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Wie sich südafrikanische Modedesigner den Sommer 2021 vorstellen | BR24

© @dsd_danielle

Blick in die Zukunft: Dieser Entwurf stammt von Lezanne Viviers

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    Wie sich südafrikanische Modedesigner den Sommer 2021 vorstellen

    Überall auf der Welt arbeiten gerade Modedesigner an Entwürfen für das neue Jahr. Dabei müssen sie entscheiden: Wie wollen wir wohl aussehen, wonach sehnen wir uns, wie viel Farbe brauchen wir? Skizzen aus zwei südafrikanischen Design-Werkstätten.

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    Von
    • Katharina Fuß

    Es mag wie ein Klischee klingen, aber es ist mehr als das: So bunt und vielfältig die Kulturen, Bräuche und Traditionen der Menschen in Südafrika sind, so ist auch die Mode, die von dort kommt. Auf den Instagramprofilen der oft jungen Modedesigner fällt vor allem eines auf: Sie alle sind ihrer Heimat sehr verbunden und Muster, Farben sowie die Natur spielen eine große Rolle.

    Tradition, Secondhand, Sportkleidung

    Eines dieser jungen Modetalente ist Lezanne Viviers. Die Südafrikanerin gewinnt die Materialien für ihre Kollektionen durch Upcycling, sie setzt also Stoffreste zu neuen Kreationen zusammen. Inspiration dazu findet sie in ihrer Heimatstadt Johannesburg: "Die Leute kaufen viel Secondhand-Kleidung, die von Europa nach Johannesburg verschifft wurde, und die wird dann oft mit Sportkleidung kombiniert oder mit traditioneller Kleidung", erzählt sie. "Wenn du Zulu bist, kannst du traditionelle Zulu-Stücke mit etwas Sportbekleidung oder mit Sachen aus Secondhandshops in der Stadt kombinieren. Das ist das, was ich wirklich an Joburg liebe."

    © @dsd_danielle

    Neue Kleider von Lezanne Viviers

    Luxuriöse Einzelstücke – und Jogginghosen

    Der Modestil auf den Straßen von Johannesburg könne locker mit Paris oder Rom mithalten, erklärt die Modedesignerin. Um ein bisschen von diesem Stil in die Welt herauszutragen, hat Lezanne im April 2019 ihr eigenes Label gegründet. Die Johannesburgerin entwirft Einzelstücke und will ihren Kundinnen und Kunden etwas Besonderes, auch Luxuriöses liefern, aber in ihrer neuen Kollektion muss sie umdenken.

    Im Lockdown hätten schließlich viele Menschen andere Vorlieben entwickelt: "Sie wollten Jogginganzüge, sie wollten bequeme Kleidung, sie wollten einfache Klamotten, die sie daheim tragen können. Und ein paar Kunden, die für große Unternehmen arbeiten, haben sich gefragt, was trage ich denn jetzt hier, obenrum?"

    Corona: eine Lektion, auch für die Modewelt

    Also hieß es: sich Gedanken über Jogginganzüge zu machen, aber auch darüber, Kleidung zu entwerfen, in der man sich auch draußen zeigen kann, die also nicht gleich wieder verloren geht. Die Mode muss nachhaltig sein und darf nicht nach der Corona-Krise im Schrank oder im Altkleidersack landen, das ist Lezanne Viviers wichtig. Und auch wenn die Krise sie vor neue Herausforderungen stellt, hat für die junge Modedesignerin alles einen Sinn.

    2020 hat sie als Jahr zum Nachdenken verstanden: "Mutter Erde hat gesagt: Ok, Stopp – das ist eine Lektion für uns alle. Entweder du hörst zu und lernst, was da gerade abgeht oder du bleibst zurück. Die größte Lehre, die wir aus Corona ziehen können, ist, dass wir die Erde verschmutzen. Und ich glaube, Corona hört nicht auf, bevor wir nicht zuhören."

    © non-european

    So sehen Tarien und Louis Erasmus die Zukunft: leger, aber nicht unelegant.

    Mode mit afrikanischem Selbstbewusstsein

    Die Südafrikanerin hat die Hoffnung, dass Corona uns alle mehr nachdenken lässt, über das was wir tun. Ähnliches erzählt auch das Ehepaar Tarien und Louis Erasmus, sie beide arbeiten als Designer. Ihre Modemarke "non-european" entstand fast 1.400 Kilometer entfernt von Johannesburg, in Kapstadt, und auch ihr Stil ist ein ganz anderer. Ihre Denkweise aber ähnelt der von Lezanne Viviers.

    "Wir glauben, dass alles Schlechte auch etwas Gutes hat", erklärt das Ehepaar und weiter: "Für manche war die Pandemie wie ein Todesurteil, für andere war es ein Moment der Erleuchtung. Wir alle sind den gleichen Umständen ausgesetzt, aber die Art und Weise, wie wir darauf reagieren, wird unsere Zukunft bestimmen."

    Gesucht: bequem und elegant

    Das Designerpaar hat die Krise deutlich zu spüren bekommen, bei ihnen lief bisher viel über den direkten Verkauf in ihren Läden und nicht im Internet – deshalb haben sie sie viel weniger Kleidung als im vergangenen Jahr verkauft. Ihrer neuen Kollektion in diesem Jahr wird man Corona aber nicht stark anmerken.

    Das Label "non-european" könnte man als afrikanisches Vintage bezeichnen. Ihr Stil passe sehr gut zu dem, was die Menschen im Moment von Mode wollen, erzählt Tarien Erasmus: "Wir hatten schon immer einen starken Fokus auf luxuriöse Freizeitkleidung und auf einen Stil, der elegant und bequem ist. Wir haben uns jetzt einfach auf diesen Bereich beschränkt, weil es das ist, was die Leute gerade wollen. Sie wollen dieselben Klamotten tragen, wenn Sie ihre Zoom-Videokonferenz haben, und wenn sie den Tag so zu Hause verbringen."

    © non-european

    Das Ziel: nachhaltige Mode.

    Kein Business mit Maskenproduktion

    Auch wenn der Stil ihres Labels gut zu den Ansprüchen der Menschen während der Coronakrise passt: Alltags-Masken zu designen, kam für die beiden nicht in Frage. Als es ihnen verboten war, während des Lockdowns Kleidung zu verkaufen, wurde ihnen angeboten: "Ihr könnt ja Masken produzieren und damit euer Business erweitern!"

    Das habe sich für sie und ihr Label "non-european" aber absolut falsch angefühlt: "Wir wollen uns nicht für etwas verändern, das wir als vorübergehend ansehen. Wir wollen dem treu bleiben, was wir tun. Wir wollen lieber Hoffnung verbreiten und qualitativ hochwertige Produkte herstellen." Die Maske, sagen sie, verstecke die wahre Identität, die Schönheit und den Wert eines Menschen: "Wenn man krank ist, dann sollte man sie trage. Wenn nicht, solltest du aufblühen, du selbst sein und strahlen."

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