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Wie Viagogo Veranstalter und Gerichte in Atem hält | BR24

© picture alliance / empics

dpa-Screenshot der Viagogo-Angebote im Netz

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    Wie Viagogo Veranstalter und Gerichte in Atem hält

    Viagogo macht gigantische Geschäfte – und jede Menge Schlagzeilen. Heute wurde der Schweizer Ticketbörse untersagt, mit irreführenden Angaben Karten für die Passionsfestspiele zu bewerben. Ein Schritt, der aber noch lange nicht allen Ärger beseitigt.

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    Es dauert noch gut neun Monate bis zur Premiere des populären Passionsspektakels in Oberammergau. Und trotzdem wirbt die Ticketbörse Viagogo dafür mit Wendungen wie "nur noch wenige Karten verfügbar" oder gar "ausverkauft". Die Veranstalter aus Oberammergau haben dagegen geklagt und das Oberlandesgericht München untersagte Viagogo heute in zweiter Instanz diese Werbemethoden. Angaben wie "nur noch wenige Tickets verfügbar" befand das Gericht für irreführend, weil es suggeriere, dass Viagogo über ein fixes Kontingent an Karten verfüge, was bei der Zweitverkaufs-Plattform nicht der Fall ist.

    Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es beim Veranstalter der Passionsspiele für den ganzen Zeitraum der Passionsspiele (16. Mai bis 4. Oktober 2020) noch reguläre Karten zu kaufen, die – je nach Kategorie – 30 bis 180 Euro kosten. Die einzige Ausnahme ist die Premiere: Für die gibt es im freien Handel gar keine Karten, denn die Premiere ist nur für geladene Ehrengäste und Oberammergauer Bürger*innen vorgesehen. Trotzdem bietet Viagogo heute vier Premierenkarten an: zwei zu je 1.586 Euro, zwei zu je 1.321 Euro.

    Viagogo im Visier von Justiz und Verbraucherschützern

    Viagogo – europaweit inzwischen das größte Zweitverkaufsportal für Sportveranstaltungs-, Konzert-, Theater- und Festivaltickets aller Couleur – betont, dass die Preise von den Verkäufern festgelegt würden: Viagogo bringe lediglich Käufer und Verkäufer zusammen. Was das Portal verschweigt, ist, wie die zusätzlichen Kosten – Gebühren und Steuern, die erst am Ende der Buchung genannt werden und für böse Überraschungen sorgen – zustande kommen. Das bleibt intransparent. Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Bayern gaben im Mai 2019 an, dass die Ticketangebote bei Viagogo im Schnitt 31 Euro über dem Originalpreis lägen. Und da kämen dann am Schluss noch mal im Schnitt 35 Euro Gebühren und Steuern drauf.

    Geht es um Veranstaltungen, die schon am ersten Vorverkaufstag ausverkauft sind – so etwa bei den Auftritten des umstrittenen US-Komikers Louis C.K. auf seiner Europatournee – kommt es vor, dass ein reguläres 40-Euro-Ticket auf Viagogo für 314 Euro gehandelt wird. Oder ein Konzertticket für Element of Crime, das ursprünglich 44,50 Euro kostet, für 375 Euro zu haben ist.

    Viele Veranstalter werfen Viagogo vor, die Preisschraube selbst in die Höhe zu treiben, indem das Portal Knappheit und Begehrtheit vortäuscht. Eben wie im Fall der Passionsspiele von Oberammergau mit dem Hinweis, das "nur noch wenige Karten verfügbar" seien.

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    viagogo-Gegner mit T-shirt-Aufdruck "viaNOgo"

    Gegenmaßnahme: personalisierte Karten

    Statt den Klageweg einzuschlagen, kann man aber auch direkt Maßnahmen gegen die Machenschaften der Ticketbörse ergreifen: Das haben etwa die Band Rammstein, die Wagner-Festspiele in Bayreuth und der TSV 1860 erfolgreich vorgemacht. Sie verkaufen personalisierte Tickets, die beim Verkauf an andere ungültig werden. Das hält allerdings Viagogo nicht davon ab, die Karten trotzdem für teures Geld anzubieten. Der Fan hat das Nachsehen: Wer mit einer bei Viagogo erstandenen Karte zum Konzert beziehungsweise zum Spiel kommt, wird nicht reingelassen.

    Ein Problem, nicht nur für den Fußball- und Konzertfan, der das Event verpasst, sondern auch für Viagogo: Denn die Plattform garantiert die Gültigkeit ihrer Tickets und ist zur Rückerstattung des Kaufpreises verpflichtet. Auf der Viagogo-Homepage steht: "Wir agieren als der weltgrößte Sekundärmarktplatz für Tickets für Live-Events. Alle Tickets sind vollständig von unserer Garantie abgedeckt."

    Viagogo treibt Preistoleranz in die Höhe

    Eine Gefahr, die uns allen durch die Ticketbörse droht, kam gestern bei der Pressekonferenz der Wagner Festspiele in Bayreuth zur Sprache: Dass Viagogo auch zurückwirkt auf die Preispolitik der Veranstalter. Bei der Pressekonferenz beklagte sich Holger von Berg, der Geschäftsführer der Bayreuther Festspiele, bitter über Viagogo: Dort würden Mondpreise von 1.000 Euro und mehr bezahlt und er müsse sich dann vor seinem Aufsichtsrat rechtfertigen, warum er die Karten nicht gleich teurer macht.

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