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Würzburger Songwriter lebt wegen Corona auf dem Campingplatz | BR24

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Hannes Wittmer wegen Corona auf Campingplatz

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Würzburger Songwriter lebt wegen Corona auf dem Campingplatz

Die Corona-Pandemie hat vor allem Künstler und Veranstalter schwer getroffen. An Konzertbetrieb ist gerade nicht zu denken. Das betrifft auch den Würzburger Songwriter Hannes Wittmer. Wegen Corona lebt er inzwischen auf einem Campingplatz am Main.

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Hannes Wittmer wollte mit seiner Lebensgefährtin Clara Jochum eigentlich für ein Jahr nach Kanada reisen, um an neuen Ideen zu arbeiten. Ihre Wohnung haben die beiden gekündigt. Die Reise war organisiert und dann kam der Lockdown.

Sie mussten umdisponieren, kamen vorübergehend in einer Ferienwohnung von Freunden unter. Seit drei Monaten leben sie inzwischen schon in einem Transporter auf einem Campingplatz am Main. Dort beträgt die Miete im Sommerhalbjahr 700 Euro.

Idyllische Wahlheimat direkt am Main

Der umgebaute Sprinter steht direkt am Main auf dem Campingplatz "Kalte Quelle" zwischen Würzburg und Randersacker. Auf engstem Raum sind Schlafplätze, Küche und Büro untergebracht. Sanitäre Anlagen nutzen Hannes und Clara mit den anderen Campern gemeinsam. Für Clara ist es längst mehr als eine Notlösung. Sie fühlt sich auf dem Campingplatz "sauwohl", hat eine Teilzeitstelle als Ärztin angenommen und fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Hannes und Clara haben die ungewollte Zwangspause auch genutzt, um gemeinsam mit Freunden vier Songs für eine digitale EP aufzunehmen. "Das Ende der Geschichte" haben sie Ende Juli veröffentlicht. Hannes spielt Gitarre, Clara spielt Cello. Beide singen.

Leben auf Spendenbasis

Vor zwei Jahren hat sich Hannes Wittmer zu einem radikalen Schritt entschieden. Sein letztes Album "Das große Spektakel“ stellte er zum kostenlosen Download ins Netz. Auch die vier neuen Songs gibt es nur zum kostenlosen Download auf seiner Webseite. Also nicht auf Spotify, nicht auf Amazon oder sonst irgendwo im Handel.

Auch auf seinen Konzerten gilt seit zwei Jahren: "Pay what you want. Zahl was Du willst." Hannes bestreitet seinen Lebensunterhalt also von den Spenden seiner Fans, um sich dem kommerziellen Hamsterrad zu entziehen. Und das funktioniert auch in Corona-Zeiten bestens: "Das Schöne ist, dass mit Beginn der Krise einige Leute unaufgefordert Geldbeträge überwiesen haben. Teilweise mehr als 100 Euro. Verbunden mit der Botschaft: Pass auf Dich auf! Bleib gesund! Um mir einfach zu helfen. Scheinbar haben sich die Leute gedacht, gerade jetzt bräuchte ich Unterstützung. Und das fand ich sehr rührend."

Wittmer produziert auch Podcasts

Vor allem weil durch die Corona-Pandemie Konzerte gerade nicht oder nur unter sehr speziellen Bedingungen möglich sind. Für jemanden, der vor allem von den Einnahmen durch seine Auftritte lebt, ist das eigentlich eine Katastrophe. Zeitgleich produziert Hannes Podcasts mit verschieden Gästen für seine Internetseite, zum Beispiel mit Marcus Wiebusch von der Band Kettcar oder Eva Milner von Hundreds. Es sind Gespräche mit anderen Musikern darüber, wie sie mit der Corona-Pandemie klar kommen oder was sie über Politik denken.

Am 6. September spielt Hannes Wittmer ein Konzert im E-Werk in Erlangen. Tickets für die Show gibt es nur an der Abendkasse, nicht im Vorverkauf. Und natürlich wird er auch die neuen Songs seiner aktuellen EP "Das Ende der Geschichte" spielen.

© Wolfram Hanke BR

Hannes Wittmer und Clara Jochum am Main

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