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Wurzelsuche: Gunda Borgeest sucht ihre Mutter | BR24

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Gunda Borgeest

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    Wurzelsuche: Gunda Borgeest sucht ihre Mutter

    Gunda wird als Baby adoptiert. Wer ihre leibliche Mutter ist, erfährt sie erst als Erwachsene. Sie macht sich auf die Suche nach der Frau, die sie zur Adoption freigegeben hat, will wissen, wo sie herkommt und endlich die eine Frage stellen: Warum?

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    Gunda war zehn Tage alt, als sie von ihren Adoptiv-Eltern aus dem Krankenhaus abgeholt wurde.

    "Meine Adoptiv-Mutter hat erzählt, dass sie mich im Bettchen gesehen hat und das Gefühl hatte: Ich bin die Richtige."

    In einer kleinen Siedlung in Oldenburg wächst Gunda auf. Um die Adoption machen die Eltern kein Geheimnis.

    "Als Kind habe ich mir vorgestellt, dass ich eine Prinzessin bin und dass ich sozusagen von irgendwo hergekommen, ausgesetzt worden bin. Als Kind habe ich mich durch diese Adoption als etwas Besonderes gefühlt."

    Mit 18 Jahren erfährt sie aus der Adoptionsakte den Namen ihrer leiblichen Mutter. Sie sucht nach ihrer Adresse, fährt hin, steht vor der Tür und traut sich dann doch nicht zu klingeln. Gunda hat Angst. Was, wenn ihre Mutter das alles gar nicht will? Wieder zu Hause angekommen schreibt sie ihrer Mutter einen Brief.

    "Ich bin dann die ersten Tage und Wochen immer mit Spannung zum Briefkasten gegangen und habe geguckt und es kam nichts. Das war schwer für mich."

    Leibliche Mutter leugnet Adoption

    Sie bekommt selbst zwei Kinder, Sohn und Tochter sind heute längst aus dem Haus. Die eigenen Kinder sind ein wichtiger Grund, warum Gunda Borgeest die Suche nach der leiblichen Mutter nie aufgibt. Sie will ihnen mehr über ihre Herkunft erzählen können. Ihr Mann wagt den Schritt, den sie sich selbst nicht traut.

    "Mein Mann hat dann irgendwann bei meiner leiblichen Mutter angerufen und gesagt: Meine Frau möchte Sie gerne kennen lernen. Dann hat meine leibliche Mutter gesagt: Es tut mir wahnsinnig leid, ich habe nie ein Kind zur Adoption frei gegeben, ich bin die Falsche!!"

    Gunda ist enttäuscht. Sie konzentriert sich auf ihr eigenes Leben, unterrichtet Dramaturgie an der Filmhochschule München. Ihr Talent, Dinge in eine schöne Ordnung zu bringen, führt sie schließlich in die Selbständigkeit. Sie gründet eine Serviceagentur fürs Aufräumen.

    "Das hat sicherlich mit meiner Biografie zu tun. Ich wollte ja immer die Dinge verstehen, sie in eine Struktur und Ordnung bringen."

    Auch in ihrer eigenen Geschichte sucht sie weiter nach Ordnung. Sie findet immer mehr Beweise, wer ihre leibliche Mutter ist. Alles spricht dafür, dass die Frau am Telefon nicht die Wahrheit gesagt hat.

    Neuer Anlauf führt zu Kennenlernen

    Ein zweiter Anruf bringt die Gewissheit: Die Frau ist tatsächlich ihre leibliche Mutter. Die beiden verabreden sich. Tausend Fantasien gehen Gunda durch den Kopf. Für sie fühlt sich das Treffen seltsam real und gleichzeitig irreal an.

    "Ich habe sie natürlich sehr viel gefragt. Was damals los war? Warum sie mich weggeben musste? Dann hat sie mir sehr viel aus dieser Zeit erzählt. Und das war erst einmal eine gute Begegnung."

    Weshalb sie damals weggegeben wird, und wer ihr leiblicher Vater ist, darauf schafft es die Mutter leider nicht ehrlich zu antworten.

    Nur ein Teil der Wahrheit kommt ans Licht

    Viele Details der Geschichten erweisen sich als falsch. Immerhin: Gunda erfährt, dass es noch eine Schwester gibt, die sie später auch kennenlernt.

    "Es ist viel besser, die Geschichte in Ansätzen zu kennen, als gar nicht zu kennen. Das ist ganz wichtig, diese Wurzeln zu suchen, und es ist ganz wichtig aber auch, ab einem bestimmten Punkt, davon wieder loszulassen."