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Wiener Philharmoniker: Trotz Corona in Japan auf Tournee | BR24

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Bildrechte: picture alliance/APA/picturedesk.com

Was bei uns derzeit nicht möglich ist, können japanische Musikfreunde genießen: Mitten in der Pandemie können sie live den Klängen Tschaikowskys lauschen, denn die Wiener Philharmoniker spielen in Japan auf. Allerdings unter strengen Hygiene-Regeln.

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Wiener Philharmoniker: Trotz Corona in Japan auf Tournee

Was bei uns derzeit nicht möglich ist, können japanische Musikfreunde genießen: Mitten in der Pandemie können sie live den Klängen Tschaikowskys lauschen, denn die Wiener Philharmoniker spielen in Japan auf. Allerdings unter strengen Hygiene-Regeln.

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Von
  • Kathrin Erdmann
  • Ulrich Möller-Arnsberg

Seit vergangener Woche sind die mehr als 100 Musikerinnen und Musiker der Wiener Philharmoniker auf Tour in Japan. Während in Europa der Lockdown viele Musiker am Auftreten vor Publikum hindert, geben die Philharmoniker ab heute fünf Konzerte in der renommierten Suntory Hall von Tokio. Damit sie in Japan spielen dürfen, müssen sich allerdings alle an ein strenges Sicherheitskonzept halten. Es kann auch als weiterer Test für die Olympischen Spiele im nächsten Jahr gelten.

Den Opfern der Anschläge von Wien gewidmet

Die Sechste Sinfonie von Peter Tschaikowsky unter der Leitung von Valery Gergiev stand beim ersten Konzert im Süden Japans auf dem Programm – gewidmet den Opfern der Anschläge von Wien vor einer Woche.

Daniel Froschauer, Geiger und Vorstand der Wiener Philharmoniker kommt gerade aus der ersten Probe in Tokio und erzählt im Skype-Interview von den besonderen Bedingungen dieser Reise: "Wir nehmen sehr viel auf uns, dass wir so eine Reise machen können. Wir sind immer zusammen, leben quasi in einer Blase. Wir essen zusammen in einem eigenen Raum, wir sind mit einem eigenen Flugzeug angereist, wir hatten einen Coronatest am Flughafen. Wir sind immer in der Gruppe, wir können nicht aus dem Hotel hinausgehen. Wir sind quasi in Quarantäne."

Alle drei Tage wird die gesamte Gruppe auf das Virus getestet, im Land reist das Orchester im eigenen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen. Dass sie überhaupt kommen konnten, ist nicht nur einem Brief vom österreichischen Kanzler Sebastian Kurz an den japanischen Premier Yoshihide Suga zu verdanken, sondern auch einem eigenen Sicherheitskonzept, betont Froschauer.

Bravos nicht erlaubt

Wenn sie von ihrem Hotel die 200 Meter zur Suntory Hall laufen, würden sie von Begleitern regelrecht abgeschirmt, erzählt er im Gespräch mit dem ARD-Hörfunk. Der 55-Jährige war wie viele der rund 100 Musikerinnen und Musiker schon häufiger in Japan, aber dieses Mal, sagt er, sei es wegen der Pandemie besonders berührend für alle. Auch das Publikum habe gezeigt, wie dankbar es für diese Abwechslung sei.

"Die dürfen nicht 'bravo' schreien," erzählt Froschauer, "jetzt haben sie alle Transparente gebastelt auf denen draufsteht: Bravo, we love you, Wiener Philharmoniker. Das ist derartig süß. Das geht wirklich zu Herzen, die Menschen sind so dankbar, auch in Wien, wenn wir spielen. Das ist jetzt nichts Spezifisches für Japan. Und wenn wir spielen, dann sehe ich diese Gesichter, die sitzen vor mir, und sie spüren die Schönheit der Musik."

Fieber messen vor dem Konzert

Glücklich, dass die österreichischen Gäste es tatsächlich bis nach Tokio geschafft haben, ist auch Tamon Koshino von der Suntory Hall: "Ich bin erleichtert, dass die Konzerte tatsächlich stattfinden können. Wir werden unser Bestes tun, damit sich keiner mit Corona infizieren kann."

Dafür wird am Eingang Fieber gemessen und alle Gäste müssen die ganze Zeit Maske tragen und am besten kein Wort reden. Aber: Natürlich geht es auch ums Geld – und da ist der Sicherheitsabstand im Konzerthaus nicht so wichtig. Fast alle 2.006 Plätze werden belegt sein. Die Kartenpreise liegen umgerechnet zwischen 155 und 317 Euro.

Test für die Olympischen Spiele

Wie schon zu Beginn ihrer Tour werden die Wiener Philharmoniker auch am Schluss etwas Besonderes machen, so Geiger Daniel Froschauer: "Wir werden eins der Stücke in Tokio sicher auch den weltweiten Opfern von Covid 19 widmen. Und werden da auch eine kurze Gedenkminute machen."

Das Internationale Olympische Komitee oder das Team von Tokyo2020 habe sich indes noch nicht gemeldet, aber er sehe schon, dass die Musiker auch so etwas wie Testpersonen für die Olympischen Sommerspiele sind.

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