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"Wir beten für Deutschland": Christen auf Corona-Demos | BR24

© picture alliance/Geisler-Fotopress

Corona-Demo in Berlin - auch Christen sind dabei.

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    "Wir beten für Deutschland": Christen auf Corona-Demos

    Merkel- und Impf-Gegner, Rechtsextreme sowie Verschwörungsanhänger: Die Corona-Demos werden von Menschen verschiedenster Couleur besucht. Auch Christen mischen sich unter die Demonstranten, obwohl beide große Kirchen die Proteste kritisch sehen.

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    Donnernder Applaus ertönt, als Pastor Christian Stockmann Ende August auf die Bühne der Querdenken-Demo in Berlin tritt. Er hätte seinen "Augen und Ohren nicht trauen" können, ereifert sich der Theologe, dass die Kirchen zur Corona-Politik "komplett geschwiegen" hätten. Umso entschiedener erhebt Pastor Christian Stockmann das Wort gegen die Corona-Auflagen.

    Corona: Pastor zieht Parallelen zum Dritten Reich

    Zusammen mit anderen hat er das Netzwerk "Christen im Widerstand" gegründet. Er will sich damit in eine Linie mit Dietrich Bonhoeffer und anderen Kirchenvertretern stellen, die im Dritten Reich gegen das Nazi-Regime Widerstand geleistet haben. So erklärt er die Wahl des Namens "Christen im Widerstand" auf seinem Youtube-Kanal.

    Nur, dass sich Stockmanns Widerstand nicht gegen ein Gewaltregime wie die Nazis richtet, sondern gegen die Infektionsschutzmaßnahmen der Bundesregierung. Auf der Corona-Demo singt er daher auf der Bühne: "Wir beten für Deutschland, mein geliebtes Deutschland! Wo seid ihr, ihr Söhne und Töchter? Steht endlich auf, oder wollt ihr für immer mit Masken auf Abstand leben?"

    Am Ende des selbst geschriebenen Liedes ergänzt Stockmann enthusiastisch: "Ich habe wirklich den Eindruck, dass wir hier mit dieser Bewegung das Mandat haben, der ganzen Welt Freiheit zu bringen."

    Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden geht auf Distanz

    Der Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden sieht das offenbar anders. Dem bundesweiten Zusammenschluss von charismatischen, teilweise stark bibeltreuen Freikirchen gehörte auch Stockmann an – bis März 2020, als die ersten Corona-Auflagen in Kraft traten.

    Schon sehr früh habe Stockmann in Predigten, die er auch im Internet veröffentlichte, den vermeintlich falschen Kurs der Bundesregierung kritisiert und zum Widerstand dagegen aufgerufen, sagt Frank Uphoff, stellvertretender Präses des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden. "Wir haben dann mit ihm darüber geredet und ihm gesagt, dass wir als Bund die Regierung unterstützen."

    Pfingstgemeinden nicht politisch, aber gegen Verschwörungsmythen

    Es ist durchaus bemerkenswert, dass der Verband überhaupt aktiv wurde. Immerhin steht der Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden lediglich für eine bestimmte Ausrichtung von Frömmigkeit. Was die politische Gesinnung angeht, da lässt der Bund seinen Mitgliedsgemeinden absolute Freiheit. Christian Stockmann von den "Christen im Widerstand" wählt nach eigenen Aussagen übrigens AfD.

    Zwar lebe man in einem freien Land, in dem jeder seine Meinung äußern dürfe, sagt Uphoff. Gerade auch zum Thema Corona, wo es unterschiedlichste Meinungen gebe. Das sei für ihn keine "Frage des Glaubens". "Aber gegen Verschwörungstheorien gehen wir klar vor", rechtfertigt Uphoff den Schlussstrich mit Stockmann.

    Coronavirus als Glaubensfrage

    Für diesen ist Corona mittlerweile längst zu einer Glaubensfrage geworden. Interviewanfragen des BR ließ er bislang unbeantwortet, bei den Corona-Demos klingt sein Bekenntnis aber so: "Glaube versetzt Berge – und unsere Botschaft als Christen im Widerstand ist: Liebe ist immer stärker als der Tod. Die Wahrheit ist mächtiger als die Lüge – heute kommt ans Licht, dass über eine Millionen Menschen, zwei Millionen Menschen – ich weiß es nicht – hier versammelt sind. Die Wahrheit kommt an Licht!"

    "Nicht beispielhaft für die Mehrheit der Christen"

    Die Berliner Polizei spricht dagegen von nur "mehreren zehntausend" Teilnehmern. Von einer Massenbewegung scheint auch Stockmanns Netzwerk "Christen im Widerstand" bislang weit entfernt: Sein Youtube-Kanal Mandelzweig Medien kommt auf gut 5.300 Abonnenten. Exemplarisch für die mehrheitliche Haltung der Christen sei er jedenfalls nicht, betont Frank Uphoff: "Offizielle Haltung des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden ist es, dass wir die Regierung unterstützen und jetzt nicht aufrufen zu solchen Demos beispielsweise zu gehen."

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