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"Wendejahre": spektakuläre Ausstellung in Augsburg | BR24

© BR/Mario Kubina

Die Montagsdemos, die Flucht von DDR-Bürgern über Ungarn, die Feiern rund um den Mauerfall – eine spektakuläre Ausstellung im Schaezlerpalais macht all das erlebbar.

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"Wendejahre": spektakuläre Ausstellung in Augsburg

Die Montagsdemos, die Flucht von DDR-Bürgern über Ungarn, die Feiern rund um den Mauerfall – eine spektakuläre Ausstellung im Schaezlerpalais macht all das erlebbar. Zu sehen sind mehr als 100 Bilder des Star-Fotografen Daniel Biskup.

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Die Aufnahmen von Daniel Biskup lassen die Jahre 1989 bis 1995 Revue passieren: die Montagsdemos, die Flucht von DDR-Bürgern über Ungarn, die Feiern rund um den Mauerfall oder Auftritte von Helmut Kohl.

Ein Bild zeigt den damaligen Kanzler vor einer ungeheuren Menschenmenge in Erfurt: Das Haar ergraut, die hohe Stirn von Falten gezeichnet, der Blick entschlossen. Kohl besuchte die Stadt im Februar 1990, wenige Wochen vor der Volkskammerwahl – der einzigen freien in der Geschichte der DDR. Und nur ein Meter neben ihm: Daniel Biskup.

"Es waren 140.000 Menschen auf dem Platz. Und alle haben gebrüllt: Helmut, Helmut, Helmut! Minutenlang schallte es: Helmut, Helmut, Helmut! Und ich hatte das Glück, neben ihm zu stehen und gemeinsam mit ihm in die Menschenmenge zu schauen. Es war unglaublich." Daniel Biskup

Es dauerte nicht lange, bis die Euphorie im Osten verflog. Anfangs bejubelten die Menschen den Kanzler der Einheit. Dann aber drehte sich die Stimmung. Die Demonstranten sangen keine Lobeslieder mehr auf Kohl. Auf vielen Transparenten schlug ihm jetzt Ablehnung entgegen – auch das zeigt die Augsburger Ausstellung in eindringlichen Bildern.

Auch die Leidtragenden des Umbruchs werden gezeigt

Besucherinnen und Besucher können außerdem nachempfinden, mit welcher Wucht die Wende das Leben von DDR-Bürgern umgekrempelt hat. Besonders eindrucksvoll gelingt das in einem Raum, in dem Bilder von Teilnehmern einer Anti-Treuhand-Kundgebung hängen. In den Augen vieler war ja in erster Linie die Treuhandanstalt schuld daran, dass in DDR-Betrieben reihenweise das Licht ausging. Die Lippen aufeinandergepresst, der Blick mal resigniert, mal anklagend, am Revers ein Aufkleber mit der Aufschrift „Kündigung“: Die Leidtragenden des Umbruchs bekommen hier ein Gesicht.

Zwischen Aufbruch und Verzweiflung – wie im Zeitraffer zeichnet die Ausstellung die emotionalen Extreme nach, die die Wendejahre gekennzeichnet haben. Die Schau im Augsburger Schaezlerpalais beginnt am 14. April und endet am 30. Juni.