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Zwei, die anpacken: Das bewegt die Utz-Brüder! | BR24

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Powerchair-Hockey-Nationalspieler Stefan Utz (links) und Politiker Oswald Utz.

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    Zwei, die anpacken: Das bewegt die Utz-Brüder!

    Powerchair Hockey ist die große Leidenschaft von Stefan Utz. Zwölf Mal war er schon deutscher Meister. Sein Bruder Oswald brennt für die Politik. Doch für ihre Leidenschaften müssen die beiden einige Hürden überwinden.

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    Hürden sind für die Oswald-Brüder da, um sie zu überwinden. Was klingt wie ein billiger Werbespruch, ist vielmehr die alltägliche Erfahrung von jemandem, der immer sein eigenes selbstbestimmtes Leben führen wollte. Wer wie die Oswald-Brüder mit der Glasknochenkrankheit geboren wurde, stößt dabei erstmal auf eine Menge Hürden.

    Der zweifache Familienvater Oswald Utz arbeitet bei der Münchner Volkshochschule. Aber nicht nur das. Was er geschafft hat, will er auch anderen Menschen mit Handicap ermöglichen: "Ich bin in einem kleinen Bauerndorf aufgewachsen und dann gab es den großen Bruch in meinem Leben, als ich in die Schule kam. Da habe ich dann festgestellt, ich darf nicht mit meinen Freunden in die Schule gehen, sondern ich muss in ein Heim für behinderte Menschen, in eine Sonderschule. Und das hat mich nachhaltig geschockt und auch bis zum heutigen Tag geprägt."

    Eine Erfahrung, die Oswald Utz antreibt. Auch wenn es für ihn immer wieder Niederlagen gibt. Als Münchner Stadtrat musste er nach knapp sechs Jahren aufgeben. Zeitlich und körperlich war er an seine Grenzen gestoßen. Als Behindertenbeauftragter der Stadt bleibt er aber weiter im Amt, eine Aufgabe, die ihn seit fast 16 Jahren fordert. Es sei immer eine Gratwanderung, weil er auch persönlich betroffen ist. Es gebe schon Momente, in denen ihm die Lust fehle, sich um diese Dingen zu kümmern. "Auf der anderen Seite", sagt er, "gibt es mir aber auch viel Lebensenergie und München ist eine Stadt, wo ich strukturell etwas verändern konnte und das motiviert mich immer wieder, weil es eben auch wert ist, sich zu engagieren."

    Gas geben: "ein geiles Gefühl"

    Sein Bruder Stefan Utz liebt den Sport. Er ist Nationalspieler im Powerchair Hockey. 2014 hat er die Elektro-Rollstuhl-WM nach München geholt. Wegen Corona konnte er nun monatelang nicht mit seinem Sport-Rolli trainieren. Jetzt endlich wieder in die Halle zu dürfen, ist ein großes Erlebnis: "Es macht total Spaß, weil ich die Geschwindigkeit so liebe und wenn man hier dann wieder plötzlich in der Halle ist und man kann richtig Gas geben, dann ist das einfach ein geiles Gefühl."

    Als Sportfunktionär engagiert sich Stefan Utz dafür, dass Menschen mit Handicap, ihren eigenen Sport machen können. Ein Sport, der den Menschen sehr viel gibt in ihrem Leben, sagt Stefan Utz: "Weil das einfach die einzige Sportart ist, die wir ausüben können und das treibt mich an, dass die Leute mit vollem Ehrgeiz und Herzblut dabei sind."

    Aufgeben, gibt's nicht

    Powerchair Hockey als olympische Disziplin – das ist der große Traum von Stefan Utz. Doch der Sport ist teuer, für viele nur schwer finanzierbar, entsprechend dünn ist der Nachwuchs. Hinzu kommt Corona: kein Spielbetrieb, keine Einnahmen, erst kürzlich ist ein Sponsor abgesprungen. Doch Aufgeben gibt es nicht bei den Utz-Brüdern, auch nicht bei Oswald Utz. "Was wäre denn die Alternative?" meint er. Zu Hause zu sitzen und zu versauern, das sei bei ihm keine Alternative: "Das heißt, immer wieder gegen die Barrieren ankämpfen und versuchen, sie vielen Menschen bewusst zu machen und eben für Veränderungen zu sorgen."

    Gegen Barrieren ankämpfen – für Oswald Utz ist das eine Lebensaufgabe. Seine Erfahrung: Wenn Menschen mit Handicap etwas verändern wollen, so können sie es nur selbst tun. Sein Traum von einer barrierefreien Gesellschaft ist für ihn also noch fern. "Für mich weiß ich nicht, ob das noch kommt", sagt er. Aber er würde sich wünschen, dass es in Zukunft für Eltern mit behinderten Kindern nicht mehr so ein Marathonlauf sei, etwa bei so essentiellen Fragen wie "Wo geht mein Kind zur Schule, wo kann es wohnen?" Oswald Utz wünscht sich, dass durch seine Arbeit bessere Strukturen geschaffen werden können: "Wenn wir da ein Stück weiter kommen oder wenn ich da etwas beitragen kann, freue ich mich."

    Stefan und Oswald Utz wollen Barrieren überwinden, etwas bewegen, sich engagieren – gerade auch für andere. Zwei, die anpacken und nur selten aufgeben.

    Mehr über Engagement, Herzblut und Protest gibt’s am 7. Oktober 2020 um 19 Uhr in STATIONEN im BR Fernsehen und in der BR Mediathek. In Zeiten von Corona-Demonstrationen, Klima-Bewegungen und Anti-Rassismus-Protesten geht STATIONEN in dieser Folge der Frage nach, was die Menschen berührt und bewegt.