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Zweifel ausgeräumt: Chemnitz wird Europäische Kulturhauptstadt | BR24

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Nach der Entscheidung der Jury hatten Presseberichte über "Berater-Filz" für Wirbel gesorgt, doch die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos: Einstimmig haben die Kulturminister jetzt bestätigt, dass Chemnitz 2025 als Kulturhauptstadt glänzen kann.

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Zweifel ausgeräumt: Chemnitz wird Europäische Kulturhauptstadt

Nach der Entscheidung der Jury hatten Presseberichte über "Berater-Filz" für Wirbel gesorgt, doch die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos: Einstimmig haben die Kulturminister jetzt bestätigt, dass Chemnitz 2025 als Kulturhauptstadt glänzen kann.

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Von
  • Peter Jungblut

Unerfreuliche Wochen liegen hinter Chemnitz: Kaum hatte die zuständige Jury Ende Oktober die sächsische Metropole zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 ausgerufen, sorgten mehrere Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" für Aufsehen, wonach an der Entscheidung ein "Friends & Family"-Netzwerk beteiligt gewesen sein soll. Von einem Filz aus Beratern war die Rede, von "Vetternwirtschaft", einem teuren "Bohai", die Recherchen legten sogar nahe, dass einige der Beteiligten vom Bewerbungsverfahren persönlich profitiert hatten.

Doch eine Nachprüfung der Europäischen Kommission und der deutschen Kulturminister hat offensichtlich wenig Konkretes ergeben. Bei einer Online-Konferenz nahm die Vorsitzende der Jury, die Österreicherin Sylvia Amann, gegenüber der Ministerrunde noch einmal zu allen geäußerten Vorwürfen Stellung. Demnach blieben an der Rechtmäßigkeit der Entscheidung keinerlei Zweifel.

Vorwürfe ausgeräumt

"Ich bin froh und dankbar für die gute und konstruktive Diskussion", so die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch in einer Pressekonferenz nach dem einstimmigen Votum für Chemnitz, das eigentlich nur eine Formalie war. Sie freue sich über die "gute Botschaft zum Auftakt des Jahres", so Klepsch, und würdigte den Auftritt von Chemnitz als "sehr, sehr gute Bewerbung". Was die Kritik an der Rolle der Berater im Vorfeld angeht, hätten sich alle Beteiligten "intensiv ausgetauscht". Die Vorwürfe seien allesamt "aus der Welt geschafft" worden.

Gleichwohl, so Klepsch, sei Transparenz bei künftigen Wettbewerben um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt wichtig. Daher seien die Kulturminister auch noch einmal auf die zuständige Europäische Kommission zugegangen und hätten angeregt, zum Beispiel über feste "Sperrfristen" nachzudenken, wenn ein Berater in die Jury geht und umgekehrt. Grundsätzlich werde es auch in Zukunft nicht ohne kundige Berater gehen, ganz im Gegenteil: "Es wird wichtig bleiben, dass die Städte gute Berater zur Verfügung haben."

© Peter Endig/BR Bild

Chemnitz am Abend

Der derzeitige Vorsitzende der Kulturministerkonferenz, der Berliner Kultursenator Klaus Lederer, will sich nach eigenen Worten bei der EU für mehr "Chancengleichheit" von Bewerber-Städten einsetzen: "Das mehrjährige und mehrstufige Verfahren zur Auswahl der deutschen Kulturhauptstadt Europas 2025 ist nun mit dem Votum für Chemnitz zu einem guten und erfolgreichen Abschluss gekommen. Chemnitz wird damit zu einem kulturellen Aushängeschild Deutschlands mit nationaler, europäischer und internationaler Strahlkraft. Unser ausdrücklicher Dank gilt der Kulturstiftung der Länder, die das mehrjährige nationale Auswahlverfahren im Auftrag der Kultusministerkonferenz in hervorragender Weise organisiert und begleitet hat."

Bayern hatte Enthaltung angekündigt

Chemnitz wird 2025 unter dem Motto antreten "C the Unseen – European Makers of Democracy". Es komme jetzt darauf an, "Schwung unter die Flügel" zu bekommen, so Barbara Klepsch. Da sei noch viel Arbeit zu leisten.

Der bayerische Kunstminister Bernd Sibler, bis Ende letzten Jahres Vorsitzender der Ministerrunde, hatte bei einer Sitzung im Dezember als einziger Teilnehmer eine Enthaltung angekündigt, falls nicht noch einmal über die Presse-Vorwürfe geredet werde. Dass die Kritik am Wettbewerb vor allem aus Bayern kam, wo sich Nürnberg vergeblich beworben hatte, wurde in der Öffentlichkeit teilweise sehr kritisch bewertet. Medien wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" verdächtigten Nürnberg sogar, ein "schlechter Verlierer" zu sein.

Noch am Morgen vor der Entscheidung der Kulturminister zugunsten von Chemnitz hatte die "Süddeutsche Zeitung" bei ihrer kritischen Haltung nachgelegt und darauf beharrt, dass der "Aufklärungsdruck" im Umfeld der Kulturhauptstadt-Wettbewerbe auch bei anderen Städten "enorm wachse".

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