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Wie Kirchen und Hilfswerke den UN-Migrationspakt bewerten | BR24

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Gewaltherrschaft, Hungersnöte oder schlicht keine Perspektiven für die Zukunft – christliche Hilfswerke sehen in vielen Ländern die Ursachen der Migration. Den UN-Migrationspakt sehen sie als Schritt in die richtige Richtung.

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Wie Kirchen und Hilfswerke den UN-Migrationspakt bewerten

Gewaltherrschaft, Hungersnöte oder schlicht keine Perspektiven für die Zukunft – christliche Hilfswerke sehen in vielen Ländern die Ursachen der Migration. Den UN-Migrationspakt sehen sie als Schritt in die richtige Richtung.

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Markus Ingenlath, Geschäftsführer von Renovabis, hält den UN-Migrationspakt für "einen ersten Schritt im globalen Kontext, der die Lasten gerechter verteilen wird". Renovabis ist das Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche in Deutschland. Renovabis unterstützt in 29 Ländern wie Albanien, Weißrussland oder Tadschikistan Projekte zur pastoralen, sozialen und gesellschaftlichen Erneuerung und setzt sich für einen Dialog zwischen West und Ost ein. Ingenlath sieht im Migrationspakt deshalb auch eine Chance, in den osteuropäischen Partnerländern von Renovabis das "Bewusstsein zu schärfen, dass sie nicht nur für ihre nationalen Belange zuständig sind, sondern auch Teil einer Weltgemeinschaft".

In Osteuropa ist vor allem die Arbeitsmigration ein Thema

Arbeitsmigration beispielsweise sei ein Thema, das auch die Herkunftsländer stark betrifft; ein Punkt, der für Ingenlath im Migrationspakt noch nicht genug bedacht wurde. "Ich habe den Caritasdirektor aus Rumänien gesprochen: Der sagt, es gibt gar keine Familien mehr, weil die Elterngeneration ist im Westen zum Arbeiten, die Kinder sind teils sich selbst überlassen, die Älteren werden nicht mehr gepflegt, das alles bricht zusammen in diesen Gesellschaften."

Erster Schritt für eine verbesserte Situation in den Transitländern

Als guten Ausgangspunkt, der aber nicht der letzte Schritt sein dürfe, bezeichnet Klaus Seitz, der Leiter der Abteilung Politik bei "Brot für die Welt" den UN-Migrationspakt. Klimafolgen müssten als globale Herausforderung betrachtet werden. Brot für die Welt ist das Entwicklungswerk der evangelischen Kirchen in Deutschland, das in mehr als 90 Ländern aktiv ist. Ein zentraler Schwerpunkt der Arbeit ist die Ernährungssicherung, aber auch Kinderarbeit, Flucht und Migration sowie Menschenrechte. Klaus Seitz erhofft sich durch den Pakt eine Verbesserung der Situation in den Transitländern. Wenn sich Länder wie Libyen, wo die Menschenrechte kaum geachtet würden, zu einem solchen Pakt bekennen würden, müssten sie den dort gestrandeten Menschen etwa einen Zugang zur Gesundheitsversorgung oder zu Arbeit gewähren.

Die Migrationsdebatte sachlicher führen

Auch Barbara Brustlein vom Internationalen Katholischen Missionswerk missio sieht im UN-Migrationspakt vor allem ein politisches Signal. Der Pakt zeige den guten Willen, mit einer Realität unserer Zeit, mit der großen Herausforderung des 21. Jahrhunderts, menschlich umzugehen. Also sich ins Bewusstsein zu rufen, dass das Menschen sind, mit denen wir es zu tun haben. Für Brustlein ist der Migrationspakt mit der Chance verbunden, Daten und Fakten rund um Migration zu erheben und die Debatte dadurch zu versachlichen.

Außerdem könnten die Bedingungen in den Herkunftsländern dadurch möglicherweise verbessert werden. "Denn es ist ja klar: Die ganze Welt kann nicht nach Europa ziehen, aber wir müssen eine gerechtere Welt schaffen, in der es sich in allen Teilen der Welt leben lässt." Denjeningen, die derzeit so emotionsgeladen und „schrill“ wie Brustlein es sagt, über den Pakt diskutieren, würde sie gerne entgegnen, was auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx des öfteren zum Ausdruck bringe: Wer Christ sei, könne nicht Nationalist sein. Die momentane Debatte sei von der Idee geprägt, "dass der ganze Wohlstand, den wir genießen dürfen, dass der zusammenbricht, weil weltweite Entwicklungen stattfinden, die wir nicht mehr im Griff haben". Dabei sei die Idee des Migrationspakts eine ganz andere: Es gehe darum, Migration zu ordnen, zu regeln und dabei die Souveränität der Staaten zu wahren.