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Arbeiter aus Osteuropa Machtlos gegen Ausbeutung

Sie hoffen auf gute Bezahlung in Deutschland und stehen am Ende oft ohne Geld da: Arbeiter aus Osteuropa sind fast machtlos, wenn der Arbeitgeber nicht zahlt. Der Grund: undurchsichtige Firmengeflechte. Das ist Arbeiter Simon aus Serbien passiert.

Von: Verena Schälter und Christina Schmitt

Stand: 14.03.2018

Seit Sommer 2017 begleiten Kontrovers-Reporterinnen den serbischen Wanderarbeiter Simon, der auf Baustellen in ganz Deutschland gearbeitet hat - und um tausende Euro Lohn geprellt wurde. Jetzt will er mit Hilfe von Gewerkschaftern doch noch sein Geld bekommen ...

Im kleinen Örtchen Aleksinacki Rudnik im Südosten Serbiens sitzt Simon im Wohnzimmer seiner Wohnung. Hier lebt er normalerweise mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Doch er ist, wie so oft, alleine. Alle in seiner Familie sind Wanderarbeiter, haben Jobs in Montenegro und in der Schweiz. Auf dem Wohnzimmertisch vor Simon stapelt sich ein Berg an Unterlagen. Sie dokumentieren: Arbeitsstunden, Dienstpläne, Verträge - alle von seiner Arbeit mit deutschen Firmen. Jena, Essen, Berlin, Dresden, Leipzig - überall hat er schon als Monteur auf dem Bau gearbeitet. Doch den vereinbarten Lohn hat er nicht immer erhalten: Rund 11.000 Euro schuldet ihm einer der Auftraggeber.

"Ich habe keine Wahl"

Doch warum geht er trotzdem immer wieder ins Ausland, um dort zu arbeiten? "Ich habe keine andere Wahl", sagt er. "Du bekommst einen Job und musst hin. Wovon soll ich sonst leben?" Seit in seinem Ort eine Kohlemine geschlossen wurde, gibt es dort kaum noch Arbeit. Deshalb muss er immer wieder weit weg von zu Hause arbeiten, in der Hoffnung, diesmal anständig bezahlt zu werden. Auch wenn er das Risiko kennt:

"Du gehst arbeiten, bekommst deinen Lohn für die ersten ein, zwei Monate. Dann gibt es angeblich Probleme und du arbeitest weiter, ohne bezahlt zu werden."

Simon, Arbeiter aus Serbien

Wer muss den Lohn der Arbeiter zahlen?

Das System mit den Leiharbeitern läuft so: Subunternehmen aus Osteuropa heuern die Arbeiter an und schließen mit ihnen Arbeitsverträge. Über diese Unternehmen fordern Firmen, zum Beispiel aus Deutschland, Arbeitskräfte an, die dann auf den Baustellen arbeiten. So war es auch im Fall von Simon. Ein slowenisches Subunternehmen hatte ihn unter Vertrag genommen und zum Bauunternehmen Caverion mit Sitz in München entsandt. Doch dann meldete der slowenische Subunternehmer Insolvenz an und Simon bekam seinen Lohn nicht.

In diesem Fall muss laut Gesetz eigentlich der Generalunternehmer, also Auftraggeber des Subunternehmers, zahlen: Im Fall von Simon das Münchner Unternehmen Caverion. Doch die Firma reagiert mehrere Monate nicht auf seine Zahlungsaufforderung.

Reporterinnen des BR Politikmagazins Kontrovers haben unterdessen den Geschäftsführer des slowenischen Subunternehmens ausfindig gemacht. Er gibt zu, dass seinen ehemaligen Mitarbeitern noch Lohn aussteht. Die Schuld sieht er aber beim Münchner Generalunternehmen Caverion. Das habe ihn irgendwann nicht mehr bezahlt.

Verantwortlichkeiten werden hin- und hergeschoben

Auf Anfrage von BR Kontrovers bei Caverion heißt es: "Die Zusammenarbeit wurde (…) durch Caverion vorzeitig beendet. Ursachen dafür waren qualitative Mängel in der Ausführung sowie ein zeitlicher Verzug der Maßnahmen." So werden die Verantwortlichkeiten hin- und hergeschoben.

Nadja Kluge vom Gewerkschaftsprojekt Faire Mobilität kennt viele solcher Fälle. Für sie besteht eines der Hauptprobleme darin, dass viele Subunternehmen sehr klein sind und kaum Startkapital haben:

"Man müsste eigentlich an die Verursacher rangehen. Man müsste sich auch den Vertrag zwischen Subunternehmer und Generalunternehmer ansehen und schon bei der Vergabe prüfen: Wie hoch ist die Gewinnmarge? Hat der Subunternehmer überhaupt die Chance, dieses Projekt durchzuführen? Und entsprechend so viel zu verdienen, dass er auch ohne Gewinn zu machen, seine Bauarbeiter bezahlen kann."

Nadja Kluge, Gewerkschaftsprojekt Faire Mobilität

Leidtragende sind die schwächsten Glieder in der Kette: die Arbeiter. Nach erneuter Anfrage von BR Kontrovers kündigt Caverion an, den Lohn von Bauarbeiter Simon auszuzahlen: "Nach einer internen rechtlichen Prüfung der vorliegenden Ansprüche liegt zweifelsfrei eine Haftung durch Caverion vor. Prüfungen des Anspruchs sowie der Höhe der Forderungen wurden umgehend eingeleitet." Viele andere Arbeiter aus Osteuropa stehen alleine da und sehen von den Unternehmen, die sie beauftragt haben, nie ihren Lohn.


