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Wie prägen TV-Serien unser Politikverständnis? | BR24

© BR / Neuesuper Produktions GmbH

Eine Szene aus der bayerischen Fernsehserie "Hindafing", in der es um die Lokalpolitik im gleichnamigen oberbayerischen Gemeinde geht.

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    Wie prägen TV-Serien unser Politikverständnis?

    Von "House of Cards" über "Borgen" bis "Hindafing": Wenn Politik in TV-Serien thematisiert wird, geht es oft um Intrigen, Korruption und Macht. Verändert das die Einstellung beim Publikum? Eine Studie der Uni Augsburg sagt: So einfach ist das nicht.

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    Ein Beispiel: Die dystopische BBC-Serie "Years and Years". Sie wirft einen unheimlich realistischen Blick auf die kommende Dekade. Serienschöpfer Russel T Davies greift in seiner Serie hochaktuelle, gesellschaftliche Diskussionen und politische Entscheidungen auf und kommentiert sie mit einer Serienhandlung, in der gewählte Populisten und Autokraten die Welt an den Rand des Abgrunds führen. In Griechenland kommt es im Jahr 2024 nach dem "Grexit" zu gewalttätigen Ausschreitungen, in Italien wird das Kriegsrecht verhängt, in den USA wird die "Ehe für alle" und das Recht auf Abtreibung aufgehoben…

    Beschäftigung mit Politik beeinflusst ZuschauerInnen positiv

    Doch statt das Publikum mit negativen Bildern in seiner Politikverdrossenheit zu bestärken, hat der Konsum von Polit-Serien und Filmen einen unerwarteten Effekt. Das legt eine Studie nahe, die die Kommunikationswissenschaftlerin Cordula Nitsch zusammen mit ihrem Kollegen Carsten Wünsch von der Uni Augsburg durchgeführt hat. Zwei Probandengruppen schauten Filme, die ein negatives oder ein positives Politikerbild vermitteln. Anders als erwartet, zeigten danach aber nicht nur diejenigen eine verbesserte Einstellung zur Politik, die optimistische Politikerfilme gesehen hatte - sondern alle.

    "Wir könnten uns vorstellen, dass allein die Tatsache, dass man Politikserien nutzt und sieht, was da alles dahintersteckt, dass es viele Abwägungsprozesse sind, dass es ein sehr hartes Geschäft ist - dass das allein von der Narration dazu führt, dass ein bisschen positiver geurteilt wird, was Politiker eigentlich so leisten", sagt Nitsch. "Selbst wenn die Leute nicht positiv dargestellt werden."

    Fiktion macht erfahrbar, was Nachrichten nicht vermitteln können: "Warum" und "Wie" politische Kompromisse gefunden werden, welche Prozesse dahinterstecken und wie groß die Tragweite dieser Entscheidungen sein kann.

    CDU-Politiker Philipp Amthor informiert sich bei "Borgen" aus Dänemark

    Vor allem neuere Politikserien bieten einen Blick auf die politischen Hinterbühnen, zu denen das Publikum im Alltag keinen Zutritt hat. Damit das realistisch dargestellt wird, sind bei der Produktion vieler Serien wie "The West Wing" oder "Borgen" Berater aus der Politik beteiligt. Sie steuern Insiderwissen und Anekdoten bei.

    Dass die Serienwelt und die Realität immer wieder miteinander verschmelzen, hat auch die Journalistin Eva Schulz in einem Interview mit dem CDU-Politiker Philipp Amthor festgestellt. Er hat ihr erzählt, dass die dänische Serie "Borgen", in der es um eine junge Ministerpräsidentin geht, ihm geholfen hat, da er regelmäßig mit dänischen Politikern zu tun hat.

    Serieninhalte bestärken politische Einstellungen, verändern sie aber kaum

    Themen werden vom Publikum häufig als wichtiger empfunden, wenn sie Teil einer fiktionalen Handlung waren. Dadurch könnten Serien auch Menschen mit politischen Inhalten erreichen, die sich sonst nicht dafür interessieren. Es sei aber selten, dass Medien die politische Haltung des Publikums verändern.

    "Also wenn ich sowieso schon der Meinung bin, alle Politiker sind korrupt und eh nur aufs Geld aus, dann werde ich mich durch solche Darstellungen bestärkt fühlen - das hat dann einen stärkeren Effekt", so Nitsch. "Doch wenn ich nicht dieser Meinung bin, dann ist es kaum der Fall, dass ich durch die Darstellung von Frank Underwood aus 'House of Cards' auf einmal mein Bild über die reale Politik ändere und denke, die sind alle wie dort dargestellt."

    Auch wenn fiktionale Erzählungen einen Effekt auf die politischen Vorstellungen und Einstellungen des Publikums haben - das tatsächliche Wahlverhalten beeinflussen sie eher nicht, sagt Nitsch: "Weil beispielsweise die Lindenstraße mal einen negativen Satz über die FDP sagt, dass deshalb die FDP schlechter in den Wahlen abschneiden würde, das halte ich für sehr gewagt." Schließlich sind Serien nur ein kleiner Teil des gesamten Medienkonsums.

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