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Ein längliches Wohnhaus entwarfen unter dem Motto „Gestapelte Lauben“ Duplex Architekten Zürich: viel Schatten durch Laubengänge und Terrassen
© Duplex Architekten AG, Zürich (CH)
© Duplex Architekten AG, Zürich (CH)

Ein längliches Wohnhaus entwarfen unter dem Motto „Gestapelte Lauben“ Duplex Architekten Zürich: viel Schatten durch Laubengänge und Terrassen

Gemeinschaftsterrassen auf den Dächern, individuell zu begrünende Laubengänge, Gemeinschaftsgärten mit Obstbäumen, zum Feiern, zum Spielen für die Kinder – die Siegerentwürfe für kostengünstiges Bauen sind ein Musterbeispiel für Lebensqualität. Was die Architekten aus Zürich, Wien, Paris oder Amsterdam entworfen haben, ist so attraktiv, dass man sich die Augen reibt.

Sämtliche Wohnungstypen sind vertreten. Singles, Studenten, Alters-WGs, Familien – alle kommen auf ihre Kosten. Und können sich eben auch zurückziehen, wenn sie wollen. Soziale Bedürfnisse finden Antwort, der Zwang, Baukosten zu sparen, erzeugt keine Ärmlichkeit, sondern ästhetisch erfreuliche Konzepte. „Zum Beispiel hat das Büro Duplex aus Zürich und Hamburg vorgeschlagen, den gedämmten Bereich klein zu halten und die gesamte Erschließung mit Balkonen vor das Haus zu stellen. Eine Art Laubengang-Balkon-Terrasse, die auch noch großzügig bepflanzt werden kann, um eine Art natürlichen Sonnenschutz herzustellen“, sagt Peter Cachola-Schmal, Direktor des Frankfurter Architekturmuseums.

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Das Doppelhaus "Max und Moritz“ nach Wiener Vorbild zeichnet sich durch effiziente Erschließung aus

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Markantes Terrassenhaus von NL Architects, bei dem die Laubengänge jeweils vom nächsten Geschoss versetzt überdacht sind

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Begrünte Balkons sorgen für vegetativen Sonnenschutz: Innenansicht des Wohnriegels von Duplex Architekten

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AUSBAUHAUS NEUKÖLLN, Viel Raum zum Wohnen für unterschiedliche Lebensentwürfe, Berlin (DE)

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Der Gebäuderiegel von Anne Lacaton & Vassal Architects, Paris ist umhüllt von tiefen Wintergärten

Der Gebäuderiegel von Anne Lacaton & Vassal Architects, Paris ist umhüllt von tiefen Wintergärten

Die Sieger-Entwürfe kommen aus dem Ausland

Bezeichnend allerdings ist, dass alle Siegerentwürfe des Wettbewerbs aus dem Ausland stammen, im Fall des Frankfurter Architekturbüros Schneider+Schumacher aus der Wiener Filiale. Ihr Zwillingsgebäude, "Max und Moritz" genannt, reduziert mit nur zwei verbundenen Treppenhäusern und lediglich einem Aufzug konsequent die Erschließungsflächen, um auf diese Weise mehr Wohnraum zu gewinnen. Architekt Michael Schumacher erklärt: "Wenn Sie die Bauvorschriften durchgehen, die haben jede einzelne ihren Sinn. Das Dumme ist, alle zusammen angewendet führen eben zu einem Haus, das 14,15,16 Euro Miete kostet. Und das ist nicht vernünftig. Ich glaube, das Ausland ist da flexibler, in dem einen oder anderen Sektor kann man die eine oder andere Regulierung runterfahren."

Natürlich lassen sich die strengen deutschen Bauvorschriften nicht komplett aushebeln, denn sie sind gesetzlich verankert. Aber nicht jede DIN-Norm muss befolgt, nicht jede Installationsmaßnahme durchgeführt werden. Da ist durchaus Spielraum für erfindungsreiche Architekten.

So plädieren die Architekten Lacaton-Vassal aus Paris für eine kostengünstige Variante der Wärmedämmung, die außerdem noch großartig aussieht. "Lacaton-Vassale aus Paris schlägt vor, die Gebäude mit einer Glashülle aus Wintergärten zu ummanteln, die mit Einfachverglasung nicht wirklich echte Räume darstellen, sondern nur in den Übergangszeiten und im Winter als Wintergarten klassisch dienen und im Sommer vollständig geöffnet sind", erklärt Museumsdirektor Peter Cachola-Schmal. "Und es wäre das erste Mal, dass diese neuen Mies-van-der-Rohe Preisträger 2019 in Deutschland etwas bauen, was wirklich fantastisch wäre".

Wie bezahlbares Wohnen entstehen kann

Nun wissen wir alle, dass es vor allem die Grundstückspreise in den Großstädten sind, die für astronomische Baukosten sorgen. Doch auch in diesem Punkt sind die Frankfurter Vorschläge realistisch. Es geht um eine 17 Hektar große Stadtrand-Lage im Frankfurter Norden. Sie wurde von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ganz regulär in Erbpacht erworben. Allerdings hat Frankfurt eben dieses Privileg, eine Wohnungsbaugesellschaft zu besitzen, die gut funktioniert und – liefert. Und so etwas, daran lässt Museumsdirektor Peter Cachola-Schmal keinen Zweifel, ist unabdingbare Voraussetzung, damit bezahlbares Wohnen tatsächlich entstehen kann. Er sagt: „Die Städte sind gefordert, Kompetenzen einzukaufen und wieder neue Wohnungsbaugesellschaften zu schaffen mit neu eingestellten Architekten und Ingenieuren, um diese Kompetenz des Bauens wieder in die Städte zu kriegen. Und nicht dem freien Markt zu überlassen“.

Also keine populistischen Enteignungsfantasien wie in Berlin, die mit Sicherheit die Hauptstadt ruinieren würden. Sondern: städtische Wohnungsbaugesellschaften, innovative Architekten, konsenswillige Partner. Frankfurt macht's vor.

Die Ausstellung "Wohnen für alle". Das neue Frankfurt 2019 läuft bis 23. Juni 2019 im DAM Deutschen Architekturmuseum Frankfurt.

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Autoren

Rudolf Schmitz

Sendung

kulturWelt vom 15.04.2019 - 08:30 Uhr