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Wieso uns im neuen Jahrzehnt noch mehr Superhelden erwarten | BR24

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Gekommen, um zu bleiben: Superhelden wie die Avengers werden auch die 2020er-Jahre filmtechnisch bestimmen

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Wieso uns im neuen Jahrzehnt noch mehr Superhelden erwarten

Die 2010er-Jahre waren das Jahrzehnt der Superhelden. Iron Man, Captain America, Thor, Black Widow und all die anderen waren aber erst der Anfang. Denn schon 2020 werden neue Superhelden actionreiche Filmabenteuer erleben – und das nicht nur im Kino.

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Das finale Okay kam am 31. Dezember 2009, pünktlich zum Ende der Nuller-Jahre. An jenem Donnerstag stimmten die Aktionäre des Comicverlags Marvel Entertainment der Übernahme durch den Disney-Konzern zu. Das größte Unterhaltungsimperium der Welt besaß nun eine der größten Superhelden-Ansammlungen der Welt: über 7.000 Charaktere, darunter so illustre Typen wie Iron Man, Black Panther und Captain America. Namen, die noch vor zehn Jahren für Achselzucken und fragende Gesichter gesorgt haben. Heute kennt sie so ziemlich jeder. Denn dank einer noch lange nicht beendeten Superheldenfilmflut haben sie es aus der Comicheft-Nische an die Spitze der Popkultur geschafft – und Hollywood grundlegend verändert. Der Mann, der daran entscheidend mitgewirkt hat, heißt Kevin Feige. Er ist der Chef der Marvel Studios und gemessen an den Einspielergebnissen seiner Filme der erfolgreichste Filmproduzent der Welt.

Das Geheimnis seines Erfolgs hat verschiedene Aspekte. Superhelden-Verfilmungen gab es zwar schon vor der marketingstarken Disney/Marvel-Ära, doch erst Feige erkannte das Potential des horizontalen Erzählens, also der verknüpften Filme. Sie stehen nicht für sich allein, sondern wachsen stetig, bauen aufeinander auf und werden zum epischen Serienformat. Oder eben zum MCU, dem Marvel Cinematic Universe. Basis ist das über Jahrzehnte in den Comicheften gewachsene Universum an Geschichten, die nach Belieben für die Leinwand adaptiert werden können.

Das Suchtpotential der serienartigen Erzählform

Sorgen um mangelnden Zuschauerzuspruch muss sich bei Disney niemand machen. Denn die Filme richten sich nicht vorrangig an merchandise-abhängige Kinder und Teenager auf der Suche nach Vorbildern. Zielgruppe sind ebenso Erwachsene, die entweder mit den Heften aufgewachsen sind oder durch das Suchtpotential der serienartigen Erzählform in den Superheldensog gezogen wurden. Loyale Fans also, die zu ihren Helden halten, in guten wie in schlechten Zeiten. Wirklich schlechte Verfilmungen müssen die Marvel-Fans aber kaum mehr fürchten. Denn Feige ist selbst Fanboy und nimmt die Figuren und ihre zwischen Action und Aberwitz balancierenden Abenteuer ernst. Gleichzeitig gibt er ihnen die nötige Portion Humor, die das Superman-Schicksal verhindert.

© picture alliance / MediaPunch

Selbst ein Fanboy: Kevin Feige, Chef der Marvel Studios

Superman und sein berühmter Kollege aus dem konkurrierenden DC-Comic-Universum – der von Ben Affleck verkörperte Batman – hatten in den letzten Jahren weit weniger Erfolg als die Marvel-Helden. Zu düster und wirr waren die Geschichten, zu wenig charakternah die Figuren. Feige hingegen hat die Zeichen der Zeit erkannt – und das schließt nicht nur das Eingehen auf Fanbedürfnisse ein, sondern auch den Wunsch nach mehr Diversität. Ergebnis: "Black Panther", der erste Superhelden-Film mit fast ausschließlich schwarzen Schauspielern, und "Captain Marvel", die erste weibliche Superheldin, die mit ihrer Origin Story mehr als eine Milliarde US-Dollar eingespielt hat.

Scorsese und die Vergnügungsparks

Beweisen muss Feige mittlerweile niemanden mehr etwas. Nicht mal Martin Scorsese. Der Regie-Veteran hatte im Herbst 2019 Marvel-Filme mit Vergnügungsparks verglichen, die keine emotionale Tiefe besitzen und nichts mit klassischen Filmerfahrungen zu tun haben. Feige kommentiert diese Aussage im Interview mit dem Branchenmagazin "The Hollywood Reporter" nur mit diplomatischem Achselzucken: "Manche Leute bezweifeln, das sei Kino. Jeder darf seine Meinung haben. Jeder darf diese Meinung wiederholen. Jeder darf Meinungsstücke darüber schreiben. Und ich bin gespannt, was als nächstes passiert. Aber in der Zwischenzeit machen wir weiter Filme."

Dieses Versprechen, das manche als Drohung empfinden, wird Feige definitiv einhalten. Denn durch den Start der konzerneigenen Streamingplattform Disney+ wird sein Comicuniversum künftig noch schneller wachsen, erzählt Feige: "Das Marvel Cinematic Universe wird sowohl im Kino als auch bei Disney+ stattfinden. Unsere Produktionen für Disney+ haben also Kinoniveau. "Falcon und Winter Soldier" wird aktuell gedreht und erst kürzlich war ich am Set von "WandaVision". All diese Figuren werden in ihren Serien hoffentlich sehr aufregende Veränderungen durchleben – und dann in den Kinofilmen auftauchen. Es geht also hin und her. Einige Figuren – wie Miss Marvel und She-Hulk und Moon Knight – werden erstmals in einer Disney+-Serie auftauchen. Und dann werden auch sie im Kino zu sehen sein."

Die Neuerscheinungen dürften im kommenden Jahrzehnt also in weit kürzeren Abständen erscheinen. Und hier und da könnten sie dazu führen, dass selbst von Superhelden entnervte Filmfans gern wie der Avengers-Gegner Thanos wären – um mit einem einzigen Fingerschnipsen die Hälfte der Filme in Staub aufzulösen.

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