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Zu "rechts"? Fischer-Verlag trennt sich von Autorin Monika Maron | BR24

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Vierzig Jahre lang veröffentlichte Monika Maron ihre Bücher beim Frankfurter S. Fischer Verlag. Der trennte sich nun von der umstrittenen Autorin, die betont konservative Positionen vertritt. Kritiker sprechen von einem Fall von "Cancel Culture".

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Zu "rechts"? Fischer-Verlag trennt sich von Autorin Monika Maron

Vierzig Jahre lang veröffentlichte Monika Maron ihre Bücher beim Frankfurter S. Fischer Verlag. Der trennte sich nun von der umstrittenen Autorin, die betont konservative Positionen vertritt. Kritiker sprechen von einem Fall von "Cancel Culture".

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Monika Marons zuletzt bei S. Fischer veröffentlichter Roman "Arthur Lanz" sorgte für sehr geteilte Meinungen. Darin lässt die Autorin ihre Romanfiguren Debatten über die Unmöglichkeit von "deutschen Helden" führen und über einen Weg ins "Grüne Reich" spekulieren. Solche Vergleiche und die bisweilen irritierende Wortwahl verstörten Leser wie Kritiker gleichermaßen, Verrisse waren die Folge. Konservative Blätter wie die Würzburger "Tagespost" schrieben dagegen von einem "Abschlachten" der Autorin durch die Rezensenten und bezeichneten den Roman als "wundervoll leicht und augenzwinkernd provokativ". Dem BR sagte Maron im August, sie wolle "nicht provozieren", sondern fühle sich "eher provoziert durch das, was um mich herum passiert". In der Literatur-Branche, und nicht nur da, steht Maron wegen ihrer betont konservativen Positionen unter "Rechts-Verdacht", ein Vorwurf, den sie selbst nicht gelten lässt: "Den kannte ich in der DDR sowieso. Also, wer da nicht für den Frieden war, war für den Klassenfeind und gab dem Westen Munition. Daran kann man nichts ändern."

"Das fand ich eher komisch"

In einem aufsehenerregenden Interview mit der "Welt am Sonntag" machte Maron, die sich selbst als "freiheitssüchtig" bezeichnet, jetzt bekannt, dass sich ihr langjähriger Verlag S. Fischer von ihr getrennt habe. Zu den Gründen sagte sie: "Das kann ich nur vermuten. Natürlich weiß ich, dass man nicht mit allen meinen politischen Äußerungen zum Islam und zur Flüchtlingspolitik glücklich ist. Bei meinem Buch 'Munin oder Chaos im Kopf', das 2018 erschienen ist, gab es jedenfalls schon vor der Veröffentlichung vonseiten des Verlages allerlei Bedenken und schriftliche Hinweise, um mich vor mir selbst zu beschützen, wie mir gesagt wurde. Das fand ich eher komisch."

Seit Maron kürzlich in der Dresdener "edition buchhaus loschwitz" den Essay-Band "Krumme Gestalten, vom Wind gebissen" veröffentlichte, sorgte sie bei ihren Widersachern für neue Empörung. Der Verlag der Buchhändlerin Susanne Dagen macht immer wieder mit "neurechten" Äußerungen Schlagzeilen. Für Maron ist Dagen dagegen eine "Oppositionelle, die manchmal auch übers Ziel hinausschießt". Vertrieben wird der Essay-Band von Götz Kubitschek, dem Chef des "Antaios"-Verlags, der ebenfalls als "neurechts" gilt, von Kritikern jedoch als rechtsextrem bezeichnet wird.

