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Zeitzeugnis: Menschen auf der ganzen Welt schreiben Corona-Bibel | BR24

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Bildrechte: coronabibel.ch

Zwei handgestaltete Versionen des ersten Psalms in der Corona-Bibel in deutscher Sprache.

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    Zeitzeugnis: Menschen auf der ganzen Welt schreiben Corona-Bibel

    Die Bibel ist mit einer Auflage von rund 2,5 Milliarden das meistverkaufte Buch der Welt. Jetzt gibt es vom Buch der Bücher eine Corona-Neuauflage. Fast 1.000 Menschen weltweit haben die einzelnen Kapitel per Hand abgeschrieben und illustriert.

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    Von
    • Martin Jarde

    Es war kurz vor dem Lockdown in der Schweiz am 16. März 2020, als eine Handvoll Kirchenleute in St. Gallen nach einer Möglichkeit suchte, die drohende Vereinsamung zu überwinden. Ihre Idee: Die komplette Bibel neu abschreiben. "Die Bibel ist zwar kein Heilmittel gegen das Coronavirus, wohl aber ein wirksames Mittel, um den eigenen Ängsten und Sorgen Sprache zu verleihen", so das Team evangelisch-reformierter und katholischer Seelsorgerinnen und Seelsorger um Pfarrer Uwe Habenicht.

    Menschen aus aller Welt schreiben an Corona-Bibel

    Bereits als sich der Lockdown abzeichnete, stellte der reformierte Theologe Projektteam und Website zusammen - Erklärvideos inklusive. Heraus kam die sogenannte "Corona-Bibel": Rund 950 Menschen aus aller Welt haben die 1.189 Kapitel des Buchs der Bücher abgeschrieben, in ihrer eigenen Sprache und Handschrift, mit eigenen Illustrationen und Kommentaren.

    Der siebenbändige "Codex Corona" wurde zunächst in einem Gottesdienst Mitte März dieses Jahres in der evangelisch-reformierten Kirche feierlich präsentiert. Die rund 4.000 Seiten seien "ein Zeugnis der Zeit gegen Isolation und Einsamkeit", entstanden zwischen 16. März und 31. Mai 2020. Hunderte Menschen haben sich verbunden mit den alten biblischen Sehnsuchtsgeschichten nach Heilung und die eigene Sehnsucht hineingeschrieben, hieß es in der ökumenischen Feier: "Schreiben verbindet und Schreiben befreit vom Druck der Gegenwart."

    Aufnahme in traditionsreiche Kloster-Bibliothek in St. Gallen

    Anschließend wurde die Corona-Bibel in einer Prozession zur katholischen Kathedrale St. Gallen gebracht, wo sie in die Hände von Stiftsbibliothekar Cornel Dora übergeben wurde. Damit ist sie Teil jenes berühmten Klosters, in dem Mönche im Mittelalter ihre Abschriften der Bibel und anderer Texte herstellten.

    Dass die altehrwürdige Bibliothek, die zum Weltkulturerbe zählt, ihre Unterstützung zugesagt hat, darauf ist die katholische Theologin Ann-Katrin Gässlein von der Citypastoral St. Gallen stolz: "Die Corona-Bibel reiht sich in die Tradition der alten Bibelhandschriften ein, von denen die weltberühmte Bibliothek zahlreiche beherbergt", sagte sie dem Schweizer Portal kath.ch. "Sie steht also in der Tradition der frühmittelalterlichen Skriptorien und ist gleichzeitig ein einzigartiges Zeitzeugnis der Spiritualität im 21. Jahrhundert."

    Corona-Bibel komplett online abrufbar

    In der Stiftsbibliothek wird die Corona-Bibel noch zwei Jahre zu sehen sein, sodass auch Menschen aus dem Ausland, die mitgeschrieben haben, vielleicht irgendwann kommen und sie vor Ort anschauen können. Außerdem ist die Corona-Bibel komplett digitalisiert. Auf der Website des Projekts kann man nicht nur einzelne Kapitel auswählen, sondern sich auch das Alter der Schreibenden, die Sprache, besonders gestaltete Initial-Buchstaben, Illustrationen, persönliche Kommentare, Deckblätter oder Einbände ansehen, erläutert Gässlein.

    Mit Material der KNA

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