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Melanie Eilert sitzt im Rollstuhl und weist darauf hin, dass Charakter mit Behinderung in Computerspielen meist Klischees bedienen.

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Wie steht es um die Barrierefreiheit in Computerspielen?

Computerspiele sind für Menschen mit Behinderungen neben zahlreichen anderen Gründen vor allem eine Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Aber digitale Spiele sind oft nicht barrierefrei. Eine Studie zeigt, wo Nachholbedarf ist.

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Caspar von AuCaspar von Au
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Wenn es um Inklusion in Computerspielen geht, fehlt es vor allem noch an Aufklärung. Das ist das zentrale Ergebnis der repräsentativen Umfrage im Auftrag des Projekts „Gaming ohne Grenzen“ und des Mobilfunkanbieters Congstar. Das Marktforschungsunternehmen Civey hat dafür jeweils 1.000 Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen und 1.000 Gamerinnen und Gamer unabhängig voneinander befragt. Vor allem jüngere Menschen mit Behinderungen spielen gerne am Computer. 28 Prozent der 18- bis 29-Jährigen unter ihnen gaben das an. Zum Thema Barrierefreiheit sagten 8 Prozent, dass sie schon mal ein Spiel abbrechen mussten, weil es körperliche Barrieren gab.

Bedienung von Computerspielen für Menschen mit Behinderung

Das hat auch Melanie Eilert, Botschafterin für das Projekt "Gaming ohne Grenzen", schon so erlebt. Eilert ist 34 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl. Als kleines Kind wurde bei ihr Spinale Muskelatrophie diagnostiziert. Die Krankheit sorgt dafür, dass ihre Muskeln mit der Zeit immer schwächer werden und so ihre Motorik zunehmend einschränken. Eilert spielt viel und gerne.

Dank spezieller Eingabegeräte wie zum Beispiel dem Adaptive Controller von Microsoft ist das in den vergangenen Jahren einfacher geworden. "Es gibt so unterschiedliche Spielsituationen, wo der eine große Unterstützung für mich ist und mir Spiele ermöglicht, die ich vorher nicht spielen konnte", sagt Eilert.

Ein Adaptive Controller - er erleichtert die Bedienung für Menschen mit Behinderung

Bildrechte: Anna Spindeldreier I Gesellschaftsbilder.de

Alle 3D-Spiele aus der Ich-Perspektive zum Beispiel. Deren Steuerung ist deshalb so kompliziert, weil der Spieler gleichzeitig den Blickwinkel festlegen muss und seine Figur steuern. Dafür muss er in vielen Spielen mehrere Tasten gleichzeitig oder schnell hintereinander drücken. Bedeutet für Eilert: Sie muss erfinderisch werden. "Dadurch kann ich die Laufen-Taste mit meinen Knien betätige und gleichzeitig mit der Hand benutzen. Das wäre so einfach nicht möglich ohne den Adaptive Controller."

Unnötige Frustration

Aber trotz Spezial-Controller sind manche Spiele so programmiert, dass Eilert irgendwann nicht weiter kommt. Das Mittelalter-Adventure "A Plague Tale" bricht sie zum Beispiel nach knapp einer Stunde frustriert ab, weil es bei einem Kampf auf Schnelligkeit ankommt. Dabei hätten die Entwickler das Problem ganz einfach beheben können, indem sie den Spielern die Möglichkeit geben, die Spielgeschwindigkeit individuell anzupassen. In anderen Games, etwa "Ratchet & Clank: Rift Apart" oder "The Last of Us Part 2" gibt es diese Option.

Screenshot aus "A Plague Tale"

Bildrechte: Focus Home Interactive

Die Civey-Studie thematisiert aber nicht nur die Barrieren in Computerspielen, sondern auch die Darstellung von behinderten Menschen in diesen. Jeder zehnte Befragte gab an, dass ihm eine angemessene Repräsentation wichtig ist. Auch Melanie Eilert sieht das so: "Das Problem ist, wenn es nur einen Charakter mit Behinderung gibt und der die Klischees bedient."

Häufig würden die Charaktere unter ihrer Behinderung leiden und sogar mit dem Gedanken spielen, sich das Leben zu nehmen. Zum Beispiel sagt die Figur Chloe im Spiel "Life is Strange": "Ich weiß, dass ich nur das Unvermeidbare aufschiebe, während meine Eltern leiden genauso wie ich."

Computerspiele könnten Wahrnehmung von Behinderung verändern

Eilert meint, es wäre viel besser, wenn die Computerspiele zeigen würden, dass ein Leben mit Behinderung völlig normal möglich ist. Im Gegenteil könne man das sogar nutzen, um auf Barrieren im Alltag aufmerksam zu machen. Ob Barrieren oder die Darstellung in Computerspielen – Melanie Eilert ist überzeugt: Das Wichtigste wäre, dass sich Spieler mit Behinderungen und Entwickler frühzeitig im Entwicklungsprozess austauschen.

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