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Bernhard, Donnerstag, 15.März, 11:17 Uhr

8. Machtlos gegen Ausbeutung

Subunternehmer abschaffen und die Leiharbeiter in ein festes Arbeitsverhältnis bringen.

Frank Cebulla, Donnerstag, 15.März, 09:51 Uhr

7. Der deutsche Arbeiter wird ausgebeutet von der Politik der Frau Merkel u diskrim

Ausbeutung beginnt schon am deutschen Arbeiter und nicht erst wenn der ausländische Arbeiter vorgeschoben wird.
Die könnten gerade auf dem Balkan genug Arbeit finden, denn dort ist vieles marode und muß aufgebaut werden.
Diese ausl Arbeiter verdienen allein aus dem Kindergeld aus D mehr als das was dort im Monat verdient wird!
Die Merkelpolitik hat diese Strukturen/Systhem geschaffen u nun staunen die Medien?
Die Ausbeutung der deutschen Arbeiter aber durch den Staat geht aber bei vielen tiefer und wird bewußt verschwiegen von vielen Medien..
Lächerliche Bezahlung in den Sozialberufen, Steuern und Abgaben in nie gekannten Höhen (80% total!), Korruption überall wo Politik/Wirtschaft ( D an 12 Stelle der Welt steigend) das sagen hat.
Dazu eine Unsicherheit in D die staatlich gewollt ist im unbekannten Ausmaß.
Deutschland soll "Billiglohnland" bleiben, damit Andere "gut bewacht in D gut u gerne" leben.
Durch den Artikel wird wie der deutsche Arbeiter diskriminiert.

thorie, Mittwoch, 14.März, 21:43 Uhr

6. wenn sowas in Bayern üblich ist,

dann wunderts nicht mehr, daß der "Kaiser" Franz in Katar nichts Auffälliges gesehen hat .

Elisabeth, Mittwoch, 14.März, 21:31 Uhr

5. Ausbeutung

Wo Menschen sind gibts Ungerechtigkeit ,

die Menschen die es erwischt also ungerecht behandelt werden brauchen Unterstützung.

Wenigstens der BR bei bringt uns Wohlstands Bürgern die Atmut nicht weit von uns weg ins Gedächtnis

Rosa Rot, Mittwoch, 14.März, 18:55 Uhr

4. Nicht kriechen sondern aufstehen

Ausbeutung geht nicht ohne Menschen die sich ausbeuten lassen. Dies ist nicht erst seit heute bekannt. So lange sich aber die Masse der Menscheit von einer überschaubaren Menge Ausbeuter zum Arbeitssklaven machen lässt, hilft kein Jammern. Damit ist einem Simon aus Serbien ebensowenig geholfen wie einem Franz aus dem bayersichen Wald oder dem Karl aus Sachsen. Wer aus der Sklavenmühle befreit werden will muss selbst dafür was tun. "Alle Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruht auf Klassenherrschaft." (August Bebel).

  • Antwort von Seppl, Mittwoch, 14.März, 20:24 Uhr

    Fahren Sie mal ein paar Tage auf den Balkan oder in die Dörfer Rumäniens. Nehmen Sie Kontakt zur Wirklichkeit auf, wenn Sie sich trauen. In diesen Gegenden kämpfen die Menschen ums blanke überleben. Da geht es darum, am nächsten Tag was zu essen zu haben.

    Ärzte gibts nicht, die sind in Deutschland oder Italien, Männer gibt es kaum, die sind in Spanien, Italien, Frankreich oder Deutschland, pflegen dort die Alten oder machen die Drecksarbeit. Sie sehen in manchen Dörfern nur verwahrloste Kinder und hinfällige Alte. Die Jungen sind alle weg.

    Mit Ihren Sprüchen müssen Sie aber aufpassen: das stopfen die Ihnen in den Hals zurück, wenn Sie sowas sagen.
    Und sagen Sie nichts von einer Wertegemeinschaft EU. Die sehen das realistischer.

  • Antwort von winfried, Donnerstag, 15.März, 08:10 Uhr

    @Seppl ... danke, ausdrücklich DANKE.
    Ihren Beitrag bzgl. Schilderung der Lebensumstände auf dem Balkan, dazu gehören auch die EU-Länder BG, ROM, SK, bestätige ich ausdrücklich.
    Und Dank an die BR-Redaktion, die durch Veröffentlichung dieses "Seppl"-Beitrages zum Bewusstsein, dass im EU-Haus es noch viel zu verbessern gilt, beiträgt.

  • Antwort von Don.Corleone, Donnerstag, 15.März, 11:59 Uhr

    natürlich hat @-Rosa-Rot total recht.
    Nur Widerstand gg.d. merkelsche System kann ein Änderung d. Ausbeutung d.d. Kapital abstellen .Nur robuster Einsatz d. Dt. Prekariats , ca. 30 mio, führt eine Änderung herbei . H-4 u. Leiharbeit TOTAL streichen ! Warum hat d.d.SPD b.merkel das NICHT gefordert ? Das wäre doch das Wenigste ........was ein Dt. Bürger erwartet ! d.Ergebnis d. groko ist unterirdisch u. einfach nur lächerlich u. skandalös !
    Wir brauchen einen Systemwechsel, damit d. sklaverische ausbeutung endlich ein ende findet. Noch asozialer, wie berlin regiert , geht nicht .

    Deutschland ist in d. skala ganz, ganz tief UNTEN .!. Dasi st d. nackte, brutale Deutsche Ralität !
    Noch Fragen ? Dann machen Sie sich schlau