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Zum 100. Geburtstag: Rimini und Italien erinnern an Fellini | BR24

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Das Erbe des größten Drehbuchautors und Filmregisseurs Italiens wirkt bis heute: La Dolce Vita, Amarcord oder Stadt der Frauen prägten die Filmgesschichte. Zu seinem 100. Geburtstag erinnert Italien und seine Heimatstadt Rimini an Federico Fellini.

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Zum 100. Geburtstag: Rimini und Italien erinnern an Fellini

Das Erbe des größten Drehbuchautors und Filmregisseurs Italiens wirkt bis heute: La Dolce Vita, Amarcord oder Stadt der Frauen prägten die Filmgeschichte. Zu seinem 100. Geburtstag erinnert Italien und seine Heimatstadt Rimini an Federico Fellini.

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Es ist der Ort, an dem alles begann. Ein Kino im Zentrum von Rimini. Es ist früher Vormittag und Francesca Fabbri Fellini sitzt in einem der mit rotem Samt bezogenen, breiten, weichen Kinositze. Hier, erzählt die Nichte Federico Fellinis, habe der später weltbekannte Regisseur seine erste Begegnung mit der Kinowelt gehabt.

Fellinis erstes Filmerlebnis

In diesem Kino, dem Fulgor, habe Onkel Federico 1926 mit seinem Vater im Alter von sechs Jahren an einem Regentag seinen ersten Film gesehen. "Er hat später erzählt, dass die Bilder dieses Films, des Stummfilms Maciste, seine Fantasie angeregt haben. Da hat alles seinen Anfang genommen."

2020: Fast jeden Tag ein Fellini-Film

Der Saal des Fulgor heißt heute zu seinen Ehren "Sala Federico". Um den 100. Geburtstags des Meisters angemessen zu feiern, wird im Fulgor 2020 fast jeden Tag ein Fellini-Film gezeigt.

Aber nicht nur sein Lieblingskino, ganz Rimini ehrt seinen größten Sohn. In Rimini ist Fellini geboren, dort ist er auf seinen Wunsch auch beerdigt worden. Und Rimini, sagt seine Nichte, finde sich häufig in seinen Filmen wieder, nicht nur in Amarcord. Viele Fellini-Szenen seien aus Eindrücken und Fantasien seiner Jugend geboren, erzählt Francesca.

"Als er jung war, hockte er sich häufig hinter den Zaun des Grand Hotels und beobachtete an Sommerabenden die Schauspielerinnen und andere Frauen, die zur Musik eines Orchesters mit Männern im Smoking tanzten. Genauso hat er es dann in seinen Filmen wiedergegeben."

La Dolce Vita - Das Süße Leben

Rimini hat Fellini im Castel Sismondo, zehn Gehminuten vom Fulgor entfernt, eine große, multimediale Ausstellung gewidmet. Auf die weißen Lamellen am Eingang ist die ikonischste aller Fellini-Filmszenen projiziert. Anita Ekberg, die in Dolce Vita im Trevi-Brunnen stehend die Hände nach Marcello Mastroianni ausstreckt.

Fellini, sagt Ausstellungsorganisator Marco Leonetti, habe wie kein anderer Italien und die moderne Gesellschaft erzählt. Nicht zuletzt in seinem bekanntesten Film.

"Dolce Vita hat die Zeit des Wirtschaftswunders in Italien auf eine Weise geschildert, wie es keiner zuvor getan hatte. Quasi als Liveübertragung. Er hat den Enthusiasmus, die Ausschweifungen beschrieben, aber auch den Niedergang vorausgeahnt, die negativen Aspekte dieser Modernisierung beschrieben." Marco Leonetti, Ausstellungsorganisator

Fellini als politischer Filmemacher

Ironie, Schönheit, Innovation – diese drei Elemente, sagt Marco Leonetti, ziehen sich durch alle Fellini-Filme. Und der fünffache Oscar-Gewinner sei visionär gewesen. Nicht nur in Dolce Vita, auch in seinen Spätwerken. Im Schiff der Träume werden der Zerfall des Balkans und das Flüchtlingsthema vorweggenommen, in Ginger und Fred die gesellschaftlichen Veränderungen durch das Entstehen des Privatfernsehens.

Die innovative Art Fellinis, meint Leonetti, sei ein Grund, warum der erfolgreiche Regisseur in unterschiedlichen Epochen auch erbitterte Gegner hatte. Zunächst kritisierten die linken Anhänger der Neorealisten Fellini wegen der zunehmend träumerischen und fantastischen Elemente in seinen Filmen. Nach Dolce Vita forderten Katholiken ihm den Reisepass zu entziehen.

Leonetti erklärt schmunzelnd, Fellini sei immer so weit voraus gewesen, dass seine Filme, in dem Moment, in dem sie erschienen sind, Irritationen ausgelöst haben und von vielen nicht verstanden wurden. "Nach und nach aber zeigte sich, dass seine Filme immer aktueller sind."

Selbst Jugendliche sind heute noch von Fellini fasziniert

La Strada, Amarcord, 8 ½ und natürlich Dolce Vita. Fellinis Nichte Francesca zeigt Schülern die großen Filme: "Ich bemerke dann, dass alle Handy ausgeschaltet werden, dass die Schüler gefesselt sind von der Klasse der Schauspieler in einem Schwarz-Weiß-Film, der ihre Gefühle, ihren Geist erreicht. Ich sehe, dass sie bewegt sind."

Ganz Italien erinnert an den berühmten Regisseur

Nicht nur in Rimini wird an den 100. Geburtstag Fellinis erinnert. In Rom, Mailand und Triest gibt es zurzeit ebenfalls Ausstellungen zu Fellini, in ganz Italien nehmen Kinos Fellini-Filme ins Programm. Die Multimedia-Ausstellung aus Rimini soll im kommenden Jahr auch nach Berlin kommen.