© Klaus Dietmar Gabbert/Picture Alliance

Mit Zigarette: Die Autorin 2016 bei einem Interview

Dass die Buchreihe "Exil" heißt, findet Maron zwar nicht "glücklich", schränkt jedoch ein: "Gemeint ist damit auch eher ein Rückzug aus dem ideologisch aufgeladenen Gezeter in die Sprache der Literatur. Assoziiert wird damit aber natürlich auch die deutsche Exilliteratur während des Nationalsozialismus, und das wäre absurd. Dass der politisch mir ferne Kubitschek die Bücher vertreibt, wusste ich nicht – zeigen Sie mir mal einen Autor, der sich um den Vertrieb kümmert. Kubitschek listet aber auch meine Fischer-Romane, der Verlag kann ihn nicht einmal daran hindern, weil jeder sich bei jedem Barsortimenter damit eindecken kann."

"Ehrabschneiderisch und existenzbedrohend"?

Monika Maron zufolge ist "vielen offenbar das Argumentieren zu mühsam", ihrer Meinung nach verkürzt "moralische Ausgrenzung die Debatte". In der "Welt" sagte sie: "Bei Gesprächen nach Lesungen höre ich oft, dass die Leute vor drei Sachen Angst haben: eben davor, ausgegrenzt zu werden; Angst vor unversöhnlichem Streit mit Freunden und Familie; einige haben sogar Angst, ihre Arbeit zu verlieren, wenn sie das Falsche sagen. Nun ist es ja ein gängiges Argument, dass man alles sagen dürfe – nur müsse man eben auch mit Gegenwind rechnen. Was in gewisser Weise natürlich stimmt. Wenn der Gegenwind aber nicht heftige Widerrede und lebendiger Streit ist, sondern ehrabschneiderisch oder sogar existenzbedrohend, dann ist eine vernünftige, gleichberechtigte Diskussion nicht mehr möglich. Wer eine öffentliche Stimme hat, kann sich noch wehren, andere gehen dann vielleicht einfach in Deckung oder verhärten sich."

Rechtskonservative Websites wie "'Tichys Einblick" wittern bereits einen "Verrat an der Freiheit der Literatur" und werfen dem S. Fischer-Verlag vor, "Parteiliteratur" im Sinne Lenins zu verbreiten. In einem "Offenen Brief" des Münchner Publizisten Boris Blaha heißt es polemisch, die Trennung des Verlags von seiner langjährigen Autorin sei an "Niedertracht nicht mehr zu überbieten".

Verlag nennt Grund für die Trennung

Der S. Fischer Verlag bestätigte dem BR die Trennung von Monika Maron. Siv Bublitz, die verlegerische Geschäftsführerin der S. Fischer-Verlage, äußerte sich in einer kurzen Pressemitteilung: "Man kann nicht bei S. Fischer und gleichzeitig im Buchhaus Loschwitz publizieren, das mit dem Antaios Verlag kooperiert.” Über die Gründe, der Autorin über die bestehenden Verträge hinaus keine neuen Buchverträge anzubieten, habe es in den vergangenen Monaten einen "intensiven Austausch" zwischen Autorin und Verlag gegeben.

Die bei Fischer erschienenen Bücher von Monika Maron blieben, wenn es nach dem Wunsch des Verlags gehe, weiterhin im Programm. Für das kommende Jahr im Mai ist Monika Marons Essay-Band "Was ist eigentlich los?" angekündigt. Dabei soll es nach Informationen des BR von Seiten des Verlags auch bleiben. Der "Süddeutschen Zeitung" schrieb die Autorin allerdings zwischenzeitlich eine Mail, wonach sie kein Interesse mehr an einer weiteren Zusammenarbeit mit S. Fischer hat. Das Angebot, bereits erschienene Texte zu ihrem 80. Geburtstag am 3. Juni 2021 noch einmal zu veröffentlichen, sei "offenbar nur ein Manöver" gewesen, das sie glauben machen sollte, der Verlag werde "auch einen nächsten Buchvertrag mit mir machen": "Die Verlagsleitung hat dann aber ein ganz und gar unpolitisches Manuskript von mir ungelesen abgelehnt mit der Botschaft: dieses nicht und auch kein anderes. Der Essayband wird nicht bei S. Fischer erscheinen."

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