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Wie viele kirchliche Online-Angebote überdauern Corona? | BR24

© dpa/ picture alliance

Ein Gottesdienst wird per Live-Stream online übertragen.

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    Wie viele kirchliche Online-Angebote überdauern Corona?

    Vier von fünf evangelischen Gemeinden haben Online-Gottesdienste veranstaltet. Mit Professionalität und Kreativität haben Gemeinden neue Angebote entwickelt, von denen viele Gläubige hoffen, dass sie nach Corona fortgesetzt werden.

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    Mit Laptop und Bibel macht sich der evangelische Pfarrer Bernd Berger auf den Weg in den Altarraum. Auf dem Stehpult klappt er sein Notebook auf. Bernd Berger feiert an diesem Sonntag Gottesdienst, nicht nur mit seiner Gemeinde vor Ort, sondern auch mit einer virtuellen Gemeinde am PC zu Hause. Die Idee kam dem Münchner Pfarrer durch die Corona-Krise, als Gläubige wegen des Versammlungsverbots wochenlang keine Gottesdienste in ihren Kirchen feiern durften.

    Vier von fünf evangelischen Gemeinden feiern Online-Gottesdienst

    Laut einer neuen Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland liegt Bernd Berger damit voll im Trend. Vier von fünf Gemeinden haben der Untersuchung zufolge während der Ausgangsbeschränkungen digitale Gottesdienste angeboten. Gut drei Viertel der knapp 900 befragten Gemeinden wollen digitale Formate auch nach der Krise fortführen. Der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm spricht daher von einer digitalen Revolution in der Kirche.

    Viele hätten vor Ort sehr schnell reagiert und ganz kreativ neue Formate geschaffen, die es ermöglicht haben, Menschen zu erreichen, ohne ihre Gesundheit einem Risiko auszusetzen. "Das war ja die Herausforderung, und da ist natürlich viel experimentiert worden", sagt Bedford-Strohm. "Jetzt kommt es darauf an, dass wir das, was sich bewährt hat, auch wirklich in der Zeit, in der die Krise dann hoffentlich überwunden sein wird, weitertragen."

    Berger: "Die Kirche ist jetzt gefragt"

    In den zurückliegenden Wochen haben Bernd Berger und sein Team viel an Erfahrung und Professionalität dazugewonnen. Mit mehreren Kameras filmen sie den Gottesdienst aus unterschiedlichen Perspektiven. Ein Techniker steuert am Mischpult, welche Kamerabilder in den Livestream einfließen. Auf seinem Bildschirm sieht Pfarrer Bernd Berger die Namen derjenigen, die virtuell an dem Gottesdienst teilnehmen. Wenn die Gemeinde singt, blendet der Techniker die Liedtexte zum Mitsingen zu Hause ein. An diesem Sonntag haben sich 15 Menschen online eingewählt. Im Kirchenraum sitzen mit ausreichend Abstand voneinander zusätzlich etwa 40 Personen.

    "Ich habe gedacht: Mensch, es kann nicht sein, dass jetzt kein Gottesdienst gefeiert wird. Wir als Kirche sind jetzt gefragt, uns zu äußern und den Menschen nahe zu sein. Und wenn es die Möglichkeit gibt über diese Medien, dann will ich das gerne nutzen." Pfarrer Bernd Berger.

    Mehr Gläubige im Online-Gottesdienst als sonst

    Bernd Berger ist über 60 Jahre alt - kein "Digital Native". Die technischen Skills hat ihm die Tochter seiner Lebensgefährtin beigebracht. Inzwischen hat er einen eigenen Instagram-Kanal, in dem er kurze Botschaften postet. In der Corona-Krise fing er aber auch an, Zoom-Gottesdienste zu feiern, also sich in Form einer Videokonferenz zum Gottesdienst zu verabreden: er in der Kirche, die Gottesdienstteilnehmer per Computer zugeschaltet und im Bild zu sehen.

    "Dann bin ich gleich ins kalte Wasser gesprungen und bin mit meinem PC in den Gottesdienst gegangen. Es war ja sonst niemand da. Und dann haben wir es veröffentlicht über die Homepage und über Aushänge. Und es waren relativ viele Menschen da, also mehr als im Präsenz-Gottesdiensten und eben auch von überall her. Ich hatte erst ein bisschen scheu, habe dann aber Spaß und Freude daran entdeckt, weil es eben auch interaktiv ist." Pfarrer Bernd Berger

    Trotzdem ist die Gemeinschaft in den Online-Gottesdiensten für Pfarrer Bernd Berger nicht real, sondern am Bildschirm konstruiert. Aber er sieht auch die Chance, dass Menschen teilnehmen können, die zum Beispiel sonst nicht teilnehmen würden. Es sei eine Möglichkeit, Gottesdienst zu feiern.

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