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Wortgewaltige Improvisation zum Thema Identität

Joshua Cohen, Jahrgang 1980, gehört zu den interessantesten amerikanischen Schriftstellern der jüngeren Generation. Nach einem Prosaband ist nun sein großes Roman-Debüt in deutscher Übersetzung erschienen: "Solo für Schneidermann". Von Niels Beintker

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Der Roman führt in die New Yorker Carnegie-Hall, genauer: auf die Bühne. Dort steht der Geigen-Virtuose Laster, er spielt mit einem Orchester das Violinkonzert seines Freundes Schneidermann. Anstatt die Kadenz aufzuführen, beginnt Laster zum Publikum zu sprechen. Ein Monolog von 500 Seiten beginnt, fast ohne Punkt und Komma.

Spiel mit der Form

Joshua Cohens Roman-Debüt - erschienen 2007 in den USA - ist ein kühnes literarisches Experiment, mehr noch: eine Provokation. Laster redet sich in Rage, er berichtet über Schneidermann, ebenso über die eigene Biographie, springt immerfort assoziativ von einem Thema zum nächsten. Joshua Cohen erzählt, er habe sich für dieses Buch von der Idee der Kadenz - der Solo-Improvisation in einem Konzert - inspirieren lassen.

"Ich könnte sagen: Vor der ersten Seite des Romans endete ein brillanter erster Satz. Und nach der letzten Seite beginnt ein brillanter zweiter Satz, Ich muss eigentlich nur die Improvisation in der Mitte schreiben. Das ist es.“ Joshua Cohen

Die Frage der Identität

Der Roman "Solo für Schneidermann" verhandelt die Frage der Identität am Beispiel der beiden Lebensläufe aus dem 20. Jahrhundert. Komponist und Interpret sind Überlebende der Shoah, der lange Monolog umkreist wortgewaltig ihre Geschichte und die Bewältigung ihrer Erinnerungen.

Joshua Cohen arbeitet auch als Literaturkritiker und Journalist. Mit Blick auf die bevorstehende Präsidentschaft von Donald Trump warnt der Schriftsteller vor Rassismus und Fremdenhass.

Joshua Cohen. Solo für Schneidermann. Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach. Schöffling. 531 S. 26,00 Euro.