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Geld fürs Nichtstun: Vielleicht der Traum für jeden Hängematten-Liebhaber.

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    Zwei Wochen keine Daten: Stipendien fürs Nichtstun vergeben

    Es klang zunächst wie Satire: Im vergangenen August wurden Stipendien ausgeschrieben, die eine sehr besondere Art von Leistung belohnen sollten: den Müßiggang, das Nichtstun. Jetzt wurden drei Auserwählte gekürt - und haben schwere Aufgaben vor sich.

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    Von
    • Marie Schoeß

    Die Entscheidung ist der Jury nicht leicht gefallen, aber jetzt stehen drei Stipendiatinnen fürs Nichtstun fest und mit ihnen drei besondere Ideen, den Müßiggang zu praktizieren.

    Hilistina Banze sagt: "Ich werde mein Kopftuch eine Woche nicht tragen". Mia Hofner plant, zwei Wochen lang keine verwertbaren, personenbezogenen Daten zu erzeugen. Und Kimberley Vehoff erhält ein Stipendium, weil sie verspricht, ihren Beruf nicht mehr auszuüben.

    Der Lohn: 1.600 Euro

    Das Stipendium ist mit 1.600 Euro dotiert und von der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) ausgeschrieben. Dabei geht es nicht um eine "Belohnung für Faulpelze", wie eine Hamburger Boulevardzeitung textete, dahinter steht vielmehr eine politische Absicht: Das Stipendium hinterfragt die heutigen Mechanismen des Leistungsdenkens und soll dazu anregen, darüber nachzudenken, wie das eigene Leben mit dem Klimawandel und den gesellschaftlichen und politischen Strukturen in Verbindung steht.

    Ein konkretes Beispiel: Die Idee von Mia Hofner, zwei Wochen lang keine personenbezogenen Daten zu produzieren, setzt mitten im Alltag an. Und der Schritt bedeutet in der Tat erhebliche Einschränkungen: "Kein Smartphone nutzen, keine E-Mails abrufen, nicht online shoppen – lauter Tätigkeiten, auf die auch viele andere Bewerber*innen verzichten möchten, weil sie zu viel Energie verbrauchen, soziale Beziehungen belasten, zum Konsum verleiten und unkontrollierbare Datenspuren von sich und anderen hinterlassen."

    Vorübergehende Weltflucht

    Die Jury hob besonders hervor, dass Mia Hofner in größter Klarheit ihr tägliches Handeln reflektiere und sich zugleich darüber im Klaren sei, dass sie sich dem digitalen Datentransfer nur vorübergehend entziehen könne.

    Die Ausschreibung erfolgte im August 2020 im Rahmen der Ausstellung "Schule der Folgenlosigkeit", die von Friedrich von Borries und der HFBK initiiert wurde. Aus insgesamt 2864 Bewerbern aus 70 Ländern wählte die Jury zunächst 14 Finalisten aus und kürte in einem zweiten Schritt die Gewinnerinnen.

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