BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Wunsiedel: Brunnenfest im kleinen Kreis | BR24

© BR

Tausende von Besuchern kommen normalerweise jedes Jahr nach Wunsiedel zum traditionellen Brunnenfest. Im Corona-Jahr fielen die Feierlichkeiten etwas kleiner aus. Doch bunt geschmückt waren die Brunnen trotz Krise.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wunsiedel: Brunnenfest im kleinen Kreis

Tausende von Besuchern kommen normalerweise jedes Jahr nach Wunsiedel zum traditionellen Brunnenfest. Im Corona-Jahr fielen die Feierlichkeiten etwas kleiner aus. Doch bunt geschmückt waren die Brunnen trotz Krise.

Per Mail sharen

Viele reich besteckte Blumentöpfe, schwimmende Herzen mit brennenden Kerzen darauf, Luftballons und Girlanden. Wie jedes Jahr haben die Wunsiedler ihre Brunnen prächtig geschmückt und verziert. In diesem Jahr waren es allerdings nur 27 und nicht wie sonst 36 Brunnen.

Legenden der versiegten Brunnen

Das sogenannte "Brunnenputzen" geht auf mehrere Legenden zurück. Eine von ihnen besagt, dass im 18. Jahrhundert alle Brunnen der Stadt plötzlich versiegt waren. Als sie am Vorabend von Johanni wieder zu sprudeln begannen, hat man zum Dank Kränze gebunden.

"Die Anlieger haben an den Brunnen ihr Wasser bekommen und das war sozusagen die Verpflichtung, dass man dort, wo man das Wasser geholt hat, den Brunnen auch zu schmücken hatte." Peter Seißer, Heimatforscher aus Wunsiedel

Auch als im 19. Jahrhundert die Wasserleitung eingeführt wurden, bestanden die Wunsiedler darauf, ihre Brunnen zu erhalten, auch um sie jährlich zu schmücken, weiß Heimatforscher Peter Seißer. Inzwischen kommen nicht nur traditionelle Wiesenblumen zum Einsatz. Mit verschiedenen Materialien und künstlerischen Arbeiten wollen die Brunnengemeinschaften und Vereine auf ihre besonderen Brunnen aufmerksam machen.

Corona-Virus als Brunnenschmuck

Den Brunnen am Luisenburg-Gymnasium haben die Schüler dekoriert - er kann als einziger Brunnen auch noch am Wochenende nach dem Brunnenfest besichtigt werden. Das Thema war heuer schnell gefunden: das Corona-Virus. Anders als sonst konnten die Schüler aufgrund der Einschränkungen nicht gemeinsam im Unterricht basteln. Dennoch kamen mehr als 100 kreative Arbeiten zusammen. Wegen der Einhaltung der Hygieneregeln durften nur wenige Schüler den Brunnen zusammen mit dem Kunstlehrer schmücken.

© BR

Schüler des Luisen-Gymnasiums verzierten ihren Brunnen mit gebastelten Viren.

"Am Gymnasiums-Brunnen scheiden sich die Geister. Die einen sagen, da gehören wieder Blumen hin und wir sagen: 35 Brunnen mit Blumen - da darfs ruhig auch mal ein anderer sein." German Schlaug, Kunstlehrer

Die Arbeiterwohlfahrt in Wunsiedel hat mit Unterstützung der "Aktion Mensch" ihren Brunnen in den Farben des Regenbogens geschmückt. Ein Symbol der Verbindung zwischen Himmel und Erde, sagt Martina Kerschbaum von der AWO Wunsiedel: "Licht, Wasser und Luft vereinigt sich - das heißt, wir sind eine Familie."

"Als Integrationsprojekt wollen wir ein Zeichen setzen: Wir denken an alle, wir integrieren alle, wir holen Leute aus der Gemeinschaftsunterkunft raus, wir machen Projekte zusammen, wir lassen uns nicht unterkriegen, wir halten durch und wir machen weiter." Martina Kerschbaum, AWO Wunsiedel

Vor Corona hat das Brunnenfest mehrere tausend Besucher jedes Jahr in die Stadt gelockt. 2016 erhielt es sogar eine Auszeichnung der Unesco und wurde zum immateriellen Kulturerbe. Festtagsstimmung mit Musik und Ausschank gab es heuer nicht. Aber die Einheimischen ließen es sich freilich nicht nehmen, die geschmückten Brunnen zu begutachten.