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Peter Handke in Salzburg

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    Wirbel um Staatsbürgerschaft: Peter Handke bleibt Österreicher

    Weil Serbien dem Literaturnobelpreisträger 1999 einen Pass ausgestellt hatte, prüfte das Bundesland Kärnten, ob Handke rein rechtlich noch Österreicher ist. Jetzt ist klar: Der Autor hat nie einen Antrag auf serbische Dokumente gestellt.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Er gilt als ausgewiesener Freund Serbiens, hielt eine Grabrede auf Slobodan Milošević und hatte damit schon viel Ärger, doch anders als es der eine oder andere vermutet haben mag, wollte Peter Handke niemals die serbische Staatsbürgerschaft. Gleichwohl wurde ihm vor gut zwanzig Jahren, im Juni 1999, ein serbisches Reisedokument überreicht, das Interessierte sogar auf den Seiten der Österreichischen Nationalbibliothek ansehen können. Damals, in der aufgeheizten Stimmung des Kosovo-Krieges, sagte Handke dem serbischen Staatsfernsehen: "Ich wäre gern in Serbien, wenn die Bomben auf Serbien fallen. Das ist mein Ort. Wenn die Kriminellen der Nato bombardieren, komme ich nach Serbien." Zwischen März und Juni 1999 flog die NATO Luftangriffe auf das Land, um nach eigener Darstellung eine "humanitäre Katastrophe" im Kosovo zu verhindern.

    Der fragliche jugoslawische Pass war längst abgelaufen, als der ehemalige Pressechef der Salzburger Festspiele und langjährige Freund von Handke, Hans Widrich, ihn als "Souvenir" mit nach Wien nahm und dem dortigen Handke-Archiv zur Verfügung stellte. Nach Angaben von Widrich hatte der Schriftsteller die Annahme des Dokuments damit begründet, dass er für Hotels in Serbien "immer mehr hatte zahlen müssen als sein serbischer Begleiter", wie die österreichische Presse im November 2019 berichtete ("Laut Pass war Handke Jugoslawe"). Obwohl Handke selbst umgehend bestritt, jemals die jugoslawische Staatsbürgerschaft besessen zu haben, hatte das Ganze ein jahrelanges Nachspiel.

    Handke lebte nie "mehrere Jahre" in Serbien

    Jedenfalls sah sich der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) alarmiert und ordnete an, die zuständige Landesamtsdirektion möge den "Sachverhalt umgehend überprüfen". Grund dafür: Sobald ein Österreicher eine andere Nationalität beantragt, verliert er seine angestammte Staatsbürgerschaft. Aus dem Büro von Kaiser hieß es dazu laut ORF: "Gemäß § 27 des Staatsbürgerschafts-Gesetzes tritt der Verlust der österreichischen Staatsbürgerschaft nur dann ein, wenn ein Antrag von Peter Handke auf die serbische Staatsbürgerschaft gestellt worden wäre. Solch einen Antrag hat Peter Handke stets bestritten und es konnten keine Hinweise ermittelt werden, dass er die serbische Staatsbürgerschaft aufgrund eines Antrages erhalten hat." Überdies sei nach serbischem Recht eine Staatsbürgerschaft erst nach mehrjährigem dortigen Aufenthalt möglich, Handke lebe jedoch in Chaville bei Paris.

    Auf Nachfrage des ORF sagte der Landeshauptmann nun: "Peter Handke war, ist und bleibt Kärntner und österreichischer Staatsbürger. Ich bin froh, dass diese Diskussion nun endlich vom Tisch ist und in Zukunft nur noch das großartige literarische Wirken unseres Literaturnobelpreisträgers diskutiert wird und für positive Schlagzeilen sorgt."

    Nationen haben "keinen Wert" für ihn

    So ganz zufrieden kann Handke mit der Presse wohl weiterhin nicht sein. Sein neuestes Buch, "Mein Tag im anderen Land" (Bibliothek Suhrkamp), wurde von der "Süddeutschen" kürzlich zwiespältig aufgenommen: Es war in der Rezension nicht nur abermals zu lesen, dass der Schriftsteller den Literaturnobelpreis 2019 dazu genutzt hatte, für Serbien Stellung zu nehmen und Journalisten zu beschimpfen, sondern auch davon, dass er es "leider bitter ernst" meine mit seiner Außenseiterrolle: "Damit seine Rolle als Outcast irgendeinen Sinn ergibt, braucht er aber eben auch die unter uns dringend, die ihn für seine Künstlerpose auslachen und für seine Eitelkeit verachten."

    Anfang April hatte Handke der österreichischen "News" in einem langen Interview versichert, er gehe "seinen Trampelpfad", Nationen hätten "keinen Wert" für ihn, weil er deren "Dummheit" kenne und im Übrigen lese er "keine Zeile" vom "österreichischen Routinefeuilletonzeug": "Manchmal, wenn ich geredet habe, bin ich nicht gerade außer mich geraten, aber an die Grenze des Außer-mich-Geratens. Aber beim Schreiben kein Mal! Das Schreiben ist meine Instanz. Vielleicht ist das altmodisch, vielleicht gehört Sprechen und Schreiben zusammen. Aber für mich nicht. Schreiben ist mein geliebter Ausnahmezustand. Auch mein abenteuerlicher. Das Schreiben, nicht das Reden."

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