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Hier lässt sich trotz geschlossener Museen Kunst genießen | BR24

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Museen zu, Stadtraum geöffnet: Kunst genießen im öffentlichen Raum

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Hier lässt sich trotz geschlossener Museen Kunst genießen

Keinen Bock mehr auf Kunstfasten? Muss auch nicht sein. Kunst im öffentlichen Raum kann man auch bei geschlossenen Museen genießen. Von Eduardo Chillida über Ólafur Elíasson bis zu Alicja Kwade: Ein Spaziergang durch München offenbart große Kunst.

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Drei Skulpturen, jeweils 8 Meter hoch, aus rotbraunem, rostigen Corteen-Stahl. Das Ensemble von Eduardo Chillida steht an der Barer Straße und markiert das Zentrum zwischen Alter, Neuer und Pinakothek der Moderne. Auf quadratischem Grundriss bewegt sich der Stahl an drei Seiten wellenförmig nach oben und öffnet sich zum Himmel. Die vierte Seite ist offen und kann betreten werden. "Raum ist nicht einfach vorhanden, sondern Raum wird gemacht", sagt Corinna Thierolf, Referentin an der Pinakothek der Moderne. "Jede Skulptur – jedes Kunstwerk, aber vor allem jede Skulptur – setzt sich mit Raum auseinander und der Raum nimmt Beziehung auf zum Außenraum."

„Buscando la luz“ heißt die Skulptur – „Das Licht suchend“. Im Innenraum eines Museums kann man sich das Werk kaum vorstellen, dort würde es ja nur der Zimmerdecke entgegenwachsen. Im Freien aber wachsen die drei Figuren trichterartig dem Himmel entgegen, entfalten sich im Licht.

© Julie Metzdorf

Eduardo Chillida "Buscando la luz"

Chillidas „Buscando la luz“ ist ein Kunstwerk, das für den Außenraum geschaffen ist und nur dort Sinn macht. Gleiches gilt für den „Walking Man“ von Jonathan Borofsky an der Leopoldstraße: eine weiße, stark vereinfachte Figur eines Menschen, 19 Meter hoch, 16 Tonnen schwer, ein schlanker Riese, dynamisch ausschreitend, denn auch die Passanten schreiten ja gerade, gehen, fahren, sind in Bewegung.

Dank "Mae West" hat der Effnerplatz ein Gesicht

Durch die Bezüge zum Ort sind Kunstwerke im öffentlichen Raum auch für Laien oft gut lesbar. Was natürlich nicht heißt, dass sie immer allen gefallen. Der „Walking Man“ hatte 1995 zu viel Spott geführt, genau wie 2011 die „Mae West“ am Effnerplatz. Die 52 Meter hohe Carbon-Konstruktion der amerikanische Künstlerin Rita McBride ist nach der für ihre Wespentaille bekannten Schauspielerin Mae West benannt. Der Volksmund spricht allerdings auch von Eierbecher, Schirmständer oder Mikado-Stäben. Die "Mae West" zeigt was Kunst im öffentlichen Raum kann: sie hat dem von Autos umtosten Platz ein Gesicht gegeben, ist ein von weitem erkennbarer Fixpunkt fürs Auge und Eingangstor in den Osten der Stadt.

© Landeshauptstadt München, Baureferat, QUIVID

Aufbau der Skulptur "Mae West" von Rita McBride am Effnerplatz

Dass das größte Münchner Kunstwerk von einer Frau stammt, ist ein schönes Zeichen. Blickt man zurück könnte man meinen, es hätte im 20. Jahrhundert keine BildhauerINNEN gegeben. Der Berliner Bär an der A9 von Renée Sintesis gehört zu den wenigen Ausnahmen. In den letzten Jahren haben die Frauen aufgeholt, auch hier sind die großen Namen vertreten: Isa Genzken mit einem großen X aus Beton am Ende der Arnulfstraße oder Jenny Holzers Denkmal für Oskar Maria Graf vor dem Literaturhaus.

© Julie Metzdorf

Bronzeplastik "Bavaria" von Alicja Kwade

Ganz neu ist Alicja Kwades „Bavaria“, die bis Ende des Jahres an der Corneliusbrücke Ecke Erhardtstraße zu sehen ist. Kwade hat die Bavaria von der Theresienwiese an die Isar geholt und sie dabei entglorifiziert. Ihre „Bavaria“ thront nicht mehr über den Köpfen der Untertanen: Ohne Sockel, dank menschlicher Maße humanisiert und ganz ohne Attribute des Sieges und der Macht wie Löwe und Schwert steht die Bavaria hier nicht mehr für irgendeinen Staat oder Regenten. Alicja Kwade zeigt vielmehr: Bavaria – das sind wir alle.

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