, für den Geist, der da herrscht, eigentlich nicht mehr arbeiten."

Sie begründet das konkret mit den Unternehmenszielen, "mit Gewinnmaximierung und eben den rein wirtschaftlichen Dingen im Vordergrund und eigentlich einem zurückbleibenden medizinischen Ziel und ethischen Zielen".

Der BR sprach mit Rechtsanwälten, die noch nie so viel Arbeitsgerichtsverfahren in Zusammenhang mit dem Bezirksklinikum hatten wie unter Nawratil; das bestätigt Martin Klein aus Ansbach: "Es ist letztlich so, dass wir jetzt in den letzten 12 Monaten mehr Fälle haben als in den letzten 25 Jahren."

Gefeuert nach kritischen Äußerungen

Ein besonders krasses Beispiel: Der damalige Chefarzt in Bezirksklinikum Erlangen am Europakanal, Dr. Detlef Kohl, wurde 2016 gekündigt, weil er Vorstand Nawratil auf einer Personalversammlung mit deutlichen Worten entgegen trat. Resultat: der Vorstand wollte ihn loswerden. Er warf ihm vor, den Vorstand beleidigt und an Führungstrainingsseminaren nicht teilgenommen zu haben. Das alles gab Nawratil als Fakt an den Verwaltungsrat an, dem Kontrollgremium der Bezirkskliniken. Dort verließ man sich auf die Aussagen von Nawratil. Und alle stimmten der Kündigung Kohls zu, wie Klaus Hiemeyer sagt, der die Grünen in dem Gremium vertrit. Die Kündigung sei per Mail gekommen, der Chefarzt habe fristgerecht geantwortet - was wiederum der Vorstand bestreitet.

Zudem konnte Chefarzt Kohl an einem Führungsseminar gar nicht teilnehmen, weil er stationär im Krankenhaus lag. Und er war nicht der einzige, der sich gegen Falschaussagen des Vorstand wehren musste. Es habe nicht nur ihn getroffen, sagt Kohl, sondern auch enge Mitarbeiter von ihm. Diese seien beschuldigt worden, an Führungstrainingskonferenzen nicht teilgenommen zu haben, obwohl zum Beispiel eine andere Mitarbeiterin in der Zeit im Krankenhaus stationär gelegen habe: "Diese Vorwürfe sind unberechtigt erhoben worden, immer wieder und nie revidiert oder man hat sich auch nicht für die Vorwürfe entschuldigt."

Klaus Hiemeyer hat daraufhin eine Sonderprüfung bei der Rechtsaufsichtsbehörde, dem bayerischen Innenministerium eingereicht. Es geht um die Frage, ob der Vorstand seiner Informationspflicht nachgekommen ist.

Die Prüfung läuft und ist nicht die einzige.

Mängel bei Bauvorhaben

Die Bezirkskliniken stellten im Oktober 2016 einen Fachbereichsleiter Bau neu ein, um die geplanten Neubauvorhaben zu überprüfen. Und der tat es. Als der Vorstand auf einen siebenseitigen Sachstandsbericht mit eklatanten Mängeln nicht reagierte, schrieb der Fachbereichsleiter den Vorsitzenden des Verwaltungsrates, Richard Bartsch an. Kurzerhand wurde ihm Geheimnisverrat vorgeworfen.

Geheimnisverrat, weil er den obersten Chef des Verwaltungsrates auf eklatante Mängel hinwies. So erklärt es Rechtsanwalt Robert Hartmann, der den damaligen Mitarbeiter vertritt: „Er hat in den ersten Monaten seiner Tätigkeit festgestellt, dass die Bauprojekte zum Teil im Argen liegen, zum Teil die Budgetplanungen unrealistisch sind und da massiv gegengesteuert werden muss. Da hat er Ende Januar einen Bericht erstattet.“

Auffälligkeiten im Betriebsablauf

Das Verfahren vor dem Arbeitsgericht Ansbach endete jüngst ebenfalls mit einem Vergleich im sechsstellligen Bereich und zwar zu Gunsten des Fachbereichsleiters. Das war Anlass, eine weitere Sonderprüfung einzuleiten, wie der SPD-Verwaltungsrat Horst Krömker sagt. Einerseits würden die Zahlen stimmen, "andererseits gibt es bestimmte Auffälligkeiten im Betriebsablauf, die dafür sprechen, dass etwas nicht stimmt." Das ist der Sinn der Sonderprüfung. Auch hier prüft das Innenministerium noch, geht den Vorwürfen nach. Danach will der Verwaltungsrat, wenn nötig, Konsequenzen ziehen, so Krömker:

"Letztlich, wenn Fehlverhalten rauskommt wird das natürlich dazu führen, dass man dann über die Zukunft von Herrn Nawratil reden muss."

