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Surrealist Wolfgang Lettl bekommt eigenes Museum in Augsburg | BR24

© Bayern2

Er war zeitlebens Surrealist: der 2008 verstorbene Augsburger Maler Wolfgang Lettl. Jetzt eröffnet seine Heimatstadt in der Zeuggasse ein eigenes Lettl-Museum, die eine Sammlung von rund 500 Gemälden zeigen wird.

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Surrealist Wolfgang Lettl bekommt eigenes Museum in Augsburg

Der 2008 verstorbene Augsburger Maler Wolfgang Lettl war zeitlebens Surrealist. Jetzt eröffnet seine Heimatstadt in der Zeuggasse ein eigenes Lettl-Museum, das eine Sammlung von rund 500 Gemälden zeigen wird.

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Nur ein paar Schritte vom Königsplatz entfernt, in der Zeuggase 7, ist das Lettl-Museum für surreale Kunst. Große schemenhafte Figuren weisen den Weg. Hier war mal ein Einrichtungshaus, in den letzten Wochen wurde umgebaut. Ein Selbstporträt des Künstlers mit Anzug und Fliege, angelehnt an einen Stuhl mit Busen und kullernden Erbsen im linken Bildrand, empfängt die Besucher.

"So war er überhaupt nicht mit Anzug und Fliege, aber ein Surrealist nimmt einen gerne auf den Arm, und das ist ein richtig schönes ironisches Bild von ihm", sagt Florian Lettl, der Sohn des 2008 verstorbenen Künstlers. Er ist glücklich dieses Selbstporträt zeigen zu können. 1974 wurde es bei der großen Kunstaustellung im Haus der Kunst in München verkauft, war dann in Brasilien, ging nach Italien. Er konnte es jetzt aus Schweden wieder zurückkaufen. Sein Ziel ist es die Sammlung wieder aufzustocken: "Also es sind manche Menschen schon böse, dass ich ihnen manche Bilder nicht verkauft habe. Aber mir ist es wichtiger diese Bilder der Allgemeinheit, der Öffentlichkeit zu zeigen, als das sie in einem Wohnzimmer verschwinden."

Träume und Ängste in phantastischen Bilderwelten

Auf gut 600 qm kann man eintauchen in die wundersamen phantastischen Bildwelten. Da sitzen Ruderer in einem Boot, doch sie schippern nicht etwa übers Wasser, sondern rudern in den Baumwipfeln einer Allee. Werke aus allen Schaffensphasen werden präsentiert. Auch ganz frühe, aus dem vom Krieg zerstörten Augsburg. Doch schon bald hatte Lettl den Surrealismus für sich entdeckt, bot der ihm doch die Möglichkeit, seine Träume und Ängste, Absurditäten und Tiefsinn in seine Bilder zu packen. Doch es gibt auch impressionistisch angehauchte Bilder von ihm. Die hängen frei von der Decke, sind beidseitig zu betrachten. Es sind Landschaftsbilder aus Apulien, seiner zweiten Heimat, wo die Familie viele Sommer im eigenen Ferienhaus verbrachte. Man spürt die Sonne Italiens auf den leuchtenden Wiesen voller roter Mohnblumen.

"Dieses Bild hier drüben: 'Santa Lucia'", sagt Florian Lettl, "da war ich dabei, habe ihn auch fotografiert wie er gemalt hat. Am Anfang, als er gemalt hat, war der Himmel noch blau, es stiegen dann die Wolken auf. Als die Wolken in einer bestimmten, guten Position waren, hat er die Wolken festgehalten und nach zwei Stunden ist dann so ein Bild schnell fertig gewesen. Und das ist einfach die pure Freude am Malen."

© Lettl-Museum

Blick ins Lettl-Museum

Florian Lettl hat mit seiner Familie alle Bilder eigenhändig aufgehängt. Viele Ehrenamtliche, Sponsoren und ein Verein haben dazu beigetragen, dass dieses Museum jetzt an dem Tag, an dem Wolfgang Lettl 100 Jahre alt geworden wäre, eröffnet werden kann, sagt Florian Lettl: "Wir haben 110 Mitglieder. Das sind alle unglaubliche Fans von Wolfgang Lettl und die haben gesagt, dieser Schatz darf nicht in einem Lager verstauben, sondern der muss gezeigt werden und da arbeiten wir seit 30 Jahren dran." Jetzt ist der Traum in Erfüllung gegangen. Viel Engagement ist von allen Mitstreitern gefordert. So wird auch der Sohn als Aufsicht fungieren.

Drei Sonderausstellungen zum Thema Wasser

Die Kosten müssen niedrig gehalten werden, damit man auch den Bürgern Augsburgs was bieten kann. Im Dezember ist der Eintritt frei. Ab Januar kostet es drei Euro. Geplant sind auch Wechselausstellungen, sagt Florian Lettl: "Ich habe auch schon eine erste im Kopf, weil Augsburg ist ja auch Unesco Wasserstadt geworden, und so habe ich drei Ausstellungen geplant zum Thema Wasser. Angefangen mit Regen, drum hängen Bilder wo Regen drin vorkommt hier nicht, die habe ich ganz bewusst rausgehalten, dass ich sie für die erste Sonderausstellung zur Verfügung habe."

Und die ist im Frühjahr geplant. Bis dahin kann man eintauchen in die farbige, wundersame Welt des Wolfgang Lettl. Die erstaunt, die Fragen aufwirft und manchmal den Betrachter schmunzeln lässt.

Das Lettl-Museum (Zeuggase 7, Augsburg) ist ab dem 19.12.2019 geöffnet.

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