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Sorbisch, Romanes, Friesisch: Was bei uns alles gesprochen wird | BR24

© Thomas Eisenhuth/picture alliance

Zweisprachige Straßenschilder in Wojerecy - deutsche Muttersprachler nennen die Stadt Hoyerswerda

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    Sorbisch, Romanes, Friesisch: Was bei uns alles gesprochen wird

    Der 21. Februar ist der Internationale Tag der Muttersprache. Guter Anlass, sich mal die vielen kleinen Sprachen anzuschauen, die in Deutschland zuhause sind. Auf eine Sprache will der Schriftstellerverband PEN besonders aufmerksam machen: Romanes.

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    Von
    • Hendrik Heinze

    Was viele Leute nicht wissen: In Deutschland leben vier anerkannte nationale Minderheiten. Die dänische Minderheit, die friesische Volksgruppe, das sorbische Volk und die Minderheit der deutschen Sinti und Roma. Alle vier haben eigene Sprachen. In ganz Deutschland werden viele hundert Muttersprachen gesprochen, ihnen allen ist der von der UNESCO ausgerufene Internationale Tag der Muttersprache gewidmet. Die vier Minderheitensprachen haben bei uns aber noch einmal einen besonderen Status - eben weil sie staatlich geschützt und gefördert werden.

    Sorbisch: Wenn Cottbus plötzlich "Chóśebuz" heißt

    Die römischen Geschichtsschreiber waren da schon ganz gut im Bilde: In dem Gebiet, das man heute Deutschland nennt, lebten und leben seit jeher auch slawische Stämme. Tacitus und Plinius nannten sie die "Veneti" - heute spricht man von den Wenden und Sorben.

    Etwa 60.000 Angehörige dieser Volksgruppen leben heute in Deutschland. Ihr Siedlungsgebiet ist die Lausitz, die zur Hälfte zu Sachsen und zur anderen Hälfte zu Brandenburg gehört. Ihre angestammte Muttersprache ist das Sorbische, das gewisse Ähnlichkeiten mit dem Polnischen hat.

    Allerdings können längst nicht mehr alle Wenden und Sorben diese Sprache gut oder passabel sprechen. An vielen Schulen in Brandenburg und Sachsen wird sie noch unterrichtet, in Leipzig kann man Sorbisch studieren - und tatsächlich gibt es bei Bautzen (oder sorbisch: Budyšin) auch noch einige Dörfer, in denen ein Drittel oder die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner sorbische Muttersprachler sind. Fachleute unterscheiden noch zwischen dem Obersorbischen und dem Niedersorbischen.

    Dänisch: Gesprochen in "Sydslesvig"

    In Südschleswig (und auch im Rest Schleswig-Holsteins sowie in Hamburg) leben viele Däninnen und Dänen - mindestens 50.000, je nach Schätzung auch doppelt so viele. Dabei geht es nicht um Menschen mit dänischem Pass, die leben da natürlich auch (wenn auch nicht so viele von ihnen). Es geht um deutsche Bürger, die der dänischen Minderheit angehören - und deren Sprache und Kultur in Schleswig-Holstein besonderen Schutz genießen.

    Der eine oder andere kennt vielleicht noch den "Südschleswigschen Wählerverband", der nie über fünf Prozent der Wählerstimmen kommt, aber trotzdem Abgeordnete in den Kieler Landtag schicken darf - das gibt es in Deutschland so nirgendwo sonst.

    Friesisch: Die Sprache der Inseln

    "Das Friesische", heißt es auf einer Informationsseite der Bundesregierung, "ist kein deutscher Dialekt, sondern eine eigenständige Sprache." Allerdings muss man sagen, dass sich heute an Nord- und Ostsee weit mehr Menschen als Friesen bezeichnen, als diese Sprache tatsächlich sprechen.

    In Niedersachsen gibt es da eine Besonderheit: eine sogenannte "Sprachinsel". In einem klitzekleinen Gebiet sprechen noch etwa 2000 Menschen "Saterfriesisch" - um diese Insel herum wird diese Sprache schon nicht mehr gesprochen oder verstanden. In Schleswig-Holstein gibt es auch noch einige tausend Friesisch-Sprecher, zum Beispiel auf der Insel Helgoland. Der friesische Dialekt der beliebten Ferieninsel Wangerooge ist dagegen schon ausgestorben - die letzten beiden Muttersprachler starben 1950.

    Romanes: Lange unter Druck

    Deutschland hat sich verpflichtet, nationale Minderheiten zu schützen, deren Kultur und deren Sprache. Unter diese Regelung fallen auch die Sinti und Roma. Ihre angestammte Sprache heißt Romanes. Sie hat es doppelt schwer, weil sie meist nur mündlich weitergegeben wird. Zudem wurden Sinti und Roma im Nationalsozialismus gezielt verfolgt und ermordet und haben auch in den Jahrzehnten danach viel Unrecht erlitten. Um nicht aufzufallen, haben sich Angehörige dieser Minderheit daher oft gegen ihre Sprache entschieden.

    Heute wollen viele der rund 100.000 in Deutschland lebenden Sinti und Roma ihre Sprache und Kultur bewahren - ihr Dokumentations- und Kulturzentrum betreibt dafür eigens ein Archiv mit Sprachbeispielen.

    Zum Tag der Muttersprache will auch der Schriftstellerverband PEN auf die Sprache der Sinti und Roma aufmerksam machen. "Ich bin sicher, es warten auf Romanes noch große literarische Schätze darauf, gehört und gelesen zu werden", sagt PEN-Präsidentin Regula Venske. "Zur Kultur in Deutschland gehört, dass wir in diesem mitten in Europa gelegenen Land reichhaltige Kulturen – im Plural – haben. Dazu zählen mehrere vom Aussterben bedrohte Sprachen, die nur von kleinen Minderheiten gesprochen werden, aber doch die Fülle des Menschseins repräsentieren, wie das Sorbische, Friesisch oder eben auch Romanes."

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