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Zusammenhang Armut und Fremdenhass

"Fremde sind um so fremder, je ärmer sie sind", sagt Hans Magnus Enzensberger. Will heißen: Das Ausmaß der Ressentiments gegen den Migranten steigt mit seiner Armut. Dabei würden die meisten Deutschen selbst auswandern, wenn sie hier keine Arbeit mehr bekämen.

Stand: 24.03.2010 | Archiv

Obdachlose Migranten | Bild: picture-alliance/dpa

"Fremde sind um so fremder, je ärmer sie sind."

Hans Magnus Enzensberger

In Deutschland tragen das größte Armutsrisiko Menschen mit Migrationshintergrund. Dem Sozialbericht von 2008 zufolge betrifft das in Bayern ein Viertel von ihnen.

Das Haushaltseinkommen ist mit durchschnittlich 1.275 Euro pro Monat um 20 Prozent geringer als das bei Menschen ohne Migrationshintergrund. Das Kapital ist nicht rassistisch oder xenophob, die Wirtschaft plädiert ja für Zuwanderung. Nicht wenige Deutsche haben jedoch eine fremdenfeindliche Einstellung, vor allem auch im Freistaat. Das belegen die regelmäßigen Erhebungen im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Gefährliche Diskriminierung

Das Ausmaß der Ressentiments gegen den Migranten steigt mit seiner Armut. Der, der erwerbslos ist oder als Straßenreiniger arbeitet, muss mit mehr davon rechnen als der Unternehmer oder Bankangestellte. "Wo die Konten stimmen, versiegt wie durch ein Wunder der Fremdenhass", schreibt Hans Magnus Enzensberger in seinem Essay "Die große Wanderung". Dort heißt es weiter: "Armut und Diskriminierung haben (...) zur Ideologisierung der Minoritäten geführt. Die Ausgeschlossenen drehen den Spieß um und schotten sich ihrerseits ab. Immer mehr Bevölkerungsgruppen pochen auf ihre 'Identität'." Abnehmende Integrationsbereitschaft, Gettoisierung und steigendes Gewaltpotenzial können die Folgen sein.

Doppelmoral

Eine Forsa-Erhebung aus dem Jahr 2006 ergab: 71 Prozent der Deutschen würden emigrieren, wenn sie in Deutschland keine Arbeit mehr fänden und auf Arbeitslosengeld angewiesen, also arm wären. Für sie ist zu hoffen, dass im jeweiligen Zielland Umfragen zu Ausländerfeindlichkeit weniger unerfreulich ausfallen als hierzulande.

"Migration ist die älteste Form der Reaktion auf Armut."

Rita Süssmuth


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