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Debatte um Kreuz Scharfe Kritik von Kardinal Marx

Zu den den Kreuz-Pflicht-Kritikern gehört nun auch der Münchner Kardinal Marx. Der Erzbischof von München und Freising sagte der "SZ", durch den Erlass der Staatsregierung von Ministerpräsident Söder seien "Spaltung, Unruhe, Gegeneinander" entstanden.

Von: Agnes Popp

Stand: 29.04.2018

Kardinal Reinhard Marx bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz in Ingolstadt | Bild: dpa/Armin Weigel

"Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden."

Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising

Der Vorsitzender der katholischen Deutsche Bischofskonferenz betonte: "Dann würde das Kreuz im Namen des Staates enteignet." Es stehe dem Staat nicht zu, zu erklären, was das Kreuz bedeute. Das Kreuz könne man nicht haben ohne den Mann, der daran gehangen hat, sagte Marx. "Es ist ein Zeichen des Widerspruchs gegen Gewalt, Ungerechtigkeit, Sünde und Tod, aber kein Zeichen gegen andere Menschen."

Ein Kreuz aufzuhängen bedeute, dass man sich an den Worten dessen orientieren will, der am Kreuz für die ganze Welt gestorben sei. "Das ist eine Provokation, für jeden Christen, für die Kirche, aber auch für den Staat, der sich auf dieses Zeichen beziehen will", sagte der Kardinal weiter.

Debatte über das Kreuz sei wichtig

Die gesellschaftliche Debatte über das Kreuz hält Marx für wichtig. Dafür müsse man aber alle einbeziehen: Christen, Muslime, Juden und jene, die gar nicht gläubig sind. Die bayerische Staatsregierung hatte in ihrer Kabinettssitzung am vergangenen Dienstag die allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaats geändert.

Demnach muss ab 1. Juni im Eingangsbereich aller staatlichen Dienstgebäude als Ausdruck der "geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns" deutlich wahrnehmbar ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung angebracht werden. Diese Anordnung der Staatsregierung hat für teils scharfe Kritik von verschiedenen Juristen, Parteien und Kirchenvertretern gesorgt - es gab vereinzelt aber auch Zustimmung für den Beschluss.

Kritik auch vom Landesbischof der Evangelischen Kirche

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), äußerte sich auf Facebook. Sein Kommentar fiel zurückhaltender aus: Er wolle die Debatte nicht personalisiert führen, "sondern hart an der Sache".

"Dass wir als Christen alles tun, um die Inhalte, für die das Kreuz steht, in die Herzen der Menschen zu bringen und unsere eigenen Herzen immer wieder darauf auszurichten, ist hoffentlich eine Selbstverständlichkeit."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Das dürfe aber nie für irgendwelche Zwecke instrumentalisiert werden.

64 Prozent der Befragten einer Umfrage gegen Kreuzpflicht

In einer Umfrage lehnten unterdessen 64 Prozent der Befragten eine Kreuzpflicht für Behörden ab, 29 Prozent waren dafür.

Wissenschaftsministerin Kiechle ändert ihre Meinung

Bayerns Wissenschaftsministerin Marion Kiechle (CSU) sorgte für Unruhe: Zunächst bezeichnete sie in einer Talkshow den Erlass als "keine besonders kluge Idee". Später teilte sie dagegen in einer Erklärung der Staatsregierung mit, sie stehe klar zum einstimmigen Beschluss des bayerischen Kabinetts, (...) weil das Kreuz für die christliche Tradition Bayerns stehe.

Ministerpräsident Söder verteidigt Erlass

Söder selbst und andere CSU-Politiker verteidigten den Erlass.

"Natürlich ist das Kreuz in erster Linie ein religiöses Symbol. Aber im Symbol des Kreuzes bündelt sich auch die Grundidee eines säkularen Staates."

Ministerpräsident Markus Söder

Die Frage, ob sich die CSU bei christlichen Wählern anbiedern wolle, beantwortete er mit "Nein".

Kritik von den Grünen

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) warf Söder vor, nicht nur Religion zu instrumentalisieren, sondern auch Millionen Menschen auszugrenzen - Muslime, Atheisten und Juden: Söder missbrauche das Kreuz für seinen Wahlkampf und vermische bewusst Religion und Politik.


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