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Menschliche Maschinen Künstliche Intelligenz für gute Zwecke

In Genf diskutieren zur Zeit Forscher aus aller Welt wie künstliche Intelligenz für gute Zwecke eingesetzt werden kann. Aljoscha Burchardt hat ein Buch über "IT und soziale Inklusion" geschrieben. Er ist überzeugt, dass KI Menschen künftig immer mehr unterstützen wird.

Von: Max Muth

Stand: 15.05.2018

Eine Mitarbeiterin vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) stellt bei einer Pressekonferenz den Assistenzroboter EDAN (EMG-controlled daily assistant) vor. Caritas und DLR haben Assistenzroboter vorgestellt, die in Altenpflege eingesetzt werden sollen. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

Auf einer UN-Konferenz in Genf diskutieren gerade Fachleute aus aller Welt über Weltverbesserung mithilfe von Künstlicher intelligenz. Dr. Aljoscha Burchardt ist davon überzeugt, dass denkende Computer und menschliche Maschinen in Zukunft viel Gutes für den Menschen tun können. Burchardt arbeitet am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Berlin und ist Mitherausgeber des Buches "IT und soziale Inklusion". Birgit Harprath hat ihn für die Bayer2 radioWelt interviewt.

radioWelt: Wie kann man Künstliche Intelligenz für soziale Zwecke einsetzen?

Nehmen wir zum Beispiel den Arbeitsmarkt: Da wird es eine alternde Bevölkerung geben, die aus gesundheitlichen Gründen vielleicht nicht mehr an ihrem angestammten Arbeitsplatz in der Werkshalle arbeiten kann. Diese Leute könnten ihre Fähigkeit in einer digitalen Abbildung dieser Welt noch einbringen und sie könnten mithilfe von Computern jüngere Mitarbeiter schulen oder anlernen. Eine weitere Möglichkeit wären Smart-Home-Anwendungen, also Technologie, die es den Leuten erlaubt, länger autonom bei sich zu Hause wohnen zu bleiben. Das fängt mit scheinbar trivialen Dingen an: Haushaltsgeräte, die mit einem sprechen, einem erklären wie das Entkalkungsprogramm der Kaffeemaschine funktioniert.

Das können aber auch vitale Dinge sein: Dass zum Beispiel eine Toilette den Blutzuckerspiegel messen kann und gegebenenfalls einen Pflegedienst rufen, wenn es kritische Veränderungen gibt. Oder Sensoren die merken, wenn jemand hingefallen ist und dann automatisch einen Notarzt rufen. Ein drittes Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist der ganze Informationsreichtum des Internets. Wenn man sich den Digital-Index ansieht, dann sind 19 Prozent der Deutschen noch überhaupt nicht online. Das heißt, sie können nicht einmal Online-Banking machen oder eine Öffnungszeit herausfinden oder auch an einer politischen Diskussion teilnehmen und diesen Leuten kann man einfach helfen. Zum Beispiel durch leichte Sprache oder durch die Sprachsteuerung von Apps. Da gibt es viele Möglichkeiten.

radioWelt: Wenn sie gerade ältere Leute ansprechen: in der Regel programmieren die nicht mehr, programmiert wird von Jüngeren. Woher wissen die denn, was die Bedürfnisse der Älteren sind?

Die Technologie muss von Menschen ausgehen und sie muss die Probleme der Menschen erkennen. Damit das gut funktioniert, muss man zum Beispiel ganz viele Dialoge, wie sie etwa in Call-Centern täglich geführt werden, über einen langen Zeitraum aufzeichnen. Zum Beispiel Dialoge mit älteren Leuten oder von Menschen, die vielleicht ausländische Wurzeln haben und Sprachschwierigkeiten haben. Dann kann man die Maschine mit diesen Dialogen füttern und dann kann die Maschine sozusagen selbständig lernen, ähnliche Dialoge auf neue Problemstellungen angewandt auszuführen. Die Maschinen werden durch so ein "Training" nicht im eigentlichen Sinne richtig klug, aber sie können dann einfach so reagieren, wie auch ein Mensch reagieren würde, wenn eine entsprechende Anfrage gestellt würde.

radioWelt: Aber beim Sozialen geht es ja immer um eine Spur mehr: Es geht darum, dass es sozusagen menschelt. Ein Roboter, der Trost spendet, der eine Situation erkennt, wenn dem alten Menschen die Tränen in den Augen stehen und weiß: Jetzt muss er irgendwas sagen, Nähe vermitteln, Streit schlichten, ist so etwas denkbar?

Das ist denkbar, aber das wäre eigentlich den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Natürlich können Sie so etwas in diese Geräte einprogrammieren. Sie können auch zu ihrem Smartphone sagen: "Erzähle mir einen Witz" und dann wird dort ein Witz abgespult. Aber ich denke das ist eigentlich eine Sache, die sollte beim Menschen bleiben und die Geräte sollten eher assistieren. Ich finde, der Roboter, der mal jemanden das Gesäß abwischt, oder ein Glas Wasser bringt, der soll die Pflegekraft zu entlasten, die dann dadurch die Zeit hat mit den Menschen wirklich ein Gespräch zu führen. Ich denke so wird ein Schuh draus. Letztlich sind das aber eigentlich keine technischen Diskussionen sondern das sind eigentlich gesellschaftliche Diskussionen.


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