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Wie Pfarrer Franz Senn den Alpin-Tourismus erfunden hat | BR24

© BR/Brigitte Kornberger

Vent im Öztal

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    Wie Pfarrer Franz Senn den Alpin-Tourismus erfunden hat

    Es war ein Pfarrer, der vor 150 Jahren den Deutschen Alpenverein gegründet hat: der Tiroler Seelsorger Franz Senn. Er gilt als der Vater des alpinen Tourismus. Doch der Gletscherpfarrer hat damit nicht nur Wohlstand und Segen gebracht.

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    Franz Senn, ein begeisterter Bergsteiger, verstand Seelsorge 1860 ganz pragmatisch als "Menschensorge". Er baute sein Pfarrhaus in Vent im Hinteren Ötztal um, richtete dort Gästezimmer ein und bildete die Bergbauern zu Bergführern aus, um ihnen so eine zusätzliche Einnahmequelle zu ermöglichen. Das Leben im Ötztal war einfach und karg, aber für die Städter eröffnete sich eine neue Welt. Eine Win-Win-Situation, die heute zu kippen droht.

    Gründung des Deutschen Alpenvereins im Münchner Wirtshaus

    Mit Freunden aus Prag und München, die er in Vent kennengelernt hatte, gründete Pfarrer Senn am 9. Mai 1869 in einer Münchner Wirtschaft den Deutschen Alpenverein. Die Bergfreunde beschließen:

    "Die Bereisung der Alpen soll erleichtert, Sektionen gebildet, Hospize gebaut, regelmäßige Bergberichte veröffentlicht werden." Aus der Satzung des Deutschen Alpenvereins

    Der Alpenverein verlangte von seinen Mitgliedern keine besonderen Leistungen, nur reges Interesse für die Alpenwelt, heißt es in der Zeitschrift des Vereins 1870. "Überall soll die Liebe zu den Alpen geweckt werden." Die Liebe ist vielleicht übergroß geweckt worden. Heute ist Overtourism ein Schlagwort. Denn der alpine Tourismus mit Biker-Touren, Flying Fox, Zipline, Bungee-Jumping und Kletterparcours nimmt skurrile Züge an. Sind angesichts des Klimawandels nicht ganz andere Akzente in den Gletscherregionen nötig?

    Mit der Gletscherfeuerwehr durchs Ötztal

    150 Jahre nach der Gründung des Deutschen Alpenvereins erinnert der Glaziologe Ludwig Braun an die Pionierarbeit von Franz Senn. Mit einem historischen Feuerwehr-Einsatzwagen fährt er an Schulen, informiert über die Befunde der Erderwärmung und den Schwund der Gletscher und über mögliche Maßnahmen gegen den Klimawandel. Gleichzeitig appelliert er an die Bevölkerung im Tal, Fantasie zu entwickeln, um die Attraktivität der Bergregionen zu erhalten.

    Faszination Berg

    Die Berge faszinieren seit jeher Menschen in allen Kulturen. Dabei liegen Verehrung und Furcht oft nahe beieinander. Denn der Aufstieg zum Gipfel war und ist auch heute oft gefährlich.

    Warum nehmen Menschen so viele Mühen und Gefahren auf sich, um Gipfel zu erklimmen? Sind sie dort droben wirklich dem Himmel und Gott näher? Diesen Fragen geht die BR-Sendung STATIONEN auf den Grund. Am Mittwoch um 19 Uhr im BR-Fernsehen.