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Wire überraschen auf "Mind Hive" mit Popsongs | BR24

© Matias Corral

Bleiben dem ständigen Wandel treu: Wire in New York

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    Wire überraschen auf "Mind Hive" mit Popsongs

    Wire haben 1976 den Punk miterfunden und wenig später hinter sich gelassen. Mit "Mind Hive" legt die britische Band einmal mehr ein Album vor, das überrascht und doch erkennbar ein Wire-Album ist – mittlerweile auch mit einigen Popsongs.

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    Wire konnten immer schon laut sein. Sie selbst sahen sich zwar nicht als Teil der Punkszene, aber die Punks mochten sie, weil sie – wie die Punks – anders als die anderen waren, nur: Wire waren eigen. Und sind es geblieben. Die aktuelle Besetzung, mit immerhin drei der Original-Mitglieder, Colin Newman, Graham Lewis und Robert Grey, wird heute meist unter Postpunk verortet. Als wären sie zwar damals ihrer Zeit voraus gewesen, dafür aber jetzt etwas hinterher. Was so nicht stimmt.

    Weder Punk noch Postpunk

    Wire waren nie nur Punk, noch sind sie heute ausschließlich Postpunk. Sie erinnern nicht an andere Bands und Szenen, selbst, wenn sie wie nun auf "Mind Hive" poppigere oder rockigere Töne anschlagen oder fast melancholische Balladen mit ätherischen Anklängen schreiben. Dass das neue Album eine eher ruhige Platte ist, mag die alten Fans etwas irritieren, noch mehr vielleicht als die Tatsache, dass es darauf auch ein Stück gibt, dass als Single mit kommerziellem Potential durchgeht.

    Wire überraschen nach all den Jahren auch mit diesem Album wieder. Das machen sie seit 43 Jahren, seit 1977 ihr erstes Album "Pink Flag" erschien. Schon das zweite, "Chairs Missing" von 1978, klang ganz anders als das vorige, ebenso ihr drittes von 1979. Dabei sind alle drei Alben herausragend. Es folgten mehrere Pausen, viele Solo-Aktivitäten, eine Weile gab es Wire nur zu dritt, als "WIR" ohne "E". Drei Leute, drei Buchstaben. Bis sie wieder zu viert weitermachten mit dem neuen Gitarristen Matthew Simms, der bis heute dabei ist. Nie greifbar, immer wieder anders, immer überzeugend, live übrigens bis heute. Wer hätte das gedacht von dieser Band, die ihr erstes Album im Zustand größter Trunken- und absoluter Ahnungslosigkeit aufgenommen hat, wie sie einmal erzählt haben.

    Trotzdem unverkennbar Wire

    Geblieben ist der unverkennbare Gesang von Colin Newman, leicht verknautscht und very british. Und es ist klar erkennbar, wenn Bassist Graham Lewis als Songwriter und Sänger auftritt, etwa auf dem Stück "Oklahoma". Beide, Newman und Lewis, haben ihre eigenen Musikerkarrieren verfolgt; viele Jahre war es still gewesen um Wire. Doch als sie weitergemacht haben, war es, als wären sie nie weg gewesen. Mit ihrem Sound passen sie immer noch ins Heute. Was auch daran liegt, dass Wire niemals nur Haudrauf-Rhythmen spielten, sondern immer auch gute, intelligente Songs schrieben. Inzwischen können sie sogar Popsongs. "Mind Hive" heißt das neue Album, der Kopf als Bienenstock – in dem es nur so wimmelt vor Ideen.

    © Pink Flag

    Albumcover von "Mind Hive" von Wire

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