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Zuflucht für Männer im Münchner Ledigenheim | BR24

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Ledigenwohnheim München

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    Zuflucht für Männer im Münchner Ledigenheim

    Das Ledigenheim im Münchner Westend ist ein einzigartiges Relikt aus früheren Zeiten. Fast 400 ledige Männer mit niedrigem Einkommen haben hier eine günstige Unterkunft gefunden.

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    Eigentlich ist Reinhold Dietz Koch. Doch dreimal im Monat arbeitet er als Pförtner im Männerledigenheim, wo er auch wohnt. Vor 13 Jahren ist er hier eingezogen, er hatte Schulden und wusste nicht, wohin. "Meine Lebensverhältnisse waren etwas schwierig", erzählt Herr Dietz, "aber hier hat es die Möglichkeit gegeben, Arbeit und eine bezahlbare Wohnung zu finden."

    "Ich bin hergekommen und dachte: Drei Monate bleib ich und dann zieh ich aus. Aber es hat sich als schwieriger gestaltet als gedacht, weil die Mieten in München schon ein Ding sind. Und dann hab ich entschieden, dass ich hierbleibe." Reinhold Dietz, Mieter im Ledigenheim

    Für 170 Euro konnte er schließlich in ein sieben Quadratmeter großes Zimmer ziehen. Für ihn ein Glück, denn zu dieser Zeit war Herr Dietz arbeitslos. Münchens Männerledigenheim ist einzigartig in Europa. Fast 400 Männer leben hier unter einem Dach, einige sind Hartz-IV-Empfänger, keiner verdient mehr als 1.500 Euro im Monat. Es gibt eine gemeinsame Küche, die Zimmer werden geputzt und die Bettwäsche regelmäßig getauscht. Eine Art Pension, in der man es vor allem schafft, mit wenig Geld auszukommen.

    "Hier leben derzeit Männer aus 52 verschieden Nationen, wir haben alle Religionen dieser Welt, jeder trägt seinen Lebens-Rucksack mit sich und trotzdem ist es friedlich. Es ist ein Vorzeigemodell." Claudia Bethcke, Leiterin der Ledigenheim

    Ledigenheime entstanden ab Ende des 19. Jahrhunderts und wurden bis in die 1960er Jahre betrieben. Seit 1927 existiert das Ledigenheim in München in einem heute denkmalgeschützten Gebäude. Es wurde nicht wie viele andere Einrichtungen seiner Art in Studenten-, Seniorenheime, Wohnhäuser oder Hotels umgewandelt.

    Gäste dürfen nur in die Eingangshalle, auf den Zimmern der Männer ist kein Besuch erlaubt. Reinhold Dietz ist mit seinem Zuhause im Ledigenheim zufrieden. Es brauche nicht viel mehr als ein Dach über dem Kopf, Möbel und Essen: "Es heißt vor allem Fußfassen und das Leben wieder genießen können. Das muss man auch können. Und Lebensfreude braucht man auch."