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Zoroastrismus: Freddie Mercurys Religion des Feuers | BR24

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Schon die drei Weisen aus dem Morgenland sollen Zoroastrier gewesen sein, Anhänger eines altpersischen Kultes, in dem das Feuer eine besondere Rolle spielt. Auch Queen-Frontmann Freddie Mercury war ein Anhänger Zarathustras.

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Zoroastrismus: Freddie Mercurys Religion des Feuers

Schon die drei Weisen aus dem Morgenland sollen Zoroastrier gewesen sein, Anhänger eines altpersischen Kultes, in dem das Feuer eine besondere Rolle spielt. Auch Queen-Frontmann Freddie Mercury war ein Anhänger Zarathustras.

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"I'm burning through the sky!" - Ich brenne. Ich fliege mit Lichtgeschwindigkeit, singt Freddie Mercury in "Don't Stop Me Now". Dabei kann vermutet werden, dass der Text mit seiner Religion zusammenhängt. Freddy Mercury wurde als "Farrokh Bulsara" geboren und gehörte wie seine Eltern zu den Parsen, einer persisch-zoroastrischen Minderheit, die in Indien lebt. Als Zoroastrier berief er sich auf Zarathustra, also jenen altpersischen Priester, der ungefähr um 600 vor Christus im Gebiet des heutigen Iran lebte und den Glauben seiner Zeit reformierte.

Zarathustras Idee vom lebendigen Gott

Zarathustras Grundidee: Gott lebt und es gibt nur einen Gott - damals eine Revolution! In der Sprache der Zoroastrier heißt Gott "Ahura Mazda". In den Versen den sogenannten "Gathas" des Zarathustra finden sich Vorstellungen, die wir aus dem Judentum, dem Christentum oder dem Islam kennen. So etwa, dass Gott ein Gott der Liebe und des Lichts ist, die Idee vom Kampf zwischen Gut und Böse, oder dem Jüngsten Gericht. Im Zentrum des Glaubens der Zoroastrier steht das Feuer, das in Feuertempeln von Priestern bewacht wird und nie ausgehen darf.

"Feuer ist das Element, das die drei Sphären verbindet. Es erscheint als Sonne am Himmel, als Blitz in den Wolken und als Feuer auf der Erde. Deswegen gilt es bei den Zoroastriern als vollkommene Schöpfung oder sogar als Sohn Ahura Mazdas.“ Khosro Kiyanrad, iranischer Historiker

Bis heute ist der Zoroastrismus lebendig, auch in Deutschland finden sich Anhänger. Die meisten aber leben in Indien. In ihrem Ursprungsland Iran wurden die Anhänger Zarathustras lange verfolgt. Trotzdem haben sich zoroastrische Feste und Symbole bis heute im schiitischen Islam gehalten. So feiern die Iraner zum Beispiel Yalda, das Fest der Wintersonnenwende.

"Auf ein traditionelles Tischtuch, ein Sofreh, hat man früher zoroastrische Texte gelegt, heute eben den Koran - die zoroastrischen Symbole sind aber darauf erhalten geblieben", sagt der iranische Historiker Khosro Kiyanrad. "An Yalda am 21. Dezember feiert man nachts die Geburt der Sonne, den Sieg der Helligkeit über die Dunkelheit."

Rot: Farbe des Feuers

Beim Obst, das bei diesem Fest auf dem Sofreh liegt, spiele die rote Farbe eine große Rolle. Granatäpfel seien wichtig und Wassermelonen - Rot ist die Farbe des Feuers, des Kriegsgottes Mithras. Eine Farbe, die auch Freddie Mercury neben der Priesterfarbe weiß für seine Bühenoutfits bevorzugte. Im Video zu "Made In Heaven" steht Mercury bereits schwer krank in einem roten Superhelden-Outfit auf einer Weltkugel und singt von Kampf gegen das Böse, den er womöglich verlieren wird.

Der ständige Kampf gegen das Böse ist ein wichtiges Konzept im Zoroastrismus. "Recht denken, recht reden, recht handeln" - so lautet die Grundmaxime, die jeder Zoroastrier befolgen muss. "Laut Zarathustra gibt es nur einen Weg: das Richtige", so der Forscher Khosro Kiyanrad. "In den Hymnen Zarathustras trägt Ahura Mazda das Gute und das Böse in sich selbst. Und Zarathustras sagt, dass man das Böse in sich kontrollieren müsse. Jeder trägt das Böse in sich und man kann es nie ganz loswerden."

Iraner pilgern zum Feuertempel

Im Iran erlebt der Zoroastrismus gerade wieder eine Blüte. Das sieht man daran, dass viele junge Iraner zu den Feuertempeln pilgern. Damit betonen sie ihre persischen Wurzeln und versuchen so, den strengen islamischen Moralkodex abzulegen. Ein gefährliches Unterfangen, denn Konvertiten werden im Islam nach wie vor verfolgt.

In der westlichen Welt ist Zarathustra vor allem durch den Philosophen Friedrich Nietzsche bekannt geworden, in seinem Buch "Also sprach Zarathustra". Und auch Sänger Freddie Mercury hat der Religion Öffentlichkeit verschafft. Wenn auch verkürzt und manchmal verdreht:

"People of the earth, listen to the warning, the prophet has said. For soon the cold of night will fall, summoned by your own hand." Freddie Mercury

Im Lied "The Prophets Song" von Queen warnt ein desillusionierter Zarathustra vor dem Weltuntergang. Hier treffen christliche und zoroastrische Untergangsszenarien aufeinander. Die ursprüngliche Idee, dass es einen Gott gibt, wird hier in Frage gestellt.

In Theo.Logik auf Bayern 2 am 2. Dezember 2019 um 21 Uhr geht es um Zoroastrismus und andere Religionen in denen Licht und Schatten eine Rolle spielt.