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Zukunftsmusik aus Berlin - Elektronischer Jazz von Otis Sandsjö | BR24

© Audio: Bayerischer Rundfunk / Foto: We Jazz Records

Als hätte man Gedichte von Else Lasker-Schüler durch einen KI-Computer gejagt, so klingt der Liquid Jazz von Otis Sandsjö.

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Zukunftsmusik aus Berlin - Elektronischer Jazz von Otis Sandsjö

Musik muss nicht immer "schön" sein. Saxofonist Otis Sandsjö nutzt für sein zweites Studio-Album elektronische Ton-Erzeuger und synthetische Datenbanken. Liquid Jazz nennt der schwedische Wahlberliner seine faszinierenden Klang-Gespinste.

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Er war Kinderdarsteller im schwedischen Fernsehen, sang danach in einer Reggae-Band, bis er den Jazz und das Saxophonspielen für sich entdeckte. Heute lebt und arbeitet Otis Sandsjö in Berlin. Der 32-jährige Jazzkünstler kooperiert gern mit Musikerfreunden: Mit der gefeierten Vokalistin Lucia Cadotsch oder mit seinem Landsmann, dem Kontrabassisten Petter Eldh. Jetzt hat er ein verblüffendes, zweites Album unter eigenem Namen am Start: Y-Otis 2.

Nein, All-Day-Music ist das nicht. Der Schwede Otis Sandsjö bricht mit so manchem Klischee, das man mit skandinavischem Jazz in Verbindung bringt. Hier wird nicht die Weite der skandinavischen Landschaft programmmusikalisch beschworen, hier stehen die mentalen microchips kurz vor dem Overload.

Nicht für jedermann

Otis Sandjös Stücke, die er zusammen mit seinem Landsmann, dem hervorragenden Bassisten Petter Eldh, ausklabüsert hat, werden nicht jedermann gefallen. Sie fußen größtenteils auf synthetischen Sounds elektronischer Tonerzeuger und digitaler Datenbanken und wurden, was man ihnen anhört, mit und an einem modernen Aufnahmetool hergestellt.

Natürlich lässt sich angesichts der ausufernden, mäandernden Stücke dieses Albums die leidige Frage stellen, ob das noch oder schon wieder Jazz ist, aber mit obsoleten Fragen vergeudet man nur wertvolle Zeit. Otis Sandsbö hat bereits einen Terminus gefunden für seine abstrusen Klanggebilde, die überhaupt nichts mit gängigen Pop-Songformaten zu tun haben - eher scheinen sie Kompositionsprinzipien der Klassischen wie der sogenannten Neuen Musik zu reflektieren.

Liquid Jazz in unwegsamen Schall-Labyrinthen

Liquid Jazz nennt er sein Verfahren, sich mit seinem Instrument durch die labyrinthisch angeordneten Klanggespinste durchzufädeln. Mal nimmt er eine Anregung auf und lässt die Melodie-Linien ausfransen, dann wieder ergeht er sich in zärtlichen Kommentaren, die er mittels Zirkularatmung den überfordernden Klangungetümen überstülpt.

Es wummern die tiefergelegten Bässe, es fiepen die Electronica, es breakbeatet der Anti-Groove, was aber dann doch wieder erstaunlich harmonisch daherkommt. Tatsächlich waren für die zehn futuristischen Stücke vier Menschen aus Fleisch und Blut im Einsatz. Neben Eldh und Sandsjö sind der Brite Dan Nichols an den Keyboards und Tilo Weber an den Drums beziehungsweise am Drumcomputer zu hören. Die Vier greifen zwar Ideen aus der elektronischen Popmusik auf, der Intelligent Dance Music, aus Broken Beat und so weiter, belassen es aber nicht dabei. Das Faszinierende an dem Album: Es hört sich traumhaft an, klingt umwerfend gut und reflektiert auf hohem Niveau die Komplexität aufgezeichneter Musik. Mit anderen Worten: Y-Otis-2 ist ein modernes Musik-Abenteuer, das sich erst nach mehrmaligem Hören erschließt.

Wunderwerke einer durchdigitaliserten Gegenwart

Als hätte man die rätselhaften Gedichte von Else Lasker-Schüler durch das Kompositionsprogramm eines KI-Computers gejagt und das Ergebnis mit Frank Zappas Humor überträufelt - so verblüffend, skurril, assoziativ und erfrischend klingen diese Aufnahmen. Wer offen ist, wird belohnt. Es gibt einiges zu entdecken an Wunderwerken in unserer urbanen, durchdigitalisierten Gegenwart.

Y-Otis-2, das großartig versponnene, zweite Studio-Album des schwedischen Wahlberliners Otis Sandsjö ist in diversen Vinyl-Auflagen, als CD und Download zu haben.

Erschienen beim finnischen We-Jazz-Label.

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