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"Konservative Antifaschisten"? Wie rechts sind Frei.Wild? | BR24

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Wie rechts sind Frei.Wild?

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"Konservative Antifaschisten"? Wie rechts sind Frei.Wild?

Frei.Wild spielen heute in der Olympiahalle in München: Die demonstrativ maskuline südtiroler Band distanziert sich stets von Rechtsaußen - wettert aber genau wie AfD und Co. gegen eine "Diktatur des Mainstreams". Von Klaus Walter

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"Du kannst dich nicht drücken, auf dein Land zu schauen
Denn deine Kinder werden später darauf bauen
Sprache, Brauchtum, und Glaube sind Werte der Heimat
Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk." Frei.Wild-Song 'Wahre Werte', die musikalische, politische und moralische Visitenkarte der Band

Mit solchen Werten qualifizieren sich die Südtiroler als Leib- und Magenband der Identitären Bewegung. Wie die Identitären definieren Frei.Wild Identität vor allem über Abgrenzung. Abgrenzung gegen das Andere, das Fremde. Ihre Identität sei stets und ständig bedroht, ohne die Werte der Heimat sterbe unser kleines Volk. Heimat ist ein zentraler Begriff in der traditionellen Volksmusik, aber auch im Turbo-Volksrock von Frei.Wild. Allerdings gehen die Südiroler noch einen Schritt weiter, so Thorsten Hindrichs, Musikwissenschaftler an der Uni Mainz: "Bei Freiwild – und da wird es schon ein bisschen kritisch – wird das schon auch mit einer gewissen Blut & Boden-Ideologie kombiniert."

Frei.Wild - keine Nazis im klassischen Sinne

Bei allem Blut & Boden sind Frei.Wild keine Nazis im klassischen Sinne. Eher schon: die Pop-Variante der neurechten Ideologie des Ethnopluralismus. Wie die Identitären propagieren Ethnopluralisten das Gebot der ethnischen Reinheit, die es zu verteidigen gilt gegen das gefährlich Fremde. Ethnopluralismus ist also exakt das Gegenteil von kultureller Vielfalt und deswegen attraktiv: für Rechte und für Rechtsextreme.

"Leckt uns alle am Arsch - Opposition": mit dem ausgestreckten Mittelfinger des Wutbürgers noch so ein Signatursong der Südtiroler Deutschrock-Band. Deutschrock steht weniger für Grönemeyer und Westernhagen als für harten, maskulinen, deutschsprachigen Rock. Die Überväter des Genres sind die Böhsen Onkelz aus Hessen, eine Band mit rechter Vergangenheit und Liedern wie "Türken raus". Andere populäre Deutschrock-Bands heißen Ehrentod, Vollblut, Haudegen oder auch Analgewitter. Philipp Burger, Sänger und Anführer von Frei.Wild bezeichnet sich selbst als: konservativen Antifaschist. "Das ist eine konservative Wertehaltung, auf jeden Fall, aber das Problem ist, dass das Wort rechts automatisch übergreift ins Rechtsextreme und davon distanzieren wir uns ganz vehement", erklärt Burger.

Statt Sex & Drugs & Rock´n Roll sind Familie und "wahre Kameradschaft" angesagt

Frei.Wild distanzieren sich von Rechtsaußen, Burger selbst distanziert sich von seiner Vergangenheit in der rechten Skinheadband Kaiserjäger. Und die konservativen Werte? Wichtig für Frei.Wild ist der christliche Glaube. Man legt Wert auf „wahre Kameradschaft“, auf Fleiß, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit. Und gibt sich naturverbunden, bodenständig, patriotisch. "Familie ist das wichtigste Gut auf Erden", sagt Burger in einer Bandbiografie. Frei.Wild sind bekennende Biertrinker, von Sex & Drugs & Rock´n Roll hält Philipp Burger nichts: "Was bringt dir Sex mit einer 2000 mal durchgebumsten Nutte?" Eine Musikerin könne er sich bei Frei.Wild nicht vorstellen: "Niemals! Da Regelbeschwerden, da eine Schwangerschaft."

Mit ihrem demonstrativen Maskulinismus machen sich Frei.Wild zum Sprachrohr einer versunsicherten Männlichkeit. Sie sprechen denen aus der Seele, die sich mit AfD und Pegida vor allem als Opfer empfinden: entmündigt von der Diktatur der politisch Korrekten, umstellt von Gutmenschen, enerviert vom Genderwahn, überwacht von der linken Sprachpolizei. Zuflucht verspricht die heimatliche Scholle.

"Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen/ Wenn ihr euch ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen." singen Frei.Wild in 'Wahre Werte' . Bei Pegida klingt das so: "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen." Der Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs bezeichnet Frei.Wild auch wegen solcher Zeilen als "rechtsoffen. Sie arbeiten mit Themen und Sujets, die für extreme Rechte anschlussfähig und zustimmungsfähig sind…die sind nicht rechtsradikal, die sind nicht Grauzone, die sind rechtspopulistisch."

Wenn Rockmusik in Deutschland im Jahr 2018 politisch massenwirksam wird, dann ist sie im Zweifel: eher rechts.