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Suizid-Prävention: Kann ein Suizid verhindert werden? | BR24

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Prof. Arno Drinkmann, Mitglied des "Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland"

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    Suizid-Prävention: Kann ein Suizid verhindert werden?

    Wie kann man einem Menschen helfen, der keinen Sinn mehr im Leben sieht? Der Psychologie-Professor Arno Drinkmann ist davon überzeugt, dass die Gesellschaft helfen kann, Suizide zu verhindern. Ein wichtiger Schritt wäre, mehr darüber zu sprechen.

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    "Lasst uns das Thema Suizid aus der fatalen Ecke der Tabuisierung herausholen. Sprechen wir darüber." Mit diesen Worten hat Arno Drinkmann, Professor für Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt die Ausstellung zum Thema Suizid anlässlich der "Woche für das Leben" im Bistum Eichstätt eröffnet. Als Mitglied des "Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland" liegt ihm die Verhinderung von Suiziden am Herzen. Seiner Ansicht nach gibt es einfache Regeln, auch für Laien, nämlich: reden.

    Wenn man etwas merkt, wäre es ratsam, denjenigen direkt anzusprechen, wie etwa: 'Hast du schon mit dem Gedanken gespielt, dir das Leben zu nehmen?' Viele Menschen haben die Befürchtung, dass so eine Frage negative Konsequenzen haben könnte, und man denjenigen, der mit diesen Gedanken spielt, in seinen Phantasien bestärkt. Das ist aber ein Mythos, der widerlegt ist. Im Gegenteil: die meisten Menschen, die Suizid-Gedanken haben, sind froh darüber, angesprochen zu werden.

    Wichtig ist auch: seinen Gegenüber ernst zu nehmen und ihn nicht vorschnell zu einer professionellen Stelle "wegzuschicken". Es geht zunächst darum, auf der persönlichen Ebene ehrliches Mitgefühl zu zeigen und auch Hoffnung. Bevor man zu dem Punkt kommt: es gibt Stellen, die gut Hilfe leisten können.

    Primärer Risikofaktor: psychische Störungen

    Bei etwa 60 Prozent der Suizidverstorbenen sind im Vorfeld psychische Erkrankungen bekannt. Eine Depression ist in ihren Auswirkungen mit organischen Krankheiten vergleichbar und kann mit dem Tod enden.

    Psychische Störungen, insbesondere Depressionen, werden oft als Makel gesehen. Man hat keine ganz neutrale Haltung wie gegenüber körperlichen Erkrankungen. Und das ist falsch. Da muss sich gesellschaftlich etwas tun, das muss aus der Tabuzone geholt werden. Da muss man eigentlich genauso darüber sprechen können wie über Diabetes oder andere körperliche Erkrankungen. Erst dann wird es den Betreffenden leichter fallen, sein Problem gegenüber Freunden und Kollegen zu thematisieren.

    Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Das können Freunde oder Verwandte sein, müssen es aber nicht. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800 1110111 und 0800 1110222. Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

    Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

    Mehr zum Thema "Tabu Suizid - Wenn das Leben unerträglich wird" in STATIONEN am Mittwoch, 8. Mai 2019 im BR Fernsehen und im Anschluss in der BR Mediathek.