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Wie ernst ist es Franziskus mit Frauen in der Kirche wirklich? | BR24

© picture alliance / Pressefoto Ulmer

Papst Franziskus mit einer Gruppe von Frauen

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    Wie ernst ist es Franziskus mit Frauen in der Kirche wirklich?

    Mehr Einsatz für die Würde von Frauen: Dazu hat Papst Franziskus in seiner Neujahrsansprache aufgerufen. Aber wie reformwillig ist das Kirchenoberhaupt, wenn es um Frauen in der Kirche geht, wirklich?

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    "Wenn wir eine bessere Welt wollen, die ein Haus des Friedens und nicht Schauplatz für Krieg ist, möge uns die Würde jeder Frau am Herzen liegen", sagte Papst Franziskus am Neujahrstag bei einer Messe im Petersdom. "Eine Errungenschaft für die Frau ist eine Errungenschaft für die ganze Menschheit". So Franziskus weiter.

    Seit seinem Amtsantritt vor fast sieben Jahren setzt sich Papst Franziskus nicht nur gegen Gewalt an Frauen ein. Er will sie auch – wie er ebenfalls in seiner Neujahrsansprache betont hat – an Entscheidungsprozessen in der Kirche voll beteiligen. Will er. Aber er tut es nicht genug, meinen viele katholische Frauen in Deutschland.

    Priesterinnen-Weihe ausgeschlossen

    Seit Mai 2019 gehen sie auf die Straße. Elisabeth Kötter von der Protestbewegung Maria 2.0 sagt: "Die Hälfte der katholischen Menschen auf der Welt wird draußen gehalten, weil sie Frauen sind. Wir können nicht mit entscheiden und wir möchten so gerne die Kirche mit beflügeln." Zum Beispiel als Priesterinnen.

    Eine Diskussion, auf die sich Papst Franziskus nicht einlässt. Die Weihe von Frauen zu Priesterinnen schließt er unter Berufung auf Johannes Paul II. aus. Anders sieht es mit der Weihe zur Diakonin aus. Sozusagen die Vorstufe zur Priesterin.

    Drei Jahre hatte sich eine Kommission im Vatikan mit der Frage beschäftigt, ob Frauen Diakoninnen werden können. Bisher kam das Expertengremium zu keinem Ergebnis. Papst Franziskus will die Kommission erneut einberufen und sie eventuell durch neue Mitglieder erweitern, sagte Franziskus: "Sie wird weiter erforschen, auf welche Weise in der frühen Kirche das Ständige Diakonat existierte. Die bisherigen Untersuchungen haben kein klares Ergebnis erbracht."

    Viele Frauen sind enttäuscht

    Dass eine Entscheidung über das Frauendiakonat damit wieder vertagt wurde, enttäuscht viele Frauen. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf glaubt: "Jetzt ist eine Entscheidung notwendig." Als Oberhaupt der Kirche müsse der Papst Veränderungen durchsetzen – wenn sie ihm denn wirklich wichtig sind. Aber ist Franziskus wirklich ein Reformer?

    Hiltrud Schönheit, Vorsitzende des Katholikenrats München meint: "Man hat immer so das Gefühl, da zögert jemand noch. Vielleicht liegt es auch daran, dass man zur Bewahrung der Einheit der Christen die ganze Weltkirche mitnehmen muss und dass es natürlich auch Länder auf dieser Welt gibt, wo das einfach undenkbar ist."

    Der Papst kommt aus Argentinien, ist geprägt von einer Machokultur, attestiert Theologe Paul Michael Zulehner, der im Rahmen der Aktion "Pro Pope Francis" mit vielen Theologinnen gesprochen hat. "Die sagen dem Papst, da musst du noch lernen, du hast das noch nicht richtig verstanden, worum es uns Frauen geht. Und wir wollen nicht, dass ihr uns großmütig zulasst, sondern ihr müsst begründen, warum wir keinen Zugang haben."

    Bislang keine konkreten Reformen

    Konkrete Reformen im Hinblick auf die Stellung der Frau in der katholischen Kirche gab es unter Franziskus bisher nicht. Aber er habe immerhin eingeladen, Vorschläge zu machen, gemeinsam nachzudenken, auch theologisch, meint Gudrun Sailer von Radio Vatikan. Das sei eigentlich schon mehr, als jeder Papst vor ihm gemacht hat in der Frauenfrage. Geht Franziskus also als Reformer in die Kirchengeschichte ein? Möglicherweise wird das davon abhängen, was seine Nachfolger aus den Reformideen des Südamerikaners machen werden.

    Der Papst will sich für die Frauen einsetzen – auch in der Kirche? Ist Franziskus ein Reformer? Dieser Frage widmet sich die STATIONEN Sendung von Claus Singer: Papst Franziskus – der Reformer?