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Eine Buddha-Statue in einem Zen-Garten.

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    Zengärten: Kleine Welten für Meditierende

    Zengärten sind in japanischen Klöstern entstanden. Sie symbolisieren die Welt im Miniatur-Format. Dokuho und Misajo Meindl haben in Dornach bei München ein Zenhaus gebaut. Doch die Gärten sind nicht nur zum Meditieren da, sondern auch zum Arbeiten.

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    Von
    • Barbara Weiß
    • Andrea Neumeier

    Denkt man gerade jetzt im Frühling an einen Garten, erwartet man Düfte, Blumen, Insekten und Vogelgezwitscher. Ein Rausch für die Sinne. Doch ein Zengarten ist genau das Gegenteil davon.

    Im Zengarten soll der Betende zur Ruhe kommen

    Christen beten und meditieren in Kapellen und Kirchen. Buddhisten machen das in einem Zengarten. Ein Karesansui ist ein japanischer Steingarten, der seinen Ursprung vor mehreren hundert Jahren in den buddhistischen Zenklöstern hat. Diese Gärten werden auch Trockengärten genannt. In einem Zengarten wachsen keine bunten Blumen, sondern es gibt dort graue Steine. Hier soll der Betende Ruhe und zu sich selbst finden.

    Linie im Kies symbolisieren Bäche und Gewässer

    Auch in Bayern gibt es Zengärten, zum Beispiel das Zenhaus in Dornach bei München. Zenpriester Dokuho Meindl erklärt, warum es in einem Zengarten überhaupt kein Wasser gibt: "Ein Zengarten ist sehr karg, eine schlichte Umsetzung der großen Natur". Trockenes Wasser wird symbolisiert durch Kies, und Berge werden mit Steinen dargestellt. Mit einem Rechen werden Linien durch den Kies gezogen. Sie sollen natürliche Strukturen wie Bäche und Gewässer symbolisieren. Eine kleine Welt für den Meditierenden.

    Ein Tisch-Zengarten für den Schreibtisch

    Im Zenhaus in Dornach gibt es draußen einen großen Garten, einen unter der Treppe, zwei vor den Kellerfenstern und Tisch-Zengärten. Diese kann man auf den Schreibtisch stellen. Sie sind so groß wie ein Schachbrett, haben einen Rahmen, in dem Kies, Sand und Steine in einer Meditation immer wieder neu angeordnet werden können. Auch ein kleiner Rechen ist dabei.

    Dohuko Meindls Frau Misajo kommt aus Japan. Sie kennt Zengärten seit ihrer Kindheit. "In Japan gehen die Menschen in den Zengarten, um den Minimalismus wieder wahrzunehmen, weil die Welt kompliziert geworden ist. Durch diesen Minimalismus kommen sie zur Ruhe. Und sie können wieder eine Verbindung herstellen zur ursprünglichen Natur", sagt Misajo.

    Im Zengarten wird nicht nur gebetet, sondern auch gearbeitet

    Neben der Meditation ist aber auch das Arbeiten, der Umbau des Gartens, Teil der Zen-Meditation. Die Linien werden immer wieder neu gezogen. Die Steine, die die Berge symbolisieren, bekommen immer wieder einen neuen Platz. "Wir haben gestern eine große Stelle Moos umgebaut, den ganzen Tag waren wir draußen und haben im Zengarten gearbeitet. Wie ein Kind habe ich im Sandkasten gespielt", erzählt Dohuko Meindl.

    Ein Energienetz zu gestalten, ist hohe Kunst

    Dohuko Meindl hat das Zengärtnern in einem Kloster bei Kyoto gelernt. "Ich mach' es schon über 30 Jahre, aber wenn mein Freund und Zenmeister aus Japan da ist, dann setzt der das schon anders um. Dass da so ein Energienetz entsteht, das ist hohe Kunst", sagt Dohuko Meindl.

    Die hohe Kunst, diese Energie zu erzeugen, soll dann auch auf den Meditierenden übergehen. Der einzelne Stein ist bedeutungslos, erst im Zusammenhang mit der Umwelt bekommen die einzelnen Bestandteile eine Bedeutung, so die Lehre des Zen-Buddhismus.

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