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Markus Söder im Interview "Seehofer und ich können jetzt super Doppelpass spielen"

Ministerpräsident Horst Seehofer hat seinen Stuhl in der Staatskanzlei geräumt. Am Freitag soll der amtierende Finanzminister Markus Söder ihm folgen. Was er nach der Amtsübernahme plant, erläutert Söder im Interview mit dem Rundschau-Magazin im BR-Fernsehen.

Von: Interview: Till Nassif

Stand: 13.03.2018

Frage: Um 17.00 Uhr hat Horst Seehofer die Staatskanzlei verlassen - und Sie sind fast am Ziel ihrer Wünsche. Fühlen Sie sich glücklich?

Markus Söder: Zunächst einmal ist es der Tag der Dankbarkeit und des Respekts. Denn zehn Jahre Horst Seehofer waren, glaube ich, sehr gute Jahre für Bayern: große wirtschaftliche Erfolge, soziale Erfolge, auch die Aussöhnung mit Tschechien die, glaube ich, tatsächlich eine wichtige Epoche und ein wichtiges Kapitel der bayerischen Nachkriegsgeschichte ist. Ich denke, heute überwiegt die Dankbarkeit, und ein Stück weit natürlich der Ausblick auf Freitag, an dem im Bayerischen Landtag gewählt wird.

Sind Sie glücklich?

Das Wort glücklich verwendet man für private Fragen. Ich bin gespannt. Ich bin auch bereit, eine Verantwortung anzunehmen, das ist eine große Ehre. Wir haben große Ministerpräsidenten in Bayern gehabt über all die Jahrzehnte, unterschiedliche Persönlichkeiten, aber alle bereit, alles für Bayern zu geben. Und ich werde versuchen, mich in dieser Reihenfolge tatsächlich zu bewähren.

Sie müssen eine ganze Menge auch geben aus Sicht Ihrer Partei, es ist Landtagswahl in diesem Jahr, ein paar Monate nur noch, die Sie Zeit haben und die Erwartung ist - zumindest von der Partei - die absolute Mehrheit zu holen. Oder haben Sie dieses Ziel aufgegeben?

Wir haben immer klar gesagt: Zu Beginn des Jahres spricht man nicht von Wahlzielen. Zunächst einmal geht es um die Menschen; darum, sich um die Menschen zu kümmern. Die letzten sechs Monate haben ja gezeigt, zu was es führen kann, wenn Parteien sich untereinander ständig verhaken und über ihre Ziele reden und weniger über die Sorgen der Menschen. Ich werde keine Prozente versprechen, außer 100 Prozent für Bayern - als Einsatz, den man als Ministerpräsident leisten kann. Und erst einmal wird jetzt regiert. Wir hatten ja auch in Bayern eine längere Zeit, in der wir auf Berlin gewartet haben, insofern ist auch manches liegengeblieben; das kann man aber gut hinnehmen.

Das werden Sie tun, auch in den nächsten Monaten und trotzdem nochmal: Ist diese Wahl für Sie entscheidend, auch für Ihre Zukunft entscheidend - wie Sie dann die fünf Jahre danach regieren werden. Absolute Mehrheit, ist das ein Thema - ja oder nein?

Eines ist klar: Berliner Verhältnisse, wie wir sie jetzt erlebt haben, mit einem zersplitterten bürgerlichen Lager, in viele Parteien und Kleinstparteien, mit wenig Wunsch nach Verantwortungsübernahme, nach wenig konstruktiven Arbeiten, ist - glaube ich - nicht, was die Bayern wollen. Die Bayern wollen keine Berliner Verhältnisse, sondern lieber klare, stabile Verhältnisse. Aber jetzt fangen wir erst mal an, versuchen zu überzeugen. Und am Ende entscheiden die Wähler.

Und umgekehrt haben Sie aber auch schon gesagt, mit der FDP würden Sie nicht regieren, denn die hat sich in Berlin gedrückt; dann soll sie sich in Bayern nicht melden. Heißt das im Umkehrschluss: Wenn es nicht für die absolute Mehrheit reicht - mit allen anderen außer mit der FDP?

Ich habe immer nur eines gesagt, dass ich es schade gefunden habe, dass eine FDP, die inhaltlich was zu bieten gehabt hätte in Berlin, sich nicht getraut hat, dort am Kabinettstisch Platz zu nehmen; gleichzeitig aber formuliert man: In Bayern würden wir uns schon trauen. Das passt für mich nicht zusammen. Unser Ziel ist eigentlich Folgendes: Wir wollen allen bürgerlichen Wählern eine Heimat bieten, der bürgerlichen Mitte, auch der demokratischen Rechten, und dann so stark wie möglich werden, damit Bayern so stark wie möglich bleibt. Denn eines sieht man ja: Wenn Länder völlig zersplittert sind, dann werden sie schwächer. Und die Bayern wollen eigentlich, dass auch Bayern bei der Stange bleibt.

Also ich höre raus, die Koalitionsfrage halten Sie auf alle Fälle offen. Zu diesem Zeitpunkt ist vielleicht wirklich noch ein bisschen früh. Schauen wir noch mal auf Horst Seehofer. Der ist jetzt Innenminister erst mal. Wie lange bleibt er denn eigentlich CSU-Chef?

Ja, nicht nur für die Zeit, in der er gewählt wird. Ich glaube auch für länger. Denn wir können jetzt super Doppelpass spielen. Man darf das ja nicht vergessen: Die Themen, die er jetzt als Bundesinnenminister und als Heimatminister - was mich persönlich besonders freut, weil ich war ja sozusagen der Trendsetter und Pionier bei dem Thema -, die er jetzt angehen kann, sind die Themen die uns wichtig sind: die Begrenzung der Zuwanderung, die Sicherung der Grenzen, klare Rechtsstaatlichkeit mit konsequenten Abschiebungen. Das ist jetzt alles denkbar gut umzusetzen in Berlin. Und es passt sehr gut zu dem, was wir in Bayern auch tun wollen.


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