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Zuviel Nacktheit am Altar: Streit um Oper in Klosterneuburg | BR24

© Natascha Teichgräber/ppp Musiktheater

Streit um Göttin Astraroth in Klosterneuburg

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    Zuviel Nacktheit am Altar: Streit um Oper in Klosterneuburg

    Goldener Dildo vor Kirchenkulisse: Die Inszenierung der Oper "Die Königin von Saba" war dem Augustiner-Stift Klosterneuburg zu freizügig. Regisseur Peter P. Pachl sagt, das Stift habe "massiven Druck" ausgeübt und die Streichung von Szenen verlangt.

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    Das Opernprojekt im niederösterreichischen Klosterneuburg war als "Friedensoper zum Nahost-Konflikt" geplant. An drei Tagen ist die heute weitgehend vergessene "Königin von Saba" in der Stiftskirche zu sehen, vom 11. bis 13. September, doch friedlich ging es hinter den Kulissen nicht zu. Wie Regisseur Peter P. Pachl gegenüber dem BR sagte, übte das Augustiner-Chorherrenstift vor der Premiere "massiven Druck" aus und verlangte die Streichung einiger Szenen.

    So wollte Pachl nach eigener Aussage die Sopran-Rolle der Sklavin Astaroth als zweigeschlechtliche Hermaphroditin auf die Bühne bringen, die von Libellen umschwirrt wird. Dafür sollte ihr ein "dreißig Zentimeter langer, vergoldeter Dildo" umgeschnallt werden. Begründet wurde das von Pachl inhaltlich mit dem Hinweis auf die altorientalische Mythologie, wonach Astaroth tatsächlich ein zweigeschlechtliches Wesen ist, das später zur Göttin Astarte wurde, besser bekannt in der griechischen Überlieferung als "Aphrodite".

    © Natascha Teichgräber/ppp Musiktheater

    Goldener Dildo am Altar

    Kein "String-Tanga am Altar"

    Außerdem wollte Pachl in einer "Vision" die sumerische Gottheit Lilith als "schwarze Dämonin" zeigen. Beide Bildideen entsprächen den Absichten des Komponisten Karl Goldmark, der als Sohn eines jüdischen Kantors in der orientalischen Sagenwelt sehr bewandert gewesen sei. Doch der Sprecher des Stifts Klosterneuburg, Walter Hanzmann, betonte gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA, eine "nackte Frau im String-Tanga" habe um "einen Altar herum" nichts zu suchen. Deshalb habe es bei der Premiere keine "pornografischen, sexualisierten und erotischen" Szenen gegeben.

    Kinder durften nicht auf Kirchenbänke

    Nach Angaben von Peter P. Pachl waren Vertreter des Stifts bei den Proben dabei, ohne sich dort zu den gezeigten Szenen geäußert zu haben. Die Aufregung sei erst nach der öffentlichen Generalprobe entstanden. Demgegenüber behauptet Hanzmann, das Stift sei zu den Hauptproben "nicht eingeladen" gewesen.

    Insgesamt verlief die Vorbereitung der "Königin von Saba" offenbar kontrovers. So berichtet Pachl, der zeitweise Intendant der Berliner Symphoniker war und das Münchner "pianopianissimo"-Musiktheater leitet, dem Regieteam seien unzutreffend "Schäden am Haus" vorgeworfen worden. So habe er eine Szene ändern müssen, in der israelische und palästinensische Kinder auf Kirchenbänken stehen sollten. Aus Rücksicht auf den privaten Sponsor der Produktion habe er dem Druck des Stifts nachgegeben, um die Aufführungen nicht zu gefährden.

    © Natascha Teichgräber/ppp Musiktheater

    Einst populär: Orientalismus

    Auch im Kölner Dom?

    Karl Goldmarks Oper aus dem Jahr 1875 war wegen ihres orientalischen Themas lange Zeit auf den Bühnen sehr populär, wird allerdings seit rund hundert Jahren kaum noch aufgeführt. Ausnahme war das Budapester Opernhaus, wo die Werke des gebürtigen Ungarn Goldmark auch nach dem Zweiten Weltkrieg geschätzt waren. Auf der Website des Opernprojekts von Klosterneuburg heißt es, Ziel sei es, der Musik von Goldmark wieder "zur Anerkennung" zu verhelfen.

    Geplant ist demnach, die Oper auch in anderen Kirchen zu zeigen, etwa dem Kölner Dom und weiteren gotischen Kathedralen des 12. und 13. Jahrhunderts. Überall dort solle das Potential der "Königin von Saba" für eine "Friedensoper zum Nahostkonflikt und für eine Kultoper archetypischer Geschlechterbeziehungen" entwickelt werden. Gleichzeitig soll das "Afrikabild in Europa" bereichert und verbessert werden.

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