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Wir sind Nürnberg: Menschen machen Stadtgeschichte | BR24

© Stadtarchiv Nürnberg

Historische Aufnahme von Nürnberg

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  • Artikel mit Bildergalerie

Wir sind Nürnberg: Menschen machen Stadtgeschichte

Fotoalben, Postkarten, Tagebücher – darin halten viele ihre Erinnerungen fest. Auf dem Dachboden oder im Keller lagern die Schätze aus der Vergangenheit. Bis jetzt: Denn das Stadtarchiv Nürnberg sucht nun genau diese alten Gegenstände.

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Normalerweise lagert das Stadtarchiv Nürnberg ausschließlich stadtgeschichtlich wichtige Unterlagen vom 11. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Seit 2018 füllt sich im Magazinlager allerdings ein ganz neues Regal. Bei dem Projekt "Menschen machen Stadtgeschichte", das im Zuge der Kulturhauptstadtbewerbung N2025 läuft, können Nürnbergerinnen und Nürnberger ihre persönlichen Erinnerungen im Stadtarchiv abgeben. Einzige Bedingung: Die Gegenstände müssen einen Bezug zur Stadt haben.

Das Burgfräulein von Nürnberg

Auch Christa Fuchs wird damit zu einer Zeitzeugin Nürnberger Stadtgeschichte. Sie wuchs als Tochter eines Zimmermanns an einem ganz besonderen Ort auf: der Kaiserburg. 20 Jahre lang lebte sie über den Dächern der Stadt. Ihr Vater kam als Kriegsflüchtling nach Nürnberg und wurde 1946 bei der staatlichen Burgverwaltung angestellt. Von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern wurde Christa Fuchs liebevoll Burgfräulein genannt. Einmal im Monat muss sie auf die Kaiserburg.

"Ohne Burg geht es für mich nicht. Für mich ist das ein ganz tolles Gefühl, für mich ist das Kindheit. Ich muss sagen, es prägt immer noch und die Erinnerungen kommen immer wieder hoch. Mein Elternhaus, wie ich hier mit meinen Geschwistern gespielt habe, das war eine schöne Zeit." Christina Fuchs, Zeitzeugin

Für Christa Fuchs und ihre Geschwister gab es hier jede Menge Platz für Abenteuer. "Wir waren drei Kinder. Ich war die Jüngste, der Älteste war zwei Jahre älter und das Mädchen war ein Jahr älter. Wir drei haben die Burg unsicher gemacht", erinnert sie sich.

Geschichte durch Geschichte erzählen

Vom selbstgeschmiedeten Stifte-Etui eines Kriegsgefangenen, einem Quellebonbon als Symbol Nürnberger Industriegeschichte bis hin zum Puppenhaus. Die eingereichten Exponate sind vielfältig. Die beiden Kuratorinnen Antonia Landois und Janina Rummel wollen mit dem Projekt die kulturelle Vielfalt und Diversität der Stadtbevölkerung widerspiegeln. "Wir wollen Geschichte durch Geschichten erzählen", erklärt Antonia Landois, die beim Stadtarchiv die Abteilung für Nichtamtliches Archivgut leitet und sich normalerweise mit Nachlässen beschäftigt.

"Es ist ganz oft so, dass man etwas vor sich hat, wo man denkt, das hat jemanden was bedeutet. Dann ist uns der Gedanke gekommen, die noch Lebenden zu fragen, was sie für den Zeitraum 1945 bis heute mit der Stadtgeschichte verbinden." Antonia Landois, Kuratorin
© Stadtarchiv Nürnberg

Bild vom Wiederaufbau der Nürnberger Burg

© Stadtarchiv Nürnberg

Bild vom Urlaub in Nizza

© Stadtarchiv Nürnberg

Bild vom Blick auf Nürnberg

© Stadtarchiv Nürnberg

Bild von zwei Männern auf einer Nürnberger Brücke

© Stadtarchiv Nürnberg

Bild vom Nürnberger Hauptmarkt

© Stadtarchiv Nürnberg

Bild eines "Quelle"-Bonbons

Amateurfilme dringend gesucht

Nicht nur Gegenstände und Unterlagen werden gesucht, sondern auch Amateurfilme. Die seien besonders wertvoll, so Janina Rummel. "Bewegtbildaufnahmen halten das Stadtbild zu einem gewissen Zeitpunkt fest, aber nicht aus diesem klassischen öffentlichen Blickwinkel, sondern aus dem individuellen Blickwinkel und das ist unfassbar faszinierend."

So wie die Amateurfilme von Johannes Julius. Er war Postbote in Nürnberg und zog in seiner Freizeit mit der Film- und Fotokamera durch die Stadt. Seine Aufnahmen zeigen Alltagsszenen aus den 1940er- und 1950er-Jahren und wurden vom Stadtarchiv digitalisiert.

Stadtgeschichte online entdecken

In einer neuen virtuellen Ausstellung zeigt das Stadtarchiv eine Auswahl der Beiträge, die das Projekt "Menschen machen Stadtgeschichte" erreicht haben. Durch Interviewausschnitte, Fotos und Videos bekommen Besucherinnen und Besucher Informationen zu den einzelnen Geschichten. Die Ausstellung ist sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch verfügbar, um dem internationalen Charakter der Kulturhauptstadtbewerbung N2025 zu entsprechen.

Selbst etwas im Keller gefunden?

Wer selbst auch noch persönliche Gegenstände beim Stadtarchiv abgeben oder seine Geschichte teilen möchte. Hier gibt es nähere Informationen zur Teilnahme.