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Nach Kritik: Künstlerkollektiv macht Gedenk- zu "Schwurstätte" | BR24

© picture alliance/Paul Zinken/dpa/ZB

Doch nicht abgebaut: Bild vom angeblichen Abbau der Installation des ZPS am Freitag

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    Nach Kritik: Künstlerkollektiv macht Gedenk- zu "Schwurstätte"

    Am Montag hatte das "Zentrum für politische Schönheit" vor dem Reichstag eine Stahlsäule mit der Asche von Holocaust-Opfern aufgestellt. Die Aktion erntete heftige Kritik. Jetzt weihte das Künstlerkollektiv die "Gedenkstätte" in geänderter Form ein.

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    Die Asche ist weg, aus der "Gedenkstätte" wurde eine "Schwurstätte": Das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) weihte heute eine "Schwurstätte gegen den Verrat an der Demokratie" in Berlin ein. Über Nacht gossen sie unter die Stahlsäule, die sie am Montag zwischen Bundestag und Kanzleramt aufgestellt hatten, ein Betonfundament. Der Inhalt der Säule, bei dem es sich laut Angaben der Gruppe um Asche und Knochenreste von Holocaust-Opfern handelte, wurde entfernt. Stattdessen prangt nun auf der Säule der laut der Gruppe antike Schwurspruch "Ich schwöre Tod durch Wort und Tat, Wahl und eigne Hand – wenn ich kann – jedem, der die Demokratie zerstört."

    Zur Erklärung der Aktion sagt Stefan Pelzer, "Eskalationsbeauftragter" des ZPS in einer Pressemitteilung: "Wir haben damit im Regierungsviertel einen Ort geschaffen, an dem jeder Mensch, dem die Demokratie es wert erscheint, einen verbindlichen Schwur zu ihrer Verteidigung leisten kann."

    Grabstein Franz von Papens vor CDU-Zentrale

    Zur gleichen Zeit platzierten die Aktivisten den Grabstein von Franz von Papen vor dem Haupteingang der CDU-Parteizentrale in der Klingelhöferstraße in Berlin. Am Dienstag hatten sie den Grabstein vom Ehrengrab von Papens auf dem Friedhof im saarländischen Wallerfangen entwendet. Der konservative Politiker gilt als wichtiger Wegbereiter Adolf Hitlers in der Weimarer Republik, unter anderem weil er 1933 eine Koalitionsregierung mit Hitlers NSDAP einging. Sein Grabstein solle nun die CDU davor warnen, sich auf Koalitionen mit der AfD oder auf Minderheitsregierungen mit Duldung der AfD einzulassen. "Von Papen, der als Ermächtiger Hitlers gilt, wird derzeit nicht eingelassen," so das ZPS in seiner Pressemitteilung. "Er möchte die CDU vor möglichen Konsequenzen warnen, sich mit Faschisten einzulassen. Er möchte warnen vor der politischen Naivität, Demokratiefeinde durch Macht domestizieren, demaskieren oder einhegen zu können."

    Aktion kommt nach Entschuldigung

    Am Montag hatte das Künstlerkollektiv eine Stahlsäule vor dem Reichstagsgebäude aufgestellt, am einstigen Ort der Krolloper, in der 1933 nach dem Reichstagsbrand das Ermächtigungsgesetz unterzeichnet wurde, das Hitler diktatorische Macht gab. Eingeschlossen in der Stahlsäule war laut Aussage des ZPS die Asche von Opfern des Holocaust, die sie angeblich an verschiedenen Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine in der Nähe von Konzentrationslagern in der Erde gefunden hatten.

    Die Aktion stieß auf breite Kritik: So kritisierte der Zentralrat der Juden eine mögliche Störung der Totenruhe; der Grünen-Politiker Volker Beck erstattete Strafanzeige. Zwei Tage später folgte schließlich eine Entschuldigung des ZPS; die Asche wurde verdeckt. In einer Erklärung auf ihrer Website hieß es: "Wir verneigen uns vor Millionen Menschen, den Opfern des Holocaust und ihren Nachkommen." Und weiter: "Wir bedauern aufrichtig, dass wir den zentralen Wirkungsaspekt unserer Arbeit nicht im Vorfeld erkannt haben."

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