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Wie kann die Digitalisierung der Museen gelingen? | BR24

© Bayern 2

Wie bringen Museen die Besucher in ihre Häuser, wie ihre Ausstellungen nach draußen? Die digitale Präsentation vor Ort und im Netz bietet ganz neue Möglichkeiten – und kann neues Publikum erschließen. Wie nutzen bayerische Museen dieses Potenzial?

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Wie kann die Digitalisierung der Museen gelingen?

Wie bringen Museen die Besucher in ihre Häuser, wie ihre Ausstellungen nach draußen? Die digitale Präsentation vor Ort und im Netz bietet ganz neue Möglichkeiten – und kann neues Publikum erschließen. Wie nutzen bayerische Museen dieses Potenzial?

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Die schwarze Schachtel aus Pappe hat die Größe einer kleinen Brotdose. Nur das Motiv – 4 singende Gestalten, die auf die Vorderseite gedruckt sind – verrät: Das hier ist mehr als ein Stück Papier. Bei näherem Betrachten der Schachtel erkennt man, dass sie sich aufklappen lässt und in ihrem Inneren eine 3D-Brille liegt. Die Alte Pinakothek in München hat das neue Projekt Anfang Juni vorgestellt: Mit Brille und App können Interessierte die aktuelle Ausstellung "Utrecht, Caravaggio und Europa" jederzeit und überall entdecken.

Ersetzen kann die Brille den Besuch im Museum aber natürlich nicht. Und das soll sie auch gar nicht. Vielmehr bietet das Projekt die Möglichkeit, die Ausstellung virtuell zu verlängern und zu archivieren. Und es ist eine Alternative für Besucherinnen und Besucher, die die Ausstellung analog nicht besuchen können, entweder weil sie körperlich eingeschränkt sind oder zu weit weg wohnen.

Manche Museen haben noch nicht einmal eine Webseite

Die Virtual Reality – Brille ist eines von vielen Beispielen für technische Neuerungen in Museen. In Sachen digitaler Ausstattung innerhalb der Museen wurde also bereits gut vorlegt. Der Nachholbedarf liegt anderswo. Astrid Pellengahr, die Leiterin der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, erklärt das Problem: "Museen können auch ganz wunderbare Orte der Entschleunigung sein. Insofern geht es gar nicht darum, so viel Technik wie möglich in ein Museum zu packen, sondern die Besucher intelligent anzusprechen, und da ist aus unserer Sicht noch ein riesiges Pfund da, das die Museen bisher noch überhaupt nicht gehoben haben."

Im Jahr 2017 hatten 5% der nichtstaatlichen Museen in Bayern noch nicht einmal eine Website. Pellengahr meint: "Hart ausgedrückt, existieren die nicht mehr, nämlich für das gesamte Publikum, das sich im Digitalen informiert.“ Viele andere Museen existieren zwar online, fallen jedoch kaum auf. Denn ein Großteil der Museen hat keine eigene Website, sondern wird beispielsweise nur auf der Seite der Stadt erwähnt. Das Problem dabei: Die Museen sind weniger sichtbar und können kaum gezieltes Marketing betreiben.

Marketing muss sein

Eine weitere Baustelle: die sozialen Medien. Nur wenige Museen in Bayern besitzen einen Instagram- oder Facebook Account. Die Kommunikation über Social-Media-Kanäle ist aber unumgänglich geworden. Dabei geht es nicht nur darum, das junge Publikum zu erreichen. Die am stärksten wachsende Zielgruppe auf Facebook sind die Über-60-Jährigen, die jüngeren Nutzer wandern zu anderen Plattformen wie Instagram. Je nach Plattform sind also verschiedene Zielgruppen anzusprechen. Die meisten Museen kennen ihre Zielgruppe, wissen aber nicht mit ihren Social Media-Kanälen umzugehen. "Freundlich ausgedrückt, sind die Museen noch in einem digitalen Schatten", sagt Astrid Pellengahr, "und wenn wir jetzt nicht endlich reagieren und uns alle aufraffen und uns mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen, dann wird aus diesem Schatten vielleicht noch etwas viel Dunkleres."

Das möchte die Landesstelle für nichtstaatliche Museen verhindern. Jedes Jahr organisiert sie den Bayerischen Museumstag. Die Veranstaltung soll die Leiter der Museen fortbilden und findet dieses Jahr vom 3. bis 5. Juli in Neumarkt i.d. Oberpfalz statt – unter dem Motto: "Im digitalen Raum. Das erweiterte Museum." Dort können sich die Museen beispielsweise Tipps für ihren Internetauftritt holen. Das Ziel: den Museen soll in Sachen digitaler Sichtbarkeit doch noch ein Licht aufgehen.

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