Horst Krömker, SPD-Verwaltungsrat

Helmut Nawratil gibt dem BR kein Interview. Er lässt nur schriftlich mitteilen: "Ich habe als Vorstand meine Informationspflichten gegenüber dem Verwaltungsrat immer ordnungsgemäß erfüllt." Auch Bezirkstagspräsident Richard Bartsch von der CSU ist zu einem Interview mit dem BR nicht bereit. Je nachdem wie die Ergebnisse der Sonderprüfungen ausfallen, wird es möglicherweise nicht nur Konsequenzen für den Vorstand Helmut Nawratil haben. Sondern auch für die politisch Verantwortlichen.


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Mir reicht es!, Donnerstag, 28.Dezember, 22:32 Uhr

13. Wie lange noch?

Dass dieser Vorstand noch immer im Amt ist, ist ein großes Armutszeugnis für die Verantwortlichen. Auch für die, die nun nach Aufklärung rufen und vorher ihre Aufsichtspflicht als politisch Verantwortliche nicht wahrgenommen hatten. Nawratil selbst verhält sich beeindruckend: ich habe selbst als Mitarbeiter erlebt, wie er gebetsmühlenartig vor den Mitarbeitern von „unserer Krise“ und „unserer“ schlechten Presse spricht. Wer das erlebt hat ist gleichermassen erstaunt, wie beeindruckt: dieser Mann lebt offensichtlich in einer eigenen Realität und Scheinwelt und ist zu keinerlei Selbstkritik fähig. Mir liegen als Führungskraft mehrere Schriftstücke von ihm vor, die dieses Phänomen mehrfach belegen. Das bitterste ist doch: mit jedem Monat, in dem er auf seinem Posten verbleibt, wird das Klima schlechter und der Imageschaden größer. Und früher oder später wird er gehen müssen-das kann er nicht mehr leugnen. Herr Nawratil: zeigen und übernehmen Sie Verantwortung und treten Sie zurück!

  • Antwort von Es ekelt einen an!, Freitag, 29.Dezember, 12:14 Uhr

    ..so ist es und die Mitarbeiter werden krank bzw. es will ( kann) keiner mehr dort arbeiten, die Flukuation ist entsprechend!!!
    Resultat: Die Guten gehen reihenweise und die anderen werden krank....

    Viele sagen: Ich schäme mich dort zu arbeiten.....

Tomas Regen , Mittwoch, 27.Dezember, 15:25 Uhr

12. Kontrast

Da wird doch die mit einem Marketing-Preis bedachte Kampagne der Bezirksklinken MIttelfranken zur Realsatire. Zitat : "Die Bezirkskliniken Mittelfranken haben einen Markenprozess durchschritten. Lebensmutig – selbstbestimmt – stark ist die Kurzfassung der Markenbotschaften. Diese wirken sowohl nach innen als auch nach außen." Quelle: http://www.wo-ist-die-grenze.de/home.html

Schweiyck, Dienstag, 26.Dezember, 12:48 Uhr

11. Patienten

Die Patienten sollten im Mittelpunkt stehen und Gewinne sind gut.

Gaga, Sonntag, 24.Dezember, 11:04 Uhr

10. Misthaufen

Ich war ebenfalls Mitafrbeiter in Erlangen, ch habe wüste Beschimpfungen, Beleidigungen sogar verbale Bedrohungen und Einschüchterung durch Vorgesetze erleben müssen, sobald man auch nur die Mißstände z.B. in den haarsträubenden Arbeitsabläufen angesprochen bzw. um Abhilfe gebeten hat. Man kann sagen, dass die Verantwortung von oben nach unten deligiert wurde.So wurde man z.B.unvermittelt zu Vorgesetzen zitiert und in einer Art Tribunal zur Verantwortung gezogen, wenn man trotz Hilferufen wegen Krankheitsausfällen die Arbeit nicht geschafft hat.
Durch die ständige Angst im Nacken bin ich krank geworden, erliitt Angst- und Panickattacken sowie Übelkeit mit Erbrechen sowie Diarrhoe.
Diese "Unternehmenskultur" hat sich von oben bis ganz nach unten durchgezogen, man kann sagen es herrschte eine Kultur der Angst, vergleichbar mit dem DDR-Regime-
M.E. ist unter solchen Bedingungen eine adäquare Patienenversorgung nicht mehr gegeben..Men Hausarztssagte, die Klinik betreibt Suizid.

Ehemaliger Mitarbeiter , Samstag, 23.Dezember, 23:58 Uhr

9. Bezirkskliniken

Ich bin ehemalige Beschäftigte der mit zig Auszeichnungen geehrten Bezirkskliniken in Ansbach gewesen. Mitarbeiter werden schlichtweg ignoriert und nicht erst genommen. Wichtig ist dass die Zahlen stimmen alles andere interessiert nicht. Von nirgends bekommt man Hilfe. Ich habe nachdem ich psychisch am Ende war (Suizidgedanken) die Reisleine gezogen. Gott sei Dank hatte ich das große Glück in einer anderen Klinik einen neuen Arbeitsplatz zu finden wo Wertigkeit noch gelebt